Voller Zuversicht - Free EP

Thu, 10 Dec 2015 08:32:00 GMT von

Frei sein und unabhängig ist ein Wunsch, den die meisten Menschen in sich tragen. Sarah P. nahm sich des weiten Begriffs "Freiheit" auf ihrer ersten Solo-EP "Free" an. Ein komplexes und sehr gelungenes Debüt der ehemaligen Keep Shelly In Athens Sängerin.

"Seit die ehemalige Keep Shelly In Athens Frontfrau Sarah P. ihren normalen Job kündigte, ruhte sie sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Sie ist bekannt als Elektro Indie Fachfrau für dramatischen Gesang, ihre Fähigkeiten lassen sich unter anderem in Tracks der Sun Glitters und The Bilinda Butchers hören. Außerdem fing sie an düstere Disco/House Melodien unter eigenem Namen zu veröffentlichen - sie alle verdeutlichen: Ja, sie ist in Bewegung", wusste vor geraumer Zeit  MTV IGGY zu berichten.

Mit Ihrer EP "Free" legt Sarah P. am 14. Dezember 2015 acht zauberhafte neue Stücke vor, die allen Anhängern leicht verfinsterter Synthies im Sound der 90er gefallen dürfte. "Free" ist unter anderem als Einladung zu verstehen, eigene negative Erinnerungen in eine Schachtel zu packen, diese zu vergraben und befreit davon einen Neuanfang zu wagen.

Dirty Sunday

"Dirty Sunday" ist als Opener eine Herausforderung und Klangperle zugleich. Derart komplexe Konstruktionen sucht man als Musikfan lange. Stolpernd, rennend und dann wieder zaghaften Schritten ähnlich, werden die Beats aneinander gereiht und übereinander gestapelt. Man kann den Song nicht oft genug hören und wird lange brauchen, um ihn gänzlich zu erfassen. Die ersten Töne lassen einen sonntäglichen Kirchgang vermuten, weil das Ohr von Orgelklängen umspült wird, doch ist all das nur der Anfang einer Geschichte über Abrechnung mit Vergangenem, Loslassen, und Aufbruch in ein neues freies Leben. Der Extended Play fordert auf, über die aktuelle Situation nachzudenken, festzulegen worin sich der eigene Wille äußert und mutig nach vorn zu schreiten. Melancholie findet in den acht Stücken auf "Free" nur als Randerscheinung Platz, sie würde den Blick auf das versperren, für das es sich zu kämpfen lohnt: Freiheit.

Let It Go

"Let it go" geht schmeichelnd ins Ohr. Der Song gefällt mit tröpfelnden Beats auf einladendem Gesamtkonstrukt. Hier geht es inhaltlich vorrangig um Sarah’s Erkenntnis loslassen zu müssen. Ein Thema welches sich individualisieren lässt. Jeder hängt (oder auch nicht) an einer anderen Stelle seines Lebens fest und kommt nicht voran. Hat man sein Ziel definiert, muss man gucken wann der richtige Augenblick gekommen ist. Als Nächstes sollte man auf die eigenen Instinkte vertrauen und sich selbst und anderen nichts vorspielen. Dann kann man den entscheidenden Schritt wagen, alles Alte fallenlassen und neu anfangen.

Little Soul

"Little Soul" steht für die optimistische Sichtweise, nach der alles irgendwann gut ausgehen wird. Egal wo wir gerade stehen und welche Dramen uns umgeben, alles ist endlich. Sarahs scheinbar unzerstörbare, positive Einstellung dominiert in "Little Soul". Auch ihre kleine Seele musste bereits Verletzungen hinnehmen. Sie liess sich davon jedoch nicht unterkriegen und macht uns mit Zeilen wie "Someday, you'll say: It’s all ok, hang on!" Mut. Singt sie teils unter sparsamer Begleitung, setzt dazwischen jedoch immer wieder treibende Beats und elektronische Begleiter ein, um dem Song den nötigen Nachdruck zu verleihen.

I’d Go

"I’d go" vermittelt eine gewisse Aufbruchsstimmung und ist überaus tanzbar. Die belastende Vergangenheit und der damit verbundene Wunsch nach einem Neuanfang drückt sich in den Lyrics aus. Fast jeder kennt dieses Gefühl, dass ein Wendepunkt bevorsteht, dass man einfach aufstehen und gehen sollte. Meist steht einem die Angst vor einer ungewissen Zukunft dabei im Weg, obgleich schon klar ist, dass man eigentlich keine Wahl hat. Sarah P. widmet sich inhaltlich all diesen Fakten, singt aber derart unbefangen und beschwingt, dass man bei flüchtigem Zuhören, den Ernst hinter ihren Worten kaum wahr nimmt.

Die positive Grundeinstellung von Sarah P. kommt in Komposition und Text klar zum Ausdruck und sie verdeutlicht das mit ihrer Stimme. "I’d Go" verdient durch die herrlich elektronisch-poppige Grundlinie unbedingt einen Platz in den Radiostationen des Landes, zumal der Track zeitweise an den Klangkarussell-Hit "Sonnentanz" erinnert.

Dishes

"You misconceived the impact of the words that cut like knife...You played me around, still I was there for you and every night..." hinter derartigen Zeilen lassen sich ziemliche Qualen vermuten. Sarah P. grenzt sich in ihrem Song "Dishes" stark gegen die schmerzhafte Vergangenheit ab, indem sie klar macht, dass sie sich nicht länger benutzen lassen wird. "Always dreamt of something nice that would carry me to the lights..." singt sie an anderer Stelle. Den Hintergrund lieferte eine schwere Zeit, nach der Sarah P. bei ihrer Mutter lebte, um neue Kraft zu tanken. Ihre Stimme klingt leicht angespannt, aber auch sehr bestimmt. Der Song hat eine ganz besondere Aura durch tiefe Basslinien und einen sehr energetischen Beat.

Moving On

Stillstand ist Rückschritt und nur wer sich bewegt, kann die Dinge in eine andere Richtung lenken. Der Song "Moving On" lädt ein zum Tanzen - auch eine Bewegungsalternative. Es dominieren exakte Beats und werden durch eine drängende Melodie und Sarahs lockenden Gesang verstärkt. Das Thema Befreiung zieht sich noch immer wie ein roter Faden durch "Free". In "Moving On" wird die Erkenntnis in den Mittelpunkt gerückt, dass wer nicht aufgibt, das Ruder herumreißen kann. Mit klarem Willen lässt sich fast alles erreichen. Auch diesmal ist es der Sängerin auf mehreren Ebenen gelungen, den tieferen Sinn des Liedes auszudrücken. Das Spiel mit ihrer eigenen Stimme hat hierbei wieder eine besondere Bedeutung.

Golden Deer

Dieser Track ist der wohl fantasievollste, zumindest was die Lyrics betrifft. Eine Art Fabelwesen soll behilflich sein, aus dem bisherigen Leben auszusteigen. Das goldene Reh wirkt wie ein Einhorn, das über heilende Kräfte verfügt. Wir alle sehnen uns irgendwo nach paradiesischen Lebensumständen. Wäre es nicht schön wenn ein wundersames Tier uns einfach dorthin führen würde? "Golden Deer" gehört zu jenen Songs, die man sich hervorragend auch auf dem Dancefloor seines Lieblingsclubs vorstellen kann. Mitreißend, beschwingt und irgendwie ein bisschen süchtig machend. Und wie singt Sarah P. im Refrain so schön: "Maybe we see something - I don't know."

You Wouldn’t Understand

Mit "You Wouldn’t Understand" endet die EP nach etwas weniger als einer halben Stunde. Der letzte Track ist rein instrumental gehalten und wie der erste von unfassbarer kompositorischer Komplexität. Insofern ist sein Titel gut gewählt, denn auf Anhieb ist die Nummer nicht verständlich. Man braucht Zeit und Geduld und vermutlich wird jeder Hörer schlussendlich eine andere Definition finden. Die Faszination von "You Wouldn’t Understand" bleibt davon unberührt. Man muss vielleicht nicht immer alles verstehen, ein gutes Gefühl und sei es jenes, gerade außergewöhnliche Musik gehört zu haben, ist schon wertvoll genug.

Free EP

Sarah P. hat den Namen ihrer EP gut gewählt. Freiheit ist ein sehr individuelles Gut, jeder definiert sie anders. Die einstige Stimme von Keep Shelly In Athens hat sich auf verschiedenen Ebenen selbst befreit. Was war, liegt hinter ihr - Neues wartet darauf entdeckt zu werden. Ganz besonders hervorzuheben ist die künstlerische Freiheit auf "Free". Hier wurden weder Klischees noch Genres bedient, sondern gefühlt, experimentiert und ausgelebt. Etwas, das man als Mensch viel öfter tun sollte, unabhängig davon, ob man über musische Begabungen verfügt.

Release-Party in London

Es ist schon eine Weile her, seit sie selbst on the road war, aber nun ist die Zeit für eine Veränderung reif. Sarah P. ist schon aufgeregt und freut sich mit ihren neuen Songs auf Tour zu gehen. Der erste Auftritt mit ihrer EP "Free" ist für den 12. Dezember in London geplant. Eine Show, bei freiem Eintritt im "Birthdays", zwei Tage vor dem Release, weil Sarahs Werk an ihrem Geburtstag erscheint.

Wer zwischen Nikolaus und Weihnachten einen ausgedehnten London Trip plant, darf und sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Alles weitere rund um den Gig kann man bei Facebook nachlesen. Am 14. Januar 2016 tritt Sarah P. neben vielen anderen interessanten Acts beim Eurosonic Noorderslag Festival in Groningen (NL) auf. In ihrer aktuellen Wahlheimat Berlin ist die gebürtige Griechin am 25. Januar im Privatclub zu sehen. Es werden aber noch weitere Termine folgen. "Free" ist ab 14.12.2015 digital bei iTunes und Amazon, sowie als Vinyl erhältlich.

 



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