Eine runde Sache - Max

Mon, 15 Jun 2015 12:06:00 GMT von

Eine erfolgreiche Dekade liegt hinter ihm und nun zieht Max Mutzke uns bereits mit seinem sechsten Studio-Album in den Bann. Am vergangenen Freitag wurde "Max" veröffentlicht und versteht zu begeistern.


Er ist kein typischer Star, vielmehr ein begnadeter Musiker. Jede Faser seines Körpers ist durchdrungen von Soul, Pop, Funk und wie man seit "Durch Einander" weiss, auch von Jazz. Mit jenem Release aus dem Jahr 2012 ging der 34-jährige Bade auf umfangreiche Tour. Dabei wurde er von diversen Big Bands, Jazz Trios, oder großen Namen wie Klaus Doldinger und dessen Band Passport begleitet.  Nicht nur, dass Max’ Ausflug in die Welt des Jazz großen Anklang fand, es brachte ihn musikalisch auch auf neue Ideen, die einen umfangreichen Reifeprozess nach sich zogen. Möglicherweise gerade deshalb nahm die Arbeit für seine am 12. Juni 2015 veröffentlichte Platte "Max" ganze vier Jahre in Anspruch.

Die lange Suche

Einerseits reifte in Max Mutzke ein neues musikalisches Verständnis heran. All die vielen Eindrücke und Erlebnisse auf Tour, die verschiedenen Orte, Menschen Erfahrungen im Umgang mit neuen Freundschaften, blieben nicht ohne Wirkung auf den talentierten Künstler. Doch statt einfach zu wachsen, ließ ihn all das Neue in Bezug auf die eigene Identität unsicher werden. Es kamen im Verlauf der Zeit viele neue Songideen auf, Texte wurden aufgeschrieben, doch wie die Musik am Ende klingen sollte, war und blieb lange unklar. Max konnte einfach keinen roten Faden entdecken und begab sich auf die Suche nach einem geeigneten Produzenten, der diese Frage beantworten konnte. Viele der Anfragen kamen ohne Ergebnis zurück, bis eines Tages Andreas Herbig sein Interesse bekundete.

Arbeit mit Unbekannten

Herbig verhalf als Musikproduzent bereits so manchem Künstler zum Erfolg. Er arbeitete bereits mit Deichkind, Reamonn, Cassandra Steen oder Culcha Candela zusammen. Auch das große Udo Lindenberg Comeback-Album "Stark wie zwei" (2008) wurde von Andreas Herbig produziert. Als Max sich mit ihm traf, wurde schnell klar, dass eine Zusammenarbeit erfolgreich verlaufen könnte.

Herbig spürte auf Grund seiner Erfahrung wo der Hase im Pfeffer lag und lud eine Band ins Studio ein, die noch nie mit Max Mutzke gespielt hatte. Dieser wiederum stellte sich vor die Instrumentalisten von B-Seite und sang seine Songs vor. In seinem Kopf enthielten diese bereits Dynamiken und Energie, die Max in seiner Performance zum Ausdruck brachte. Durch Geduld und viel Kompetenz der Band griffen die Jungs alsbald den gesuchten roten Faden auf und trugen dazu bei, dass binnen neun Tagen das Album aufgenommen werden konnte.

Bunter denn je

Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen - man fühlt geradezu die vielen Gedanken und Erlebnisse, die "Max" Zugrunde liegen. Der Sound ist wunderbar Retro, denn Max Mutzke fand zu sich selbst zurück. Die Zusammenarbeit mit Andreas Herbig klärte seinen Blick für das, was ihn ausmacht und für seine persönlichen Stärken. Dazu gehört auch, dass dieses Album durchaus stimmig klingt, selbst wenn Muttersprache und Englisch einander abwechseln. Max versteht es durch Worte und Komposition tiefe Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dennoch wirkt die Musik zu keiner Zeit schnulzig, oder konstruiert, sondern einfach perfekt austariert und voller Lebensenergie. Hinzu kommt eine unglaublich interessante Verschmelzung diverser Stilelemente. Wo hört man sonst schon jazziges in Kombination mit Rap.

Absolut Magisch

Zu Beginn des Albums liegt der Fokus noch ein bisschen stärker auf Jazz-Elementen, doch mischt sich im Verlauf immer mehr von Max Mutzkes erfolgreichem Mix aus Pop und Soul darunter. Gewürzt wird hier und da mit ein bisschen Funk, grooven lässt es sich beinahe durchgehend durch abwechslungsreiche Beats. Die angenehm kratzige Stimme von Max findet in den meisten Songs ihre volle Entfaltung. Den Track "Unsere Nacht" dürften Interessierte schon kennen, da dieser vorab ausgekoppelt wurde. Der eh schon mitreißende Sound voller unfassbar packender Vibes, welcher Stillsitzen so gut wie unmöglich macht, bekommt durch die Rap-Einlagen von Eko Fresh einen besonderen Kick. Das zugehörige Video verstärkt den schweisstreibenden Effekt mittels bauchfrei agierender Tänzerinnen mit oversized Jeansjacken und knappen Shorts im 90er Style. Als weitere Perlen dieses genialen Werks dürfen auch Stücke wie "Magisch", oder "Welt hinter Glas" nicht unerwähnt bleiben.

Identitätsnachweis

"Max" ist das bis zur Vollendung gereifte Album eines Künstlers, der noch nie Wert auf Trends oder vorgegebene Muster legte. Authentizität war dem Bruder des Jazz-Trompeters Menzel Mutzke immer sehr wichtig. Lange suchte der Achtplatzierte beim Eurovision Song Contest des Jahres 2004 in Istanbul nach seiner musikalischen Identität und fand sie nun auf seinem sechsten Studio-Album. Für ihn ist "Max" ein musikalischer Ausweis geworden, über den der Sänger selbst sagt: "Das bin ich. Das ist Max."

Einfach unverzichtbar

Egal ob man gerade auf der Suche nach einer Platte zum Downshifting auf privater Ebene ist, oder der nächsten sommerlichen Party den geeigneten akustischen Rahmen geben möchte - "Max" bietet für vielerlei Anlässe die passende Untermalung. Selten erreichen neue Platten von so immenser musikalischer Professionalität die Ladenregale und wirken dabei absolut nicht konstruiert, sondern schlicht und einfach rund. Seit Ende vergangener Woche hat authentischer Sound einen neuen Höchststand auf der Qualitätsskala erreicht. Spätestens bei "Hier bin ich Sohn", bei dem Max von seinem Bruder Menzel auf der Trompete begleitet wird, dürften auch letzte Zweifler vom Können dieses Ausnahmekünstlers überzeugt sein.



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.