Brixtonboogie: Crossing Borders ist reinstes Seelenfutter

Tue, 16 Apr 2013 12:52:00 GMT von

Ende kommender Woche gibt es endlich richtig was auf die Ohren aller, die hungrig sind auf organischen Sound. Mit "Crossing Borders" bekommt Gänsehaut mitten im Frühling Hochkonjunktur. Brixtonboogie präsentiert am 26. April das zweite Album.

Wann habt ihr zuletzt vor Wohligkeit gefroren? Egal, auf jeden Fall bekommen Genusshörer Ende nächster Woche die Gelegenheit sich einen Schauer nach dem anderen über den Rücken laufen zu lassen. Krisz Kreuzer, Gründer des Blues-Kollektivs Brixtonboogie hat mit den unglaublichsten Stimmen ein neues Album zusammengeschraubt. Das Genre bewegt sich auf bekannten Pfaden aus Funk, Soul, Jazz, HipHop, Dubstep, etwas Rock und lässt sich trotzdem in keine vorgefertigte Form pressen. "Crossing Borders" vermittelt auf der einen Seite ein außerordentlich heimatlich, vertrautes Gefühl und ist andererseits ganz neu und unbekannt.

Sechzehn urbane Tracks

Kürzlich adelte Blues-Legende Tom Waits die auf "Crossing Borders" enthaltene Cover-Version seines eigenen Songs "Way Down In The Hole". Er bestätigte Kreuzer mit den Worten "I love your version very much!", dass er dessen Intonation sehr gelungen fand. Wer nicht bis zum Releasedatum warten möchte, kann sich den Song in Teilen hier schon mal anhören. Eigentlich verdienen auch die restlichen fünfzehn Tracks der Scheibe eine Auszeichnung für ihre exquisite Qualität. Den Anspruch, den Krisz Kreuzer selbst an das Ergebnis stellte, nämlich dass es organisch wirkt, richtig aus der Tiefe kommt, bounct und die Härchen zum flimmern bringt, erfüllt "Crossing Borders" zu einhundert Prozent.

Vielseitig und berührend

Es spielt im Grunde keine Rolle, welches der Lieder läuft, wenn die Seele mithört sind alle Stücke absolut berührend. Manchmal möchte man schweben, dann lieber tanzen oder fühlt sich völlig erotisiert durch die wahnsinnig tollen Stimmen. Wenn Masha auffordert "Be alright when the devil comes..", kommt man dem gerne nach und folgt der Swing-Nummer mit ihren vertrackten Off-Beats und dem verheißungsvollen Namen "Heaven". Wie im Himmel fühlt sich die Musik nämlich an, fast zu schön um wahr zu sein. Man glaubt seinen Ohren zunächst nicht, wenn "Love Aint't Just A Word" beginnt". Das kann doch nicht sein, das ist doch nicht etwa…" Nein, das ist nicht Anastacia, sondern Mascha Litterscheid, die mit tiefer Stimme zu singen beginnt. Zugegebenermaßen klingen ihre Stimmen sehr ähnlich, aber die Sängerinnen haben ansonsten keine Gemeinsamkeiten. Nebenbei sei erwähnt, dass Masha die uneheliche Tochter der deutschen Fernsehlegende Frank Elstner ist.

Zeitgemäßer Blues

Brixtonboogie darf als multikulturelle Band verstanden werden. Immerhin gehören Musiker aus den USA, Kamerun und Deutschland dazu. Dem Projekt, welches 2005 vom Musikproduzenten, Komponisten und Bandleader Krisz Kreuzer aus der Taufe gehoben wurde, ist es ein Anliegen dem Blues ein paar neue Kleider zu verpassen. Nichts klingt wie schon mal da gewesen, sondern erfrischend anders, aber vor allem gehen die Stücke richtig tief unter die Haut. "Death House Blues" ist ein gutes Beispiel für diesen Neuanfang. Andere Songs rocken aber auch gewaltig, wie beispielsweise "Blood & Fire" oder "(I Can't Get You) Out Of My Head" und "Lightnin' & Thunder".

Sexed Up

Ein fantastisches Stück, falls Mann etwas im Schilde führen sollte, ist "Black Betty". Der Song an sich ist nicht neu, aber so wie AJay diesen performt, wird Frau ganz unruhig beim bloßen Zuhören. Dieser, zudem mit optischen Attributen ausgestattete, Sänger hat unglaublich viel Sexappeal in der Stimme, unfassbar schön. Ein weiterer talentierter Stimmgeber auf Crossing Borders ist Wayne Martin. So wie er den Song "John The Relevator" singt bringt das kein Zweiter fertig. Eine alte biblische Weissagung des Apostels Johannes liegt dem Lied zu Grunde. Derart basslastig wie Wayne Martin den Text intoniert, wartet man förmlich auf den Eintritt der Apokalypse. Zum Glück geschieht nichts dergleichen, sonst bliebe einem der Rest vom Album verborgen. Ein anderes Beispiel dafür, was seine kräftige Stimme zu leisten im Stande ist, hört man in "Wayfaring Stranger". Das Lied lebt vom Gesang des 68-Jährigen aus New Orleans, kein einziges Instrument begleitet ihn.

Fazit

Crossing Borders bietet, sofern man auf Funk, Soul oder Jazz vermischt mit einer ordentlichen Portion Beats steht, ein Vergnügen der Luxusklasse. Sämtliche Tracks sind mit viel Liebe zum Detail komponiert und gemixt worden. Die brillanten Stimmen von Masha, AJay und Wayne lassen die Synapsen erzittern. Klanglich finden sich viele neue Ideen auf dem Album, jedoch im in Kontext mit erprobter Qualität. Wer sich dem sogenannten Bristol-Sound von Künstlern wie Massive Attack oder Portishead verschrieben hat, wird ohnehin gar nicht anders können, als am 26. April umgehend den nächsten Plattenladen zu stürmen und sich dieses Feuerwerk der Gefühle zu besorgen. Doch auch Liebhaber von Funk und Dub, sowie Blues, dürfte die Scheibe gefallen.

Tracklist:
01 Heaven
02 Love Ain't Just A Word
03 John The Relevator
04 Someting Within Me
05 Black Betty
06 Death House Blues
07 Blood & Fire
08 (I Can't Get You) Out Of My Head
09 Early October
10 U Gotta Move
11 Way Down In The Hole
12 Trouble Me No
13 Ligtnin' & Thunder
14 My Heartbeat's Drummin'
15 Back Home
16 Wayfaring Stranger
 



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