Ein Hoch auf die Liebe

Wed, 27 May 2015 12:26:00 GMT von

Back again mit einem sich der Liebe widmenden Album unterm Arm. Drei Decaden nach dem außerordentlich erfolgreichen "Picture Book", präsentiert Simply Red "Big Love" - ein Titel wie er passender nicht sein könnte.

Ja, wir haben ihn vermisst. Mick Hucknall war zwar nie ganz von der Bildfläche verschwunden, aber allzu lange schon musste man auf neue Musik verzichten. Der Klang seiner Stimme, verpackt in diesen speziellen Simply Red Sound, der einem als jungem Menschen diesen verklärten Blick bescherte. Dazu die roten Locken des britischen Barden. Alles ausgestanden - die Dürre ist vorbei, denn am 29. Mai werden zwölf brandneue Songs unsere Ohren und Herzen erfreuen.

Lets do the timewarp

Das beinahe Schönste an "Big Love" ist, dass es sich anfühlt wie aus der Zeit gefallen. Die Stücke könnten prinzipiell auch schon vor 20 Jahren in der Großraumdisco für Bewegung auf dem Parkett gesorgt haben. Alles klingt wie wir es schon ewig kennen und weckt daher Erinnerungen an vielleicht gute alte Zeiten. Wie singt Mick Hucknall so schön im Opener "Shine On": Ooh you make me feel so young...Tatsächlich glaubt man an eine spontane Zeitreise in eine Lebensphase, als man Falten und graue Haare noch für Makel hielt, die nur steinalte Menschen ertragen müssen.

Opulent und warm

Von sparsamer Instrumentalisierung braucht man auf "Big Love" nicht auszugehen. Es wurde aus dem Vollen geschöpft. Da hängt schon mal der sprichwörtliche Himmel voller Geigen und ein ganzes Bläser-Ensemble unterstreicht kraftvoll diverse Thesen über die große Liebe. Liebe, die himmelhoch jauchzend nur für wenige Stunden Bedeutung hat und auch jene, die durch tiefe Täler voller Tränen geht und möglichst ewig halten soll. Die überschäumende rastlose Liebe, die vorrangig von Hormonen gesteuert wird, ebenso wie die die intensive Liebe, die geduldig und dankbar ist. Auch die verzweifelte Liebe, wenn man allein zurückbleibt, weil einen das Gegenüber verlassen hat. Liebe kann warm sein und muss manchmal gegen Kälte kämpfen. All ihre verschiedenen Facetten wurden auf dem neuen Album beleuchtet und opulent vertont.

Alles neu

Auch wenn das Dutzend Songs große Vertrautheit ausstrahlt, so liegt das einzig daran, dass Mick Hucknall den Fokus bewusst auf die Ursprünge von Simply Red lenkt. Er wollte Stücke schreiben, die das Flair früherer Banderfolge neu versprühen und das ist ihm sehr gut gelungen. Auch wenn sich die Besetzung geändert hat, so klingt Simply Red, hauptsächlich durch Micks Stimme noch immer wie eh und je. Satt und vom Soul umspült. Sofern eine Sortierung in ein spezielles Fach hierbei überhaupt Sinn macht, passt "Big Love" wohl am ehesten zum frühen 70er Phillysound.

Der Geist der Liebe

Textlich beschäftigen sich die Songs mit allen Gedanken, die einem rund um das Thema Liebe durch den Kopf geistern können. Sei es ihre mitunter verjüngende Wirkung, wenn man sich verliebt fühlt, wie es "Shine On" umschreibt, oder einfach das umfassende Glücksgefühl, welches sie generell in sich trägt. Darüber berichtet "Love Gave Me More" eindrücklich. Der lächelnde Ausdruck mit wie vom Morgentau glitzernden Augen, wenn sich Liebe anfühlt wie der Anblick eines magischen Gartens. Oder die alles verzehrende Energie, wenn man sich selbst im Gegenüber verliert. Poesie nah am Rande des Kitsch, könnte man es nennen, doch würde dies der Schönheit der Texte wiederum den Glanz nehmen.

Anerkennung

Aber es geht nicht nur um jene Seiten der Liebe zwischen zwei Menschen, die man gemeinhin als romantisch bezeichnet. Es geht auch um die Liebe in der Welt, Harmonie innerhalb der menschlichen Rasse und um Frieden. Davon handelt beispielsweise "Daydreaming", ein Song über Tagträume, hinter denen mitunter der Wunsch nach einer kleinen Auszeit steht. Oder auch der Respekt zollende Titel "Dad", in dem der erwachsene Sohn über den von der Mutter verlassenen Vater singt, der als Alleinerziehender für sich und sein Kind sorgen musste. Mit Tränen in den Augen blickt der Sohn auf diese Zeit zurück und drückt seine Anerkennung aus. Von anderen Liebes-Verlusten handelt "Each Day" und "The Old Man And The Beer". In letzterem versucht ebenjener alte Mann seinen Kummer in Bier zu ertränken, was selbstredend keine Lösung, aber ein verständlicher Akt der Verzweiflung ist.

Die große Liebe

Am Ende bleibt die Hoffnung und der Glaube an die eine große Liebe, musikalisch getragen von einem professionell verlegten Klangteppich. Schön retro, irgendwie simpel, aber vielleicht deshalb umso vertrauter. "Big Love" ist ein großes Themengebiet von einem großartigen Künstler mit Sachverstand und Hingabe vertont. Wer schon früher glitzernde Sterne in den Augen hatte, sobald der rote Lockenkopf seine Stimme erschallen ließ, wird möglicherweise ab dem 29.05.2015 ein kleines Déjà-vu mit den zwölf neuen Liedern erleben. Träumen lässt es sich jedenfalls vorzüglich mit diesen poppigen Ohrschmeichlern.
 

Simply Red - Big Love - Tracklist:
01. Shine On
02. Daydreaming
03. Big Love
04. The Ghost of love
05. Dad
06. Love Wonders
07. Love Gave me more
08. Tight tones
09. Woru (which one are you)
10. Coming home
11. The old man and the beer
12. Each day



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