Louise Gold & The Quarz Orchestra: Debut im Ballsaal

Tue, 26 Feb 2013 17:07:00 GMT von

Eine Dame und fünf Herren bescheren auf ihrem Debütalbum das Gefühl von Pop in Kinoformat oder anders ausgedrückt, es fühlt sich für eine gute halbe Stunde an, als wäre man inmitten einer rauschenden Ballnacht.

Erst drei Stunden vor dem Kleiderschrank und dem nostalgischen Schminktischchen, aufgebrezelt und parfümiert, so oder ähnlich fühlen sich die ersten Takte des Debütalbums von Louise Gold & The Quarz Orchestra an. Festlich und elegant. Ein großer Saal mit Kristallleuchtern, frisch gestrichene Damen und Herren von Welt nippen am Champagnerglas und oben auf der Bühne steht, umrahmt von Scheinwerfern, die Band. Eine bezaubernde blonde Sängerin mit kokettem Augenaufschlag wird unterstützt von fünf Herren im Abendanzug, die sich allesamt auf die Bedienung ihrer Instrumente konzentrieren.

Pop in Cinemascope

Nein, diese CD ist keine alte Schellackplatte, sie soll nur so klingen und uns mitnehmen auf eine Reise in die gute alte Vergangenheit. Auch wenn es ein wenig kratzig, oder besser rauchig tönt, das ist Absicht auf dem ersten Album von Louise Gold. Daran gewöhnt sich das Ohr schnell und gerne, denn Louise singt wunderbar samtig und scheint wie mit einer Zeitmaschine in das 21. Jahrhundert eingereist. Gleich der Opener auf "Debut" macht richtig Lust auf eine schicke Party mit allem Chichi. Da haucht die junge Sängerin aus Potsdam ihr "If I Don't Have Love" ins Mikro und schon hängt unsereins an ihren Lippen. Wunderbar komponiert, von der ersten bis zur letzten Note malt die Band ein pompöses Bild der 50er und 60er Jahre. Glitzer, bonbonfarbene Bilder auf der Leinwand, liebreizende Frauen und gut aussehende Männer, gemixt mit etwas Kitsch und englischen Sportwagen, ach im Grunde ist alles auf dieser Platte was uns schwärmen lässt. Etwas Tragik und Sehnsucht, Sexappeal und die große Liebe - einfach von allem ein bisschen, das scheint das Geheimrezept dieser fantastischen CD zu sein. Die Ohren schwelgen in Jazz, Swingtime, Bossanova und ordentlich Popakzenten, der Kopf ist voller Bilder.

Wie ein Kinofilm

Während Louise und ihre Band musizieren, bewegen sie uns virtuell durch diverse Räumlichkeiten. So können wir beim Zuhören im übertragenen Sinne ein wenig spazieren gehen. War der Start noch im klassischen Ballsaal, so durchschreiten wir für das nächste Stück die Tür zum Westernsaloon und hören uns dazu passend "Take This Longing" an. Jedes Mitglied des Sechstetts ist mit Haut und Haaren dabei. So harmonieren bei allen 10 Songs Louises Stimme mit der Posaune von Hans Quarz, dem Piano von Thibault Falk, der Gitarre von Florian Segele, Hendrik Neils am Bass und dem Schlagzeug von Daniel Lunkenheimer.

Auf diese Weise können wir vor unserem inneren Auge mühelos Bilder von Männern im Smoking entstehen lassen, die ihren Martini an der Bar trinken und von schicken Frauen mit Hochsteckfrisur und falschen Wimpern, die einer Brigitte Bardot nicht unähnlich sind. Paare blicken sich zu fortgeschrittener Stunde immer tiefer in die Augen, schweben bei Bossanova und sattem Big Band Sound über die Tanzfläche. Parallelen zu bekannten Streifen auf Zelluloid bieten sich in beinahe jedem Stück. Mag sein, dass wir dabei an "Mary Poppins", den ein oder anderen Bond-Thriller, die "West Side Story" oder einen französischen Kriminal-Film wie "Fahrstuhl zum Schafott" erinnert werden. Der Fantasie sind dabei wenig Grenzen gesetzt.

Auch die Showtreppe fehlt nicht

Spätestens bei "Footloose Fancy-Free" sehen wir Louise Gold in Hollywood-Robe die große Showtreppe hinab schreiten. Sobald sie, begleitet von einem gefühlten Big-Band Orchester unten angekommen ist, sitzen dort die Herren der Schöpfung in einem ehrwürdigen Club und rauchen zu "Any Human Heart" ihre Havannas. Wunderbar aber auch der Titel "A Zoot Suit For My Sunday Gal", eine neue Version des Gilbert & O`Brien Hits, im Duett mit Cherry Casino, das einzige seiner Art auf diesem Album. Die beiden lassen damit nochmals so richtig die Puppen tanzen, bevor sich die zwei letzten Stücke der Platte als Absacker verstehen lassen.

"Hush! Hush! Sweet Baby" ist ein Lied bei dem man unwillkürlich eng verschlungene Pärchen vor sich sieht. Es ist spät, oder sehr früh, das kommt auf den Standpunkt an, doch der Wirt möchte Feierabend machen und lässt seine Gäste dies akustisch wissen. Das Personal ist müde und beginnt langsam die Stühle hoch zu stellen. Gläser wandern in die Spüle, es wird noch kurz durchgefegt und damit auch der letzte Nachtschwärmer hinaus befördert. Während leise "Hush!Hush! Bolero" erklingt, ziehen wir den Mantel an und machen uns erschöpft vom vielen Tanzen, aber glücklich auf den Heimweg.

Debut

Ein Debütalbum, welches auch noch so heißt, gibt es nicht alle Tage. Eine Platte wie "Debut" auch nicht. Sie besitzt historischen Charakter, weil sich die Musik an alten Zeiten orientiert und damit spielt. Es wäre nicht verwunderlich wenn Louise Gold & The Quarz Orchestra selbst ein Teil Musikgeschichte werden sollten. Das gesamte Album ist so perfekt arrangiert und erzeugt herrliche innere Bilder und schöne Emotionen, dass es den Titel eines Klassikers durchaus verdient hätte. Der nostalgische Touch dieser Scheibe ist sicher nicht zuletzt der besonderen Aufnahmetechnik geschuldet. In einem Studio welches ausschliesslich Equipment aus den Fünfziger und Sechziger Jahren beherbergt, nahmen Louise und ihre Band die zauberhaften Stücke in Echtzeit auf. Alle auf einmal in einem Raum, vor dem ersten Take gemischt und dann direkt auf ein 1/4 Zoll BASF-Magnetband gebannt, nutzten die Musiker eine Form der Aufnahme, wie sie heutzutage sonst nicht mehr anzutreffen ist. Für alle Fans, die das Besondere zu schätzen wissen, ist "Debut" ein unbedingtes Must Have. Leider wird es bis zum Release noch etwas dauern, der ist nämlich erst am 26. April 2013. Aber zur Überbrückung gibt es immerhin diesen Albumtrailer.
 



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