Lust auf einen Mangotee?

Thu, 21 May 2015 12:10:00 GMT von

Neue Flötentöne machen sich auf den Weg. Am 22. Mai lässt uns Die Blockflöte des Todes wohlig erschauern. Nicht weil es gruselig würde, sondern gemütlich und authentisch.

Auch wenn es an der einen oder anderen Textstelle ein bisschen erotischer zugehen mag, "Fifty Shades Of Earl Grey" verbindet so wenig mit Bondage, wie einen klassischen Metal-Fan mit einer 70er Schlagerparty. Es geht viel mehr um die Schatten, die das Leben wirft. Was machen wir - aus uns, mit uns - was stellt das Leben mit uns an? Matthias Schrei aka Blockflöte des Todes machte sich die Mühe diverse Alltagssituationen in ein neues Licht zu rücken und hält dem Hörer damit auf unterhaltsame Art den Narrenspiegel vor.

"Fifty Shades Of Earl Grey" ist kein Album für Teens, sie sollten es jedoch schon mal im Hinterkopf parken und in ein paar Jahren darauf zurückgreifen. Die CD liefert hingegen lebenserfahreneren Exemplaren der Gattung Homo Sapiens vielerlei Schmunzelmomente und auch angenehme Trommelfellmassage auf musikalischem Sektor.

Tücken der Gewohnheit

Die Blockflöte lässt in ihren neuen Songs amüsante und auch nachdenklich machende Bilder im Kopf entstehen. Gar nicht so sehr durch die Wortwahl selbst, bei der Matthias Schrei eigentlich zu den Virtuosen der Zunft zählt. Seine Sprache ist diesmal besonders unverschnörkelt und irgendwie erwachsener als früher. Kein Wunder, denn mittlerweile zählt auch er bereits 34 Lenze und trägt die Bürden aller Erziehungsberechtigten mit Hingabe ("Kleines Mädchen") und Fassung(slosigkeit) - je nach Anforderung.

Auch er kommt um so manche unangenehme Erkenntnis, die sich mit dem Älterwerden einstellt, nicht herum. Und sei es nur, dass die Beziehungsfassade Risse aufweist, oder der Körper Formen annimmt, die so nicht abgesprochen waren. Ein kleines Augenzwinkern ist dennoch immer dabei.

Knisterndes und Ringe auf dem Tisch

Viele langfristig verpaarte Menschen werden sich in einem Stück wie "Zeitung" wieder erkennen. Da heißt es dann: "Das Knistern zwischen uns ist nur die Zeitung" und "Beziehungen sind wie Kinder, nach zehn Jahren fangen sie an zu nerven"... Doch so resigniert wie in diesem Duett mit der zauberhaften Hamburger Soulsängerin Miu geht es nicht immer zu. Es gibt auch eine charmante Liebeserklärung, an Zwei, die ihren Weg gerne miteinander gehen.

Die Blockflöte singt hier Zeilen wie: "Und wenn ich dir dann deine Sachen bringe, dann sagst du tollkühn, ich sei der Herr der Dinge - sind wir total blöd, oder ein Paar Wie’s im Bücherregal steht...es kommt auch vor dass du mich stresst, wenn du mit deiner Tasse so Ringe hinterlässt...Dann sind da fifty shades of earl grey."

Keine Drogen aber Bock auf Erotik

Nein, ein Mönch ist die Blockflöte nicht, auch wenn Matthias’ musikalische Ursprünge als Kirchen- und Beerdigungsorganist im frömmelnden Bereich zu suchen sind. Ihn beherrscht ein kluger Geist mit wachsamem Blick. Offen für vieles und auch bereit, gemachte Erfahrungen mit der Umwelt zu teilen. So flötet er auf "Fifty Shades Of Earl Grey" über Kusserfahrungen mit dem eigenen Geschlecht ("I Kissed A Boy"), um damit homophob veranlagten Zeitgenossen zu beweisen, dass dadurch weniger als die Welt untergeht.

Als durchaus atemberaubenden Liebhaber preist er sich in "Amanda Ziller" an und zeigt sich gewillt auch ehelichen Pflichten gerne nachzukommen ("Freyas Schlaflied"), wenn er singt "Also bitte schlaf jetzt ein, damit ich hier nicht länger sitz’, deine Mama hat gesagt, sie wär’ gerade spitz."

Querbeet

Die musikalische Untermalung des neuen Albums ist neben der inhaltlichen ebenfalls lobend hervorzuheben. Quer durch diverse Genres bewegen sich die Arrangements. Es gibt Salsa neben HipHop, selbst ruhigere Fahrwasser mit Streichern, oder eben wenig mehr als einer Gitarre sind an Bord. Andere sind wahre Mitschnipp-Songs ("Pi", "Zucker Mutti"). Dazu die beiden Gastsängerinnen Miu und Larissa Pesch von LAING, die in "I Kissed A Boy" mit ihren Babababahs hörbar ist. Den kleinen Langfinger-Effekt bei "Mango" werden wohl nur die Ü-Dreißiger bemerken, denen Tony Holiday noch ein Begriff ist. Mit Ohrwurmbefall beim nächsten Obsteinkauf dürfen aber auch jüngere Generationen künftig rechnen.

"Fifty Shades Of Earl Grey" ist ab dem morgigen 22. Mai 2015 im Handel und dürfte auch Nicht-Teetrinkern eine Menge Vergnügen bereiten. Und für all jene, die Angst haben, ihrem edlen Holztisch mit der Tasse auf die Platte zu rücken, gibt es noch eine absolut stylische Doppelverwertung (siehe Foto) der Vinylverpackung. Spaß muss sein!



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