Cat Power ist zurück und lässt die Sonne scheinen

Thu, 23 Aug 2012 11:31:00 GMT von

Nach mehreren Jahren Pause meldet Chan Marshall alias Cat Power sich mit einem neuen Album zurück. Ab dem 31. August präsentiert die Ausnahmekünstlerin "Sun" - eine CD randvoll mit selbst komponierten und produzierten Songs.

Die aus Atlanta stammende Musikerin Cat Power, hat sich ihren Künstlernamen wirklich gut ausgesucht. So wie man gewöhnlich einer Katze nachsagt sie hätte sieben Leben, trifft das im übertragenen Sinne irgendwie auch auf Chan Marshall zu. Sie ist sicherlich nicht schon mehrere Tode gestorben, aber tiefe Talsohlen galt es in ihrem Leben dennoch zu durchschreiten.

Musikalität kann die Familie belasten

Cat Power wurde als Tochter eines Musikers geboren und als sie früh entschied, in seine Fußstapfen zu treten, war der Herr Papa alles andere als begeistert. Beinahe hätte diese Entscheidung zu einem tiefen Zerwürfnis mit ihm geführt, doch war der Drang durch die Welt zu reisen und zu singen so groß, das die heute 40-Jährige damals das Wagnis einging. Der Weg führte sie zunächst nach New York, wo ihr großes Talent bald erkannt wurde und Cat sich Stück für Stück ihre Karriere aufbauen konnte. Eigentlich hätte sie schon bald nur die Früchte ihrer Arbeit ernten brauchen, doch tief im Inneren der sensiblen Frau rumorte es.

Sie trieb es einfach zu doll

Die vielen Auftritte, die man als prominente Musikerin Tag für Tag über die Bühne bringt und die Arbeit an neuer Musik, fordern über einen gewissen Zeitraum hinweg irgendwann ihren Tribut. Einer von Cats Songs heißt "Lived in Bars" und zeigt ein Stück ihrer eigenen Wirklichkeit, in der sie es auf Dauer zu doll getrieben hat. Sie trank zuviel Alkohol und schlief zuwenig. Eine Kombination, die schon manch anderem Künstler das Genick gebrochen hat. Ihre sprichwörtliche Cat-Power konnte sie vor den Folgen leider nicht bewahren. So musste sie 2007 ihre Welttournee abbrechen und sich in eine Klinik einweisen lassen, weil sie einen Nervenzusammenbruch mit Psychose erlitten hatte.

Nicht so tough, wie alle dachten

Chan Marshall sagte man bereits am Karrieanfang nach, dass sie eigentlich viel zu sensibel und verletzlich für ein Leben im Show-Business sei. In der Tat leidet die Sängerin unter Lampenfieber und verbarg sich auf der Bühne hinter ihren Instrumenten und langem Haar. Was für die Fans zum Markenzeichen ihrer Ikone stilisiert wurde, war aus Sicht von Psychologen sicher schon damals ein Ausdruck von Unsicherheit. Ihre innere Lage kann man dabei so gut sehen, wenn man sich die sehr melancholisch angelegten Stücke "I Found A Reason" oder "Sea Of Love" anhört. Cat interpretiert ihre Lieder so authentisch und niemand singt von Depression und Herzschmerz so einfühlsam wie sie, dass sie als Folge davon das Stigma der empfindsamen und kreativen Künstlerseele aufgedrückt bekam. Der Druck wurde über die Jahre zu groß und gipfelte schließlich in einem Zusammenbruch.

Das kleine Mädchen ist erwachsen geworden

Chan Marshall musste sich unter fachmännischer Anleitung in einer Spezialklinik zunächst selber finden, bevor sie heute wieder in die Öffentlichkeit treten und sogar neue Songs singen kann. Damals, 2007 erzählt sie, habe sie sich am Morgen nach der Einweisung nicht mehr im Spiegel erkannt. "Da war ein Spiegel in meinem Zimmer, und ich bin daran vorbeigehuscht, um die Person darin nicht zu sehen, weil ich nicht wusste, wer das war. Und schließlich habe ich dann einen Blick gewagt und gedacht: 'Oh Gott, die kenne ich doch! Das kleine Mädchen da, sie ist jetzt älter, das bin ja ich, Chan!'" Heute ist sie eine gereifte Persönlichkeit und kann dem Ärger über das Stigma der Verletzlichkeit von einst Luft machen. "Das kotzt mich an. Das ist so ein Klischee, wie das Recht der Frauen zu gebären. Befremdlich", sagt sie. "Glaubst du, Patti Smith ist verletzlich, wenn sie singt: 'People have the Power?' Oder Keith Richards? Ich meine: Ja! Weil wir Menschen sind. Gott sei Dank gibt es Menschen, die sagen, was sie fühlen."

Mit "Sun" beginnt eine neue Zeit

Cat Power hat vier ganze Jahre in "Sun" investiert, schrieb alle Songs selber und übernahm auch die Produktion. Persönlich und sozialkritisch ist sie geblieben, das ist noch die alte Chan, doch hört sich das inzwischen ganz anders an. Die Stücke sind ein Stück weit entfernt von der gewohnten Melancholie und kommen sogar als tanzbarer Indie-Pop daher wie bei "Ruin". Wer sie hört, spürt eine ganz neue Kraft dahinter, denn Cat Power ist nun viel selbstsicherer und experimentierfreudiger geworden, was dem Album sehr guttut. Lassen wir die Power Katze einfach das letzte Wort haben: "Du glaubst ja erst, dass du aus einer Krise rauskommst, wenn du wieder die Hand vor Augen siehst. Wenn du es bis hier geschafft hast, schaffst du es auch bis da und bis dort. Aber ich habe nicht vergessen, was ich dafür alles lernen musste. Und das ist auch gut, denn sonst wäre ich nicht die geworden, die ich heute bin."

 Cat Power ‘Sun’ Tracklist (V.Ö. 31.08.2012)

 Cherokee
 Sun
 Ruin
 3, 6, 9
 Always On My Own
 Real Life
 Human Being
 Manhattan
 Silent Machine
 Nothing But Time
 Peace And Love
 



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