Leicht überschattet - The Shadow Self

Mon, 25 Jul 2016 15:50:00 GMT von

Anfang Mai ließ Tarja ihre Fans wissen, dass noch in diesem Sommer zwei Alben von ihr erscheinen würden. Am 03. Juni erblickte "The Brightest Void" die Plattenteller und am 05. August wird "The Shadow Self" folgen.

Ein Künstler, der binnen eines Jahres zwei Langspieler auf den Markt bringen will, setzt bei den Fans große Vorfreude in Gang, schürt aber auch die Erwartungshaltung. Zwei zusammenhängende Werke - ein Prequel und das Hauptalbum sollten es bei der finnischen Melodic-Metal-Sängerin Tarja werden. In ihrer Heimat wird Tarja Turunen verehrt, gilt als The Voice of Finland. Singen kann die ausgebildete Sopranistin und einstige Nightwish Frontfrau ohne Zweifel. Aber schafft sie es auch in kurzer Zeit zwei Langspieler mit Songs zu füllen, die den Anspruch erheben, ein Konzept zu haben? Die Antwort in Kurzform "Jein".

Es fehlen die Kanten

Bei Liebhabern des Metal-Genres kommt Tarja vermutlich im Jahr 2016 weniger gut weg. Die Ideendichte entspricht nicht ganz den Erwartungen und deren Umsetzung dürfte einigen zu viel Pop-Attitüde enthalten. Die zusammengerechnet eigentlich nur 13 neuen Songs hätte die Finnin ebenso auf einem einzigen Album veröffentlichen können. Ihre Tracks "No Bitter End" und "Eagle Eye" findet man sowohl auf "The Brightest Void", als auch auf "The Shadow Self". Ein Unterschied besteht im Wesentlichen in der Länge und darin dass "No Bitter End" auf dem August Release als eine Art Acoustic-Session startet.

Aufgestockt wurde bei beiden Veröffentlichungen mit einigen Coverversionen ("Goldfinger" und "Paradise[What About Us]" als Tarja-Mix mit Within Temptation) und auf dem zweiten Album folgt mit dem Titel "Supremacy" ein Muse-Cover. Letzteres zeichnet sich leider nicht durch großartige neue Sounderlebnisse aus. Auch Matthew Bellamy erreicht  im Refrain schwindelerregende Höhen. Der Rest des Stückes glänzt nicht unbedingt durch eine auffallend andere Interpretation. Da gab Tarja sich mit dem Bondklassiker "Goldfinger" auf "The Brightest Void" weitaus mehr Mühe. Schade eigentlich.

Innocence

Der Opener "Innocence" berührte bereits als Vorabsingle, besonders weil es dazu ein beeindruckendes Video gibt. Der Song dreht sich um häusliche Gewalt und besitzt allein darum Brisanz und Berechtigung. Ein Thema, welches nicht totgeschwiegen werden darf. Natürlich ist die akustische Umsetzung der Nummer, wie auch etliche der anderen Stücke ordentlich beschliffen worden. Immer wieder kommt relativ hymnischer Sound zum Vorschein. Besonders im letzten Drittel von "Innocence" kommen Piano-Anhänger voll auf ihre Kosten: Tarjas Solo an den Tasten ist ein Ohrenschmaus.

Echte Metal-Fans werden sich hier nicht wiederfinden. Das soll allerdings nicht als Kritik gewertet werden. Tarjas Symphonic-Metal eignet sich auf alle Fälle, um eventuell den eigenen geschmacklichen Horizont um einige härtere Gitarrenriffs zu erweitern.

Dämonisches Intro

Zu den echten Perlen auf "The Shadow Self" zählt jedoch "Demon’s in You". Sehr spannend das Intro, das überaus Frusciante-mäßig beginnt, ehe der Chili-Pfeffer-Streuer nach rund 30 Sekunden zugeschraubt und durch harte Metal-Riffs ersetzt wird. Hier kommt dann Alissa White-Gluz von Arch Enemy ins Spiel und wird in den sopranistischen Tonlagen des Refrains von Tarja unterstützt. Balladesk wird es mit "Love to Hate", in dem das Klavier wieder eine entscheidende Rolle spielt. Beinahe sphärisch geht dann in "Living End" zu. Der Song macht den Eindruck als wolle er sich auf den Posten einer Hymne bewerben - derlei Klänge erwartet man im Metal-Bereich nicht und könnte sogar darauf verzichten.

Kein Muss

Auch die Songs "Diva" und "Undertaker" (allein der Titel "Bestatter" wirft Fragen auf), reißen nicht vom Hocker. Wobei "Calling from the Wild" noch einmal zeigt, dass auch raue Klänge durchaus zu Tarjas Repertoire gehören. Als Rezensent kommt diesmal aber keine wahre Freude auf, weil das Werk nicht zünden will. Die Mühe, welche ein ganzer Stab rund um den Künstler in eine neue Platte investierte, schlecht zu schreiben muss einem schon liegen. Aber letztlich ist niemandem damit gedient, sich in Lobhudelei zu ergehen. "The Shadow Self" ist kein grundsätzlich schlechtes Album. Allerdings im Kontext der Ankündigung, erwartet man sich vom Hauptteil eines Konzeptsalbums mehr.

Fazit: Wem es um die Vollständigkeit seiner Sammlung geht, begeht keinen Fehler damit, am 05.08. zum Plattendealer des Vertrauens zu stiefeln, oder "The Shadow Self" via iTunes bzw. Amazon zu erwerben. Ansonsten bereitet Tarjas Prequel "The Brightest Void" mehr Vergnügen.

Tarja - The Shadow Self - Tracklist:
01. Innocence
02. Demon’s In You (feat. Alissa White-Gluz)
03. No Bitter End
04. Love Tho Hate
05. Supremacy (Muse Cover)
06. Living End
07. Diva
08. Eagle Eye
09. Undertaker
10. Calling from the Wild
11.Too Many



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