Ohne viele Worte - "The Movie Album"

Fri, 29 Aug 2014 09:13:00 GMT von

Der Mann kann und traut sich was: Klassiker der Filmmusik neu zu interpretieren - ein Vorhaben mit hohem Anspruch. Aber wer wie Till Brönner Musikprofessor und mehrfacher Echo-Preisträger ist, träumt von großen Zielen.

Bergeweise nasse Taschentücher, Kiloweise Popcorn und schwitzige Hände - das alles findet man in der Dunkelheit eines besetzten Kinosaals. Je nach Filmthema variieren die Zutaten und die anzutreffenden Emotionen. Auch Till Brönner liebt den cineastischen Charme und besonders die oftmals beeindruckenden Soundtracks.

Für immer festgehalten

Manchmal lösen gerade die musikalischen Kompositionen eines Kinofilms große Gefühle aus, wobei die Darsteller währenddessen durchaus schweigen. Wenn der Komponist gute Arbeit geleistet hat, brennt sich uns ein dauerhaftes Bild auf die interne Festplatte. Wann immer wir später eine solche Melodie hören, wird alles wieder lebendig. "Wenn man an die großen Augenblicke der Filmgeschichte denkt, sind es meist Szenen ohne Dialog, die besonders im Gedächtnis haften bleiben", sagte Meisterregisseur Stanley Kubrick einmal, um es dann auf den Punkt zu bringen: "Die magischste Kraft entfalten Filme immer dann, wenn die Bilder mit Musik unterlegt werden. Das sind die Kinomomente, die man nie vergisst!"

Emotionale Eroberung

Genau um diese Momente geht es Till Brönner auf "The Movie Album". Denn letztendlich besteht sein Anspruch darin, mit einem Album das Gleiche zu erreichen wie einem Filmregisseur: das Publikum emotional zu erobern. Ausgehend von seiner mittlerweile 20-jährigen Karriere, die mit einer unglaublichen Stilsicherheit und großer Vielfältigkeit verbunden ist, darf man dem smarten 43-Jährigen einen erfolgreichen Ausgang dieser Idee zutrauen. Mal abgesehen davon, würde man ihm bei seinem Aussehen auch selbst den Filmstar abkaufen.

Akustische Blockbuster

Doch in erster Linie lässt der Ausnahmeinstrumentalist seine Musik sprechen. Mit einer abwechslungsreichen Sammlung legendärer wie neuerer Filmsongs, mal instrumental, mal vokal, nimmt er den Hörer mit auf eine Reise vom Beginn des abendfüllenden Tonfilms bis zum heutigen Blockbuster-Kino. Mit "The Movie Album" hat der mehrfache ECHO-Preisträger nicht nur seinen Fans, sondern auch sich selbst einen langgehegten Traum erfüllt: "Wir alle sind mit Filmen aufgewachsen, die uns im Kopf geblieben sind. Ich bin zwar kein wandelndes Filmlexikon, doch ich glaube, dass spezielle Filmmomente auch mich und meine Musik immer mitgeprägt haben".

Musik aus der Traumfabrik

Nun nahm der Trompeter und Arrangeur nicht den Weg des einsamen Wolfes und zeichnete seine Filmmusikklassiker im Alleingang auf. Er holte sich vielmehr amerikanische Spitzenmusiker ins Studio wie etwa Mitch Forman, Chuck Loeb und Vinnie Colaiuta, die allesamt nicht nur auf Pop- und Jazz-Alben, sondern auch in zahllosen Filmmusiken zu hören sind. Mit ihnen wagte Brönner sich ins legendäre Eastwest Studio auf dem Sunset Boulevard - Aufnahmen in der Traumfabrik L.A. -  genau dort wo nicht nur berühmte Filmkomponisten und Riesenorchester Hollywoodfilme vertont haben, sondern auch Frank Sinatra "My Way" und "New York, New York" aufnahm und sich von den Beach Boys bis zu aktuellen Pop-Stars die Prominenz die Klinke in die Hand gab und gibt.

Lernen von den Besten

Till Brönners Auswahl aus dem reichen Filmmusik-Repertoire zeigt seine sichere Hand. Von orchestral-schwelgerischen Melodien bis hin zu groovenden Ohrwürmern reicht die Bandbreite. Seine Interpretation der wehmütigen Titelmusik zu "Cinema Paradiso" (1988) muss sich auch vor der Originalaufnahme ihres Schöpfers Ennio Morricone, der für Brönner "beste Filmkomponist aller Zeiten", nicht verstecken.

Bei der Erarbeitung des Stückes halfen Brönner Erinnerungen an seine Kindheit, die er zum Teil in Rom verbrachte: "Wenn ich den Film heute sehe, erkenne ich da vieles wieder. Ennio Morricone hat eine nahezu perfekte Melodie geschrieben, zu der es theoretisch noch nicht mal einen Film geben müsste. Wie die Akkorde verlaufen und wie logisch die Kompostion aufgebaut ist, das hat die Qualität eines Johann Sebastian Bach." Ganz unaufdringlich, ja zärtlich, führt Brönner hier die Trompete durch die große Melodie.

Erlesene Gästeliste

Wie bereits bei den Alben "Oceana" (2006, mit Gold ausgezeichnet) und "Rio" (2008) hat Till Brönner auch diesmal wieder hochkarätige Gastsänger und -sängerinnen ins Studio geladen, die seine Interpretationen stimmlich veredeln. Allen voran Gregory Porter, der den Klassiker von 1961 "Stand By Me" (Ben E.King), welcher dank des gleichnamigen Filmes aus dem Jahre 1986 ein weltweites Revival feierte, mit viel Seele und Resonanz interpretiert und sich einige schöne "Dialoge" mit Brönners Trompete leistet.

Schau mir in die Augen...

Für Sängerin Joy Denalane reservierte Brönner eine besondere Perle, den vielleicht berühmtesten Piano-Song der Filmhistorie: "As Time Goes By" aus "Casablanca" (1942), die Erkennungsmelodie der Leinwandliebe zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Brönner und Denalane verleihen ihr mit dieser neuen Aufnahme eine ganz eigene Note. "Man darf keine Angst vor berühmten Melodien haben", meint Brönner. "Ich hätte diese Aufnahme nicht veröffentlicht, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, dass so etwas nach mir klingen kann, unabhängig davon, wie tausendfach das Stück schon von anderen interpretiert wurde."

Von Holly Golightly bis Sundance Kid

Die junge amerikanische Singer-Songwriterin Lizzy Cuesta, Tochter des Album-Co-Produzenten Chuck Loeb, singt Henry Mancinis Welthit "Moon River" aus "Breakfast at Tiffany's" (1961). Dabei imitiert sie an keiner Stelle die unvergessliche Audrey Hepburn (spielt Holly Golightly), sondern verleiht der Aufnahme einen zarten, zeitgemäßen Touch. Der vierte Vokalist des Albums ist Till Brönner selbst, auf "Raindrops Keep Falling On My Head" aus dem Robert Redford/Paul Newman-Klassiker "Butch Cassidy and the Sundance Kid" (1969). Der swingende Ohrwurm aus der Feder Burt Bacharachs, mit einer "kleinen Träne im Knopfloch", liegt Till Brönner: "Das ist ein Territorium, eine Temperatur, die meinem Seelenleben ganz gut entspricht." Aber trotzdem: "Auch wenn es so klingen mag, das ist musikalisch beileibe kein leichtes Stück. Ich habe einigermaßen lange daran sitzen müssen, es vokal zu bewerkstelligen."

The Movie Album

Sein Instrument Trompete setzt der Pop-Professor, der seit 2010 an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden in den Fachrichtungen Jazz und Rock lehrt, auf "The Movie Album" oft unerwartet ein: In seiner Version des Hit-Songs aus dem Film "Titanic", "My Heart Will Go On", ersetzt sie quasi die Stimme von Sängerin Céline Dion und holt aus der oft gehörten Melodie ungeahnte Tiefe und Nuancen hervor. In "Forbidden Colours", aus dem Film "Merry Christmas, Mr. Lawrence" (1983) von Skandalregisseur Nagisa Oshima, erklingt sie so minimalistisch, wie es sich Komponist und Hauptdarsteller Ryiuchi Sakamoto nur wünschen kann.

Purer Spaß ist hingegen Brönners Instrumentalversion von Pharrell Williams‘ letztjährigem Chart-Stürmer "Happy" aus dem Animationsfilm "Despicable Me 2". "Das ist ein Song, der sogar den Film überstrahlt aus dem er stammt, weil der Hit noch größer wurde als der Film selbst", sagt Brönner. "Wir hatten einfach Lust, uns daran zu versuchen. Alles andere war schon im Kasten, da kam uns diese Idee. Über das Ergebnis bin ich ziemlich ... happy!"

Filmmusik ganz bühnenreif

Im kommenden Jahr wird Till Brönner "The Movie Album" auch live zu Gehör bringen: "Meine Band wird auf der Bühne zentraler Bestandteil bleiben, doch wir werden wie auf dem Album Streicher und Bläser dazu laden, so dass wir sozusagen das 'Till Brönner Orchestra' auf Tour schicken." Man kann es auch so ausdrücken: Till Brönner steht eine spannende Reise bevor, die ihn vom verdunkelten Kinosaal übers Studio im sonnigen L.A. und von dort auf Deutschlands große Konzertbühnen führen wird. "The Movie Album" wird am 26.09.2104 bei Verve Rec. / We Love Music / Universal Music in den Formaten CD, Vinyl und digital veröffentlicht. Dann heißt es "Licht aus, das Kopfkino fängt an!"
 

Till Brönner "The Movie Album" Live:
20.01.2015 Leipzig - Arena
25.01.2015 Berlin - Tempodrom
27.01.2015 Stuttgart - Beethovensaal
21.02.2015 Köln - Philharmonie
16.03.2015 München - Philharmonie
05.09.2015 Verden - Dom
Weitere Termine in Vorbereitung


Till Brönner "The Movie Album" Tracklist und Gäste:
01. When You Wish Upon A Star (Leigh Harline/Ned Washington) (Pinocchio)
02. Run To You (Jud Friedman/Allan Rich) (Bodyguard)
03. Stand By Me (Ben E. King/Elmo Glick) (Stand by me)Vocal: Gregory Porter
04. Love Theme (Ennio Morricone) (Cinema Paradiso)
05. Raindrops Keep Falling On My Head (Burt Bacharach/Hal David) (Butch
Cassidy and the Sundance Kid) Vocal: Till Brönner
06. Il Postino (Luis Bacalov) (Der Postmann)
07. The Godfather Waltz / Love Theme (Nino Rota) (The Godfather)
08. Moon River (Henry Mancini/Johnny Mercer) (Breakfast at Tiffany’s) Vocal: Lizzy Cuesta
09. Forbidden Colours (Ryiuchi Sakamoto) (Merry Christmas, Mr. Lawrence)
10. As Time Goes By (Herman Hupfeld) (Casablanca) Vocal: Joy Denalane
11. Crockett's Theme (Jan Hammer) (Miami Vice)
12. Mulholland Falls (Dave Grusin) (Mulholland Falls)
13. My Heart Will Go On (James Horner/Will Jennings) (Titanic)
14. Happy (Pharrell Williams) (Despicable me 2)



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.