Wie im Rockhimmel

Thu, 30 Oct 2014 13:33:00 GMT von

Warum nicht nicht einfach das Beste vergangener Zeiten einer Qualitätsprüfung unterziehen, kleine Mängel gegebenenfalls  ausbügeln und bei der Gelegenheit bisher unveröffentlichtes Material, das nach der Überarbeitung auf technisch hohem Niveau steht, gleich als Bonus mitliefern?

Led Zeppelin haben dieses Jahr, höchst erfolgreich bislang, damit angefangen ihre alten Alben neu aufzulegen. Niemand geringeres als Mastermind Jimmy Page nahm sich der verantwortungsvollen Aufgabe an, den alten Sound ein wenig zu entstauben, ohne ihn auch nur einer Spur seines Charmes zu berauben. Die ersten drei Werke, sprich Led Zeppelin "I", "II" und "III" erfreuen sich als Re-Releases seit Mai diesen Jahres großer Beliebtheit, so zumindest liest sich das aus den Chartplatzierungen der USA und Deutschlands.

Am 24. Oktober landete nun der nächste Abschnitt in Form der Wiederveröffentlichungen von "Led Zeppelin IV" und "Houses Of The Holy" in den Plattenregalen. Auch hier stand zuvor Jimmy Page an den Studioreglern, um das Beste aus dem vorhandenen Material heraus zu holen.

Led Zeppelin IV

Diese Platte bescherte den Fans bereits bei ihrer Erstveröffentlichung im November 1971 ein Kraftpaket, welches den, wie wir heute wissen, Klassiker "Stairways To Heaven" enthielt. Doch auch Songs wie "Black Dog" oder "Rock And Roll", machten aus dem Album ein wahres Meisterwerk, das bis heute keine Vergleiche scheuen braucht. Das perfekte Zusammenspiel von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und John Bonham gewährt damals wie heute Musikgenuss höchster Güte. Vier Männer, jeder auf seinem Gebiet ein Gott, verschmelzen in ihren Kompositionen zu einer einzigartigen Symbiose.

Das lässt sich auch mehr als vier Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung deutlich spüren. Kein Wunder also, dass Led Zeppelin bis heute für etliche Musiker als Inspirationsquelle dienen. Manch ein Künstler der jüngeren Generation hätte vielleicht niemals den Drang verspürt, selber Musik zu machen, wäre er zuvor nicht infiziert worden.

Himmlische Klangerlebnisse

Seit Ende letzter Woche also, kann man nun die Wiederauflagen von "Led Zeppelin IV"  und "Houses Of The Holy" erwerben, die einerseits einer Frischzellenkur unterzogen wurden, andererseits mit bislang unveröffentlichten Mixes praktisch aller Tracks der Original-Alben punkten. Der ursprünglich fiebrige Hardrock-Blues aus "Black Dog" wird beispielsweise durch zusätzliche Gitarren Overdubs aus den originalen Aufnahmesessions, auf eine neue Stufe gestellt und lässt das Nackenhaar noch ein wenig steiler stehen. Eine interessante Erfahrung bietet ebenfalls der Vergleich zwischen dem wunderbar folkigen Original von "Going To California", das auf der Companion Disc als Mandolinen/Gitarren-Mix ganz ohne Gesang von Robert Plant auskommt. Dafür wirkt der Song aber außerordentlich entspannend und vermittelt fasst den Eindruck irgendwo in Iowa auf einer Ranch mit einem eiskalten Whiskey dem Sonnenuntergang zuzuschauen.

Je nachdem wie audiophil man selber gelagert ist, dürfte in den meisten Fällen die Wahl auf die Doppel-CD-Ausgabe fallen. Man kann aber auch die Vinyl-Variante, oder wenn es luxeriös sein darf, die Super Deluxe Editions-Box wählen. Dabei bleiben keine Wünsche offen, denn auch ein 80-seitiges Buch mit vielen Fotos, ist neben beiden CDs und zwei Vinyl-Scheiben, einer Download-Card und einem nummerierten Coverdruck in diesem Fanpaket enthalten.

Houses Of The Holy

Das Original wurde im März 1973 veröffentlicht, die Neuauflage, wie bereits erwähnt, Ende vergangener Woche. Erhältlich ist "Houses Of The Holy", wie auch "Led Zeppelin IV" in unterschiedlichen Ausgabeformaten und Editionen. Bleiben wir der Einfachheit halber auch hier bei der Empfehlung der Doppel-CD und für den Fan mit höchsten Ansprüchen der Super Deluxe Editions-Box. Stilistisch betrachtet, traten Page, Plant, Jones und Bohnham seinerzeit für ihren fünften Release ein wenig auf die Bremse. Der Vierer schlug eine leicht andere Richtung ein und verzichtete zu großen Teilen auf den bis dato vorherrschenden Hardrock und Blues. Die dafür als Vorreiter der später entstehenden Indie-Gitarren-Welle, komponierten Songs, kommen weniger brachial daher. Seine Fähigkeit gesanglich zu jammen, reizt Robert Plant auf "Houses Of The Holy" jedoch genüsslich aus.

Zu hören ist das speziell am Ende des Album-Openers "The Song Remains The Same". Wobei erwähnt werden sollte, dass die instrumentale Variante der zweiten CD als Gitarren Overdub Referenz Mix durchaus ganz eigenen Charme besitzt. Ein sehr spezielles Klangerlebnis bietet auch der Rough Mix von "No Quarter" mit John Paul Jones Keyboard Overdubs. Wirkt dieser im Original mit Gesang von Robert Plant, bereits wie nicht ganz von dieser Welt, hat er in der neuen Variante einen wahrlich unbeschreiblichen Klang. Ziemlich nerdig, aber dennoch voller Anmut - wie gesagt unbeschreiblich und gespenstisch schön.

Genuss für viele Stunden

Egal ob man sich nur einen der Re-Releases gönnt, oder gleich beide - für reichlich Musikgenuss ist in jedem Fall gesorgt. "Led Zeppelin IV" und auch "Houses Of The Holy" enthalten auf der ersten CD das ursprüngliche Album mit perfekt remastertem Sound und auf der Companion-CD befinden sich (fast) alle Songs in einer bislang unveröffentlichten Mix-Variante. Einzig "D’yer Mak’er", (Houses Of The Holy) kann mit keinem zusätzlichen Klangerlebnis aufwarten.

Das den Alben jeweils beiliegende Booklet erfreut das Auge durch wundervolle Konzertfotos, der jeweiligen Tournee. Jimmy Page hat seine Arbeit im Studio hingebungsvoll und mit reichlich Perfektionismus abgeleistet. Nun sind die Fans von Led Zeppelin gefragt: die am 24. Oktober veröffentlichten Re-Issues sollten eigentlich in jedem gutsortierten CD-Regal stehen, denn sie bieten nicht mehr und nicht weniger als Genuss pur.
 

Led Zeppelin IV - Tracklist:
01. Black Dog  -  Companion Disc: Basic Track with Guitar Overdubs
02. Rock and Roll  -  Companion Disc: Alternate Mix
03. The Battle Of Evermore  -   Companion Disc: Mandolin/Guitar Mix from Headley Grange
04. Stairway To Heaven  -  Companion Disc: Sunset Sound Mix
05. Misty Mountain Hop  -  Companion Disc: Alternate Mix
06. Four Sticks  -  Companion Disc: Alternate Mix
07. Going to California  -  Companion Disc: Mandolin/Guitar Mix
08. When The Levee Breaks  -  Companion Disc: Alternate U.K. Mix

Houses Of The Holy - Tracklist:
01. The Song Remains The Same  -  Companion Disc: Guitar Overdub Reference Mix
02. The Rain Song  -  Companion Disc: Mix Minus Piano
03. Over The Hills And Far Away  -  Companion Disc: Guitar Mix Backing Track
04. The Crunge  -  Companion Disc: Rough Mix-Keys Up
05. Dancing Days  -  Companion Disc: Rough Mix with vocals
06. D’yer Mak’er
07. No Quarter  -  Companion Disc: Rough Mix with JPJ Keyboard Overdubs-No Vocal
08. The Ocean  - Companion Disc: Working Mix



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