Akustische Erleuchtung

Wed, 18 May 2016 10:42:00 GMT von

In gut zwei Wochen veröffentlicht Finnlands schönste Stimme Tarja mit "The Brightest Void" das erste von zwei neuen Alben. Aus einer mit reichlich Plastiksound zugemüllten Klanglandschaft hebt sich dieses angenehm hervor.

Neun Tracks umfasst die am 03. Juni 2016 erscheinende Prequel-CD "The Brightest Void" der Finnin Tarja. Legt man sie in den Player und drückt auf Start, erschallen nach wenigen Sekunden wohlige Töne. Dem Metal-Anhänger entringt sich ein zufriedenes Seufzen, angesichts brachialer Gitarren-Riffs, mitreißender Drums und nicht zuletzt aufgrund der ergreifenden Stimme von Tarja Turunen. Dass die finnische Regierung ihr kürzlich ein eigenes Emoji widmete, zeigt deutlich welchen Ruf die ausgebildete Sopranistin in ihrer Heimat genießt: Tarja ist "The Voice" of Finland.

No Bitter End

Ein Album, das mit einem geradezu perfekt komponierten Symphonic-Metal-Stück beginnt wie "No Bitter End", kann kein bitteres Ende nehmen. Dafür sprechen schon daran beteiligte Personen, die da wären Sänger Michael Monroe der finnischen Band Hanoi Rocks, oder der vielleicht weltbeste Drummer Chad Smith (Red Hot Chili Peppers). Ersterer bringt seine knarzige Rockerstimme an Tarjas Seite im Titel "Your Heaven And Your Hell" zum Einsatz, wohingegen Smith in "Eagle Eye" ordentlich auf die Felle eindrischt.

Die akustische Vielfalt von rastend schnellen Beats, bis hin zu beinahe schwebenden Saxophonklängen, machen "Your Heaven And Your Hell" zu einem wahren Ohrenschmaus. "Eagle Eye" ist perfekt auf Tarjas gesangliche Fähigkeiten abgestimmt - ein balladeskes und eingängiges Rock-Sahne-Stückchen, das vermutlich während der noch folgenden Live-Tour die Feuerzeuge zum Einsatz herausfordert. Ein kleines Gimmick im Song ist die Gesangseinlage von Tarjas Bruder Toni Turunen.

Traumhafte Kompositionen

Der vierte Track mutet beinahe an wie aus einer Oper entnommen. "An Empty Dream" hat epischen Charakter und lässt den typischen Rock-Sound ein wenig in den Hintergrund treten. Tarja lockt den Hörer in dem Lied auf die Pfade mystischer Traumlandschaften. Ganz unbekannt ist der Titel nicht mehr, weil er bereits 2015 als Teil des Soundtracks zum argentinischen Film "Corazón Muerte" zu hören war.

Und weil man sich dann eh schon aus der grauen Wirklichkeit entfernt hat, fällt es nicht weiter schwer, den leidenschaftlichen Gesängen der 38-Jährigen zum nächsten Song "Witch Hunt" zu folgen. Dramatische Trommeln und intensive Streicheinsätze untermalen den großartigen Klang. Man meint beinahe Nebelschwaden und geheimnisvolle Sagengestalten zu erblicken.

Kraftvoller Sound

Nach knapp der Hälfte des Albums wird es wieder rockig und laut. In "Shameless" singt Tarja in bester Metal-Manier. Ihre Stimme beweist erneut, dass sie mehr kann als nur lieblich klingen: der Titel endet beinahe ekstatisch. "House Of Wax" beginnt mit melodischem Piano und kraftvollen Paukenschlägen. Es handelt sich um das gleichnamige Cover von Paul McCartney. Mit Tarjas Gesang klingt "House Of Wax" nicht nur wärmer und runder; die Nummerschraubt sich langsam aber stetig, tiefer in die Gehörwindung. Zusätzlich erzeugen wunderbare Gitarren eine Gänsehaut. Nur schade, dass jetzt bereits die letzten zwei Stücke auf "The Brightest Void" anbrechen.

Gut gemixt

James Bond Fans werden nach wenigen Augenblicken leuchtende Augen bekommen. Der achte Titel nennt sich "Goldfinger" und stellt ein Cover des Soundtracks zum gleichnamigen Agenten-Streifen mit Sean Connery von 1964 dar. Eine Überraschung bietet die von Tarja gesungene Version nicht wirklich, da das wuchtige, beinahe epische Original wie geschaffen ist, um von einer Sopranistin neu vertont zu werden. Dennoch, macht "Goldfinger" als Rocknummer fast noch mehr Spaß als in seiner ursprünglichen Form.

Im Duett und solo

Und bevor die knappe Dreiviertelstunde finnischen Deluxe-Metals endet, rundet die ehemalige Nightwish Frontfrau ihr Album mit einem speziellen Mix des Within Temptation Hits "Paradise (What About Us)" ab. Die niederländische Symphonic-Metal-Band veröffentlichte ihre Nummer im Jahr 2014, mit Tarja als Featureguest. Darin konnte man Sharon den Adel und Tarja als Duett-Partnerinnen erleben. 

Für "The Brigtest Void" sang die Finnin den Song als "Tarja-Mix" neu ein. Der wesentliche Unterschied beider Versionen besteht darin, dass Tarjas Mix weniger symphonisch instrumentiert, dafür aber mit dramatischerem Gesang ausgestattet wurde. Das Original kommt diesbezüglich satter aus den Boxen, schlussendlich entscheidet hier der persönliche Geschmack des Hörers.

The Brightest Void

Am Freitag. 3. Juni wird "The Brightest Void" in den Handel kommen. Es ist der Vorgeschmack auf das im August folgende Hauptwerk "The Shadow Self". Beide Werke, sowohl die Prequel-CD, als auch das eigentliche Studioalbum erscheinen bei earMUSIC. Man kann sie getrennt und auch jedes für sich genießen.

"'The Brightest Void' ist mehr als ein Vorgeschmack auf 'The Shadow Self'; es ist ein eigenständiges Album mit neun Songs. Die beiden Alben sind zwar sehr stark miteinander verwoben, stehen aber gleichzeitig unabhängig voneinander", erklärt die Sängerin. Wie immer man das Verhältnis beider Werke zueinander beschreibt, "The Brightest Void" bietet jedenfalls beste Unterhaltung auf hohem musikalischem Niveau.

Tarja - The Brightest Void - Tracklist:
01. No Bitter End
02. Heaven And Hell (with Michael Monroe)
03. Eagle Eye (with Chad Smith/Drums)
04. An Empty Dream
05. Witch Hunt
06. Shameless
07. House Of Wax
08. Goldfinger
09. Paradise (What About Us) [Tarja Mix] - Within Temptation feat. Tarja



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