Barbies (Alb-)Traummaße

Fri, 16 Dec 2016 12:55:00 GMT von

Satire ist ein Thema für sich. So manch einer lacht sich schlapp, während ein anderer den Witz nicht finden kann. Die EAV ist seit jeher Meister im Umgang mit Wortwitz. Nun gibt es ein Video über "Barbie".

Ende der Neunziger tauchten plötzlich Begriffe wie Modell- und Magerwahn auf. Sie sind auch im 21. Jahrhundert noch aktuell. Die Erste Allgemeine Verunsicherung widmete sich schon damals dieser Thematik, als die Band anfing bissigere und härtere Texte zu schreiben. Der dabei entstandene Song "Barbie" fängt harmlos an, streut im Verlauf jedoch ordentlich Salz in die Wunde "Schönheitsideal".

Essen wie ein Spatz

Wer schön sein will, muss leiden - heißt es immer. Die Frage ist, was schön ist und was man dafür tun muss, es zu sein. Die EAV beleuchtet, den oft damit verbundenen Magerwahn, mit einem Augenzwinkern und gleichzeitig ernstem Unterton. Zeilen wie: "Du bist dünner als ein Hering, den man luftgetrocknet hat", und "Finger in den Mund, hieß es in der Pubertät", entlarven falsche Vorbilder junger Mädchen. Die Selbstaufgabe, die sogar durch viele Betten, aber nicht auf die Titelseite eines Hochglanz-Magazins führen kann, wird textlich zu einem Abgesang an eine gescheiterte Liebe. Heißt es doch weiter: "Führt dein Weg nach oben ohne Liebe, ohne Hass. Die schönsten Abendroben schützen nicht vor Mittelmaß."

Plaplaplastikpuppe

Der Mann mit dem Händchen für gelungenen Wortwitz heißt Thomas Spitzner. Seine Formulierungen lassen Freunde des Hintersinns im Titel auf ihre Kosten kommen. Hier kann man "Barbie" hören und sehen. Entstanden ist die Idee zum Song gemeinsam mit dem einstigen Keyboarder und Produzenten der EAV David Bronner bereits 1994 in Wien. Vier Jahre später griff man "Barbie" in Kenia wieder auf und produzierte das Lied so, wie es 2016 vorliegt. Manches muss erst ein wenig reifen. Anders ausgedrückt: Um ein derart gelungenes Mager-Fossil zu präsentieren brauchte es Zeit. "Barbie" ist der vierte Track auf dem im Oktober veröffentlichten Album "Was haben wir gelacht... (Verdächtige Larifaritäten aus drei Jahrzehnten)", ist aber auch einzeln erhältlich.

Akustische Raritäten

Auf dem Raritäten-Album lassen sich 18 nach-mitternächtliche Geniestreiche, nonsensale Rohprodukte und etliche skurrile Kurzgeschichten der EAV genießen. Die Band hatte offenbar eine Art Sammel-Tick und hob über eine Spanne von drei Jahrzehnten jede Menge unausgereiften Schnickschnack auf. Material, das in wunderbarer Weise die humoristische Seite der österreichischen Gruppe aufzeigt. Manches wird der Hörerschaft pur und unverarbeitet serviert. Es handelt sich größtenteils um One-Take-Originale, Studio-Demos und nicht fertig produzierte Stücke der frühen Neunziger. So ziemlich alles was zwischen Mischpult, Aufnahmekabine und Zigarettenpause akustisch wahrnehmbar ist, wurde für die Nachwelt on tape fixiert. So präsentiert sich untermalt von raschelndem Papier, Zähneknirschen und Lachen ein sehr intimer Einblick in unverborgene Titel.

 



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