Siebzig Mal Sound und Vision

Thu, 14 Aug 2014 13:09:00 GMT von

Eine Glamour-Figur wie sie niemand besser verkörpern könnte, als der im Januar 1947 in London geborene David Robert Jones, verschönert in wenigen Wochen erneut das Leben seiner Fans.

Wandelbar wie ein Chamäleon, schillernd bunt, bis hin zu seinen verschiedenfarbigen Augen, das ist David Bowie. Und genau für diese unangepasste und vor Ideenreichtum übersprudelnde Persönlichkeit liebt man ihn, was wiederum seinen Erfolg seit den frühen Sixties ermöglichte. Bowie verfügt über ein seltenes Talent: er erfand sich und seine Musik immer wieder neu und setzte Trends, auf die später andere Künstler aufsetzen konnten.

Mit Sound und Style ganz vorne

Alle diese Wandlungen waren nicht nur enorm erfolgreich, jede von ihnen öffnete der Popmusik auch neue Dimensionen, die bald zu ganzen Modeströmungen wurden. Ob es der Glamrock aus der Ziggy-Stardust-Phase war, die legendäre Zusammenarbeit mit Brian Eno auf den Kultalben "Low" und "Heroes", die zum Vorläufer der New Wave in den Achtzigern wurde oder seine Rückkehr zu griffigem Rock in den späten achtziger Jahren mit der Formation "Tin Machine" – was immer auch passierte: Bowie war schon vorher da.

35 Jahre Sound + Vision

Am 19. September veröffentlicht Parlophone/Warner Music Entertainment einen umfassenden Blick auf das in 35 Jahren erschaffene Werk von David Bowie. In einer kompakten Box sind auf 4 CDs unter dem Titel "Sound + Vision" die Ergebnisse aus den Jahren 1969 bis 1994 enthalten. Angeführt von einer akustischen Demo-Version seines ersten großen Hits "Space Oddity" (auch bekannt als "Major Tom") bis hin zum Soundtrack "The Buddha Of Suburbia" (1993), der von den Fans als das unterschätzteste Album in Bowies Kanon gilt und für die gleichnamige TV-Serie komponiert wurde, die auf einem Roman von Hanif Kureishi beruht.

Eigene Kunstausstellung

Derart vielseitig und schon seit fünf Jahrzehnten ein Popstar mit immer neuen Überraschungen, das hat vor David Bowie noch keiner erreicht. Wer sich konstant neu erfindet, darf als einzigartiges Phänomen gelten und zu Recht als Dreh- und Angelpunkt einer Ausstellung über zeitgenössische Kunst gefeiert werden. In seiner Geburtsstadt London, genauer im Victoria & Albert Museum startete die umfangreiche Sammlung seines Schaffens unter dem Namen "David Bowie Is", die aktuell noch bis zum 24. August im Berliner Gropius-Bau bestaunt werden kann, bevor sie nach Paris, Chicago und Groningen weiterreist.

Kleine Zeitreise

Zwischen 1969 und 1994 erschienen 21 Bowie-Studio-Alben, von denen jedes mehrere Charthits und Kultsongs enthält. Aber es sind nicht nur die bekannten Bowie-Standards, die man auf "Sound + Vision" finden kann. "The Wild-Eyed Boy From Freecloud", eine spezielle Aufnahme von "1984/Dodo" aus dem Jahr 1973, ein Outtake aus dem 75er Album "Young Americans" mit dem Titel "After Today" und die unverzichtbare deutsche Version "Helden/Heroes" seines wahrscheinlich bekanntesten Hits vom gleichnamigen Album sind ebenfalls vertreten. Alles zusammen genommen, findet man in der umfassenden Sammlung ganze 70 Tracks aus David Bowies Repertoire.

Ziggi Stardust

Ein besonderer Leckerbissen waren über all die Jahre auch Bowies Bühnenauftritte, bei denen er sich als nicht zu überbietender Entertainer erwies. Als ob ihm das Scheinwerferlicht noch einen weiteren Adrenalin-Kick verpasst hätte. Im bereits 1973 aufgenommenen Konzertfilm "Ziggy Stardust: The Motion Picture" lässt sich das überprüfen, dessen Soundtrack 1982 als Doppel-LP erschien und der mit drei Songs auf "Sound + Vision" vertreten ist. Die Live-Alben "David Live" (1974) und "Stage" (1978) gehören zu den meistverkauften Live-Alben der Popmusik.

Keine Scheu vor Klassik

Selbst die große Literatur scheute David Bowie nicht. Im Jahr 1982 wagte er sich an Berthold Brechts "Baal“. Für eine Fernsehproduktion der BBC nahm Bowie sich des Theaterstücks an und veröffentlichte anschließend eine fünf Stücke umfassende EP dazu, welche als ein weiteres Großereignis der Musikszene gilt.

Umfassend informiert

Das 4-CD-Box-Set ist gut bestückt, auch was den Informationsgehalt rund um den Künstler betrifft. Ein informatives, 64-seitiges Booklet begleitet diese Veröffentlichung, das einen hervorragenden Blick hinter die Kulissen des Mysteriums David Bowie vermittelt. Wandelbar wie kein Zweiter prägte Bowie die Entwicklung der Popmusik entscheidend mit, indem er sich seine eigene Ästhetik erarbeitete. So stellte er sich mit dem Album "Space Oddity" 1969 als Folk-beeinflusster Songwriter dar, schwenkte 1970 mit "The Man Who Sold The World" zum Hardrock über, das noch Nirvana zwanzig Jahre später zu einer kultigen Unplugged-Coverversion verführte, erreichte den Gipfel des Glamrock mit "Ziggy Stardust" (1972), wurde zum Archetypus des weißen Soulisten mit "Young Americans" (1975).

Einführung neuer Klangwelten

Der Ideenreichtum Bowies reichte aber noch weiter, denn er führte die Elektronik mit "Warszawa" (1977) breitenwirksam in die Popmusik ein und lieferte mit "Ashes To Ashes" (1980) die Blaupause für die New Romantic-Szene. Mit Songs wie "Modern Love" (1983) füllte er weiterhin Stadien auf der ganzen Welt und wurde mit "Jump They Say" (1993) sogar noch eine 90er Jahre-Legende. All das lässt sich wunderschön zusammengestellt und verpackt ab dem 19.09.2014 mit der 4-CD-Box "Sound + Vision" jederzeit genießen. Diesen Meilenstein der Musikgeschichte sollte man unbedingt in die heimische Sammlung integrieren.
 

David Bowie SOUND+VISION Tracklisting:
CD1:
01. Space Oddity (original demo 1969)
02. The Wild-Eyed Boy From Freecloud (rare B-side version 1969)
03. The Prettiest Star (single version 1970)
04. London Bye Ta-Ta (stereo mix recorded 1970)
05. Black Country Rock (from The Man Who Sold The World)
06. The Man Who Sold The World (from The Man Who Sold The World)
07. The Bewlay Brothers (from Hunky Dory)
08. Changes (from Hunky Dory)
09. Round And Round (alternate vocal take 1971)
10. Moonage Daydream (from The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars)
11. John I'm Only Dancing (Aladdin Sane outtake 1973)
12. Drive-In Saturday (from Aladdin Sane 1973)
13. Panic In Detroit (from Aladdin Sane 1973)
14. Ziggy Stardust (live from Ziggy Stardust: The Motion Picture 1973)
15. White Light/White Heat (live from Ziggy Stardust: The Motion Picture 1973)
16. Rock 'n’ Roll Suicide (live from Ziggy Stardust: The Motion Picture 1973)
17. Anyway, Anyhow, Anywhere (from Pinups 1973)
18. Sorrow (from Pinups 1973)
19. Don't Bring Me Down (from Pinups 1973)
CD 2:
01. 1984/Dodo (recorded 1973)
02. Big Brother (from Diamond Dogs 1974)
03. Rebel Rebel (rare single version 1974)
04. Suffragette City (from David Live 1974)
05. Watch That Man (from David Live 1974)
06. Cracked Actor (from David Live 1974)
07. Young Americans (from Young Americans 1975)
08. Fascination (from Young Americans 1975)
09. After Today (Young Americans outtake 1975)
10. It's Hard To Be A Saint In The City (recorded 1975)
11. TVC15 (from Station To Station 1976)
12. Wild Is The Wind (from Station To Station 1976)
13. Sound And Vision (from Low 1977)
14. Be My Wife (from Low 1977)
15. Speed Of Life (from Low 1977)
16. ”Helden” (German version of Heroes - 1989 remix)
17. Joe The Lion (from Heroes 1977)
18. Sons Of The Silent Age (from Heroes 1977)
CD 3:
01. Station To Station (from Stage 1978)
02. Warszawa (from Stage 1978)
03. Breaking Glass (from Stage 1978)
04. Red Sails (from Lodger 1979)
05. Look Back In Anger (from Lodger 1979)
06. Boys Keep Swinging (from Lodger 1979)
07. Up The Hill Backwards (from Scary Monsters 1980)
08. Kingdom Come (from Scary Monsters 1980)
09. Ashes To Ashes (from Scary Monsters 1980)
10. Baal’s Hymn (from Baal E.P.)
11. Drowned Girl (from Baal E.P.)
12. Cat People (Putting Out Fire) (soundtrack album version)
13. China Girl (from Let’s Dance)
14. Ricochet (from Let’s Dance)
15. Modern Love (Live) (B-side)
16. Loving The Alien (from Tonight)
17. Dancing With The Big Boys (from Tonight)
CD 4:
01. Blue Jean (from Tonight)
02. Time Will Crawl (from Never Let Me Down)
03. Baby Can Dance (from Tin Machine)
04. Amazing (from Tin Machine)
05. I Can’t Read (from Tin Machine)
06. Shopping For Girls (from Tin Machine II)
07. Goodbye Mr. Ed (from Tin Machine II)
08. Amlapura (from Tin Machine II)
09. You've Been Around (from Black Tie White Noise)
10. Nite Flights (Moodswings Back To Basics Remix Radio Edit)
11. Pallas Athena (Gone Midnight Mix)
12. Jump They Say (from Black Tie White Noise)
13. Buddha Of Suburbia (from The Buddha Of Suburbia)
14. Dead Against It (from The Buddha Of Suburbia)
15. South Horizon (from The Buddha Of Suburbia)
16. Pallas Athena (Live as Tao Jones Index)



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