Angriff auf Spotify und Apple Music

Mon, 14 Nov 2016 16:07:00 GMT von

Es war nur eine Frage der Zeit. Denn in den USA startete Amazons Musik-Streamingdienst bereits im Oktober. "Amazon Music Unlimited" nennt sich die neue Funktion aus der immer variantenreicher gestalteten Welt des Onlinehändlers.

Der Unterschied zum bisherigen Angebot in der Streaming-Vielfalt von "Amazon Prime": Der Musikkatalog ist nicht mehr auf eine Auswahl beschränkt, sondern greift auf die volle Palette zu - wie eben bei Spotify und Apple Music. Vergünstigungen für Prime-Mitglieder sowie für Käufer eines der smarten Audio-Geräte "Amazon Echo" sollen den Einstieg in die neue Streaming-Welt schmackhaft machen. Am Montag startet die Option ohne große vorherige Ankündigung auch in Deutschland und Österreich.

Nicht alle Künstler sind an Bord

Doch so ganz "unlimited" ist das Angebot dann doch nicht. Künstler, die sich bisher dem aus Musiker- und Rechteinhaber-Sicht zu gering vergüteten Streaming verweigerten, kann Amazon auch nicht mit ins Boot holen. Die Toten Hosen etwa, Die Ärzte und Tool. Andere wie Taylor Swift, die Exklusivverträge mit Apple Music aushandelte, sind nur teilweise vertreten. Nichtsdestotrotz ist man im Hause Amazon überzeugt von den neuen Möglichkeiten: "Amazon Music Unlimited bringt Millionen von Prime-Kunden in Deutschland und Österreich einen echten Mehrwert", ist sich Amazon-Gründer und -CEO Jeff Bezos sicher. Der "echte Mehrwert" besteht vor allem aus nun über 40 Millionen abrufbaren Songs sowie einer Vielzahl von Hörspielen; einfache Prime-Mitglieder müssen sich weiterhin mit einer kuratierten Auswahl von zwei Millionen Liedern begnügen.

München hat eine Redaktion für Playlisten

Apropos kuratiert: Darin liege einer der Vorteile von Amazon Music Unlimited gegenüber der etablierten Konkurrenz. Denn mit einem Stab aus "Musikexperten" leistet sich die in München ansässige deutsche Zweigstelle des kalifornischen Riesen eine Redaktion, die ständig neue Playlisten erstellt, ob nach Genre, Herkunft oder anderen Gemeinsamkeiten sortiert. Der abgeworbene Ex-Antenne-Bayern-Musikchef Axel Barton zeichnet hierfür hauptverantwortlich. Mit dem Format "Backstage" kommen zudem diverse Künstler wie Tim Bendzko, Scooter, The Baseballs, Revolverheld, Michael Bublé, Norah Jones und One Republic selbst zu Wort, indem sie über ihre aktuellen Veröffentlichungen sprechen.

Gestaffelte Preise

Doch nicht nur mit redaktioneller Manpower und Zusatzcontent, auch mit dem Preis will Amazon locken. Wer sich den vielzähligen Prime-Werbeflächen auf der Webseite des Onlinehändlers bisher entziehen konnte, zahlt für ein Nutzerkonto den gewohnten Streaming-Standardpreis von 9,99 Euro pro Monat. Prime-Kunden überweisen zwei Euro weniger oder profitieren von einem weiteren Rabatt, wenn sie für zwölf Monate 79 Euro locker machen - zusätzlich zu den aktuellen Prime-Kosten von 49 Euro (nach Abschluss ab Februar 2017 69 Euro). Ein Familienangebot für 14,99 Euro monatlich beziehungsweise 149 Euro pro Jahr für sechs Mitglieder folge demnächst. Besonders vergünstigt ist die Option für Echo-Kunden, also Käufern des smarten, sprachgesteuerten Audio-Geräts, das seit wenigen Tagen in zwei Varianten ausgeliefert wird. Für die exklusive Nutzung auf dem Gerät sind lediglich 3,99 Euro pro Monat zu zahlen. Einen kostenlosen Testlauf von einem Monat gewährt Amazon bei allen Optionen.

Im Sommer 2017 auch Bundesliga Radio

Alexa, so der Name der dort integrierten Frauenstimme, wuselt sich dann für den Nutzer durch die Unmengen an Songs, erzählt auf Zuruf etwas zu den Künstlern und hat den Zugang zu weiteren Netz-Angeboten wie der 100-Sekunden-Sendung der "Tagesschau" und externe Radiosender. Ab Juli 2017 gewährt ihr die neue Fußball-Bundesliga-Rechtevergabe auch Zugriff auf das dann startende Bundesliga-Radio Amazons mit Live-Spielen aus erster und zweiter Liga. Natürlich erfolgt der Zugriff auch über die neu gestaltete App für FireTV, Sonos, Android, iOS, Web, PC und Mac. Auch hier soll nach und nach eine Sprachsteuerung folgen.

teleschau | der mediendienst



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