Ephemere: Geheimnisvolle Reise durchs Niemandsland

Tue, 17 Sep 2013 07:42:00 GMT von

Am 12. August erschien das vierte Album von Ephemere. Jan Schoenmakers und Karsten Block laden den Hörer auf eine Reise in eine geheimnisvolle Landschaft - das “Niemandsland“ ein.

Bereits das Cover-Artwork lässt erahnen, dass das Niemandsland nicht einfach flotten Schrittes durchmessen werden kann. Tiefe Wälder und neblige Ebenen erfordern einen wachen Geist, ansonsten übersieht man wichtige Details. Sechs feine Stücke und ein Bonustrack, zumeist von von überdurchschnittlicher Länge, machen sich über das Ohr auf den Weg ins Zentrum der akustischen Schaltzentrale.

Lyrische Texte über die Suche nach dem eigenen Weg verbunden mit der Hoffnung dabei keinen Schiffbruch zu erleiden, ergänzen den Sound aus Wave, Progessive und TripHop. Irgendwie passt das Album mit seinen Lyrics über verschiedene Arten von Regen, Schnee und Schmerzen gerade gut in die dunkler werdende Jahreszeit. Das erwähnte Artwort untermalt diesen feucht wabernden Herbsteinzug entsprechend. Dennoch klingt die Musik eher verzaubert, denn trübe. Es vermittelt jederzeit Hoffnung auf einen Fernblick und wärmende Sonnenstrahlen.

Vergleiche drängen sich auf

Beim  Studium der einzelnen Tracks dringen immer wieder Passagen ins Ohr, die unweigerlich zur Suche nach der Inspirationsquelle führen. Der erste Song "Grazing" kommt wunderwar TripHop basierend aus den Boxen, und weckt zeitweise Assoziationen mit David Bowie, was zum Teil Jan Schoenmakers Gesang zu verdanken ist. Für "Snowfields" kramten die beiden Musiker den rockigeren Teil ihres Könnens hervor. Die geheimnisvolle Melancholie eines Konstantin Groppers schwingt hier ebenso mit, wie ein Quäntchen Jethro Tull, alles ausgekleidet mit saftigen Gitarrenriffs.

Danach lichtet sich der Ton und mit "Acid Rain" beginnen progressivere Zeiten, obgleich der Text "I think it's time to understand, You weren't in my masterplan, If I would ever lose my mind, A glimpse of you is what I'd find… So fly, The sky is open and broken" noch einige Fragen offen lässt, kann man davon ausgehen, dass hier King Crimson seine Finger im Spiel hatte.

Der Traum im Traum, im Traum

Geheimnisvolle Bilder im Kopf schenkt auch "Mountains Of Nothing" mit seinem Text, der Sound dagegen klingt eher handfest und erdverbunden. Der Song ist mit Flötentönen flott unterwegs und erinnert dadurch ein weiteres Mal an Jethro Tull, andererseits fröhnt er dem Wave. Es mag sich jedoch auch um Anleihen der Neuen Deutschen Welle handeln, man weiss es nicht so genau. "How Can I Believe" bietet eine weitere Chance zur Suche nach dem "Woher".

Eine Möglichkeit scheint hier durchaus Pink Floyd. Eigentlich entdeckt man mit jedem Durchlauf der CD weitere Kollegen. Eine Idee dazu wäre, das Album als ein Versteckspiel zu begreifen. Bleibt man im Thema, der Reise durch eine Landschaft, dann verbirgt sich hinter manchem Baum am Weg ein Musiker. Während man vorbeigeht, springt ab und an einer von ihnen in den Weg und zeigt sich. So gesehen bieten auch Song Nummer sechs "Lunar Colony" und der Bonus-Track "Rebel Blues" weitere Zuordnungsmöglichkeiten.

Nicht alle Rätsel lassen sich lösen

"Niemandsland" ist sicherlich nicht für jeden Musikgeschmack geeignet, dem Anspruch will Ephemere wohl auch nicht gerecht werden. Karsten Block, hauptsächlich für Gitarre, Bass, Drums, Flöte und Orgel zuständig, sowie Jan Schoenmakers, dessen Gebiet sich vorrangig auf Gesang, Synthesizer, Piano, Orgel, Glockenspiel und Effekte bezieht, haben all ihre Vorlieben und ihr Können zu einer gelungenen Mischung verarbeitet.

Man versteht nicht unbedingt im ersten Durchgang wohin sie den Hörer führen möchten. Vielleicht ist das noch nicht mal vorgesehen und jeder soll seine eigene Reiseplanung machen. Auf alle Fälle lichtet sich der Nebel von Mal zu Mal ein bisschen mehr. Für gemütliche Stunden auf dem Sofa, die den Gedankenfluss anregen, ist diese Platte jedenfalls hervorragend geeignet.

Fazit:

Wenn man mehr von einer CD erwartet, als die schlichte Bearbeitung von Hammer und Amboss, ist sie eine lohnenswerte Anschaffung. Das verträumt, rockige "Niemandsland" bietet ausreichend Ecken und Winkel und diese fallen je nach persönlicher Stimmungslage immer wieder unterschiedlich aus, so dass es viel zu erkunden gibt. Einen kleinen Makel hat das Album dennoch, ihm fehlt ein markantes Profil. Zukünftige Releases könnten durchaus davon profitieren, diesen "das klingt ein bisschen wie…" Effekt zu vermeiden.

Die beiden Bremer haben längst bewiesen, dass sie ihr Fach beherrschen, es wäre nun Zeit, an einem Alleinstellungsmerkmal zu basteln. Ein solches könnte beispielsweise sein, dass deutsche Texte zum Einsatz kommen. Darüber, oder über die Entwicklumg eines unverwechselbaren Stils sollte Ephemere nachdenken. Ansonsten: kaufen - lohnt sich!
 
Ephemere - Niemandsland - Tracklist:
01. Grazing - 07:05
02. Snowfields - 05:28
03. Acid Rain - 04:18
04. Mountains Of Nothing - 06:12
05. How Can I Believe? - 04:04
06. Lunar Colony - 08:05
07. Rebell Blues (Bonus Track) - 03:42
 



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