Unterwegs als glücklicher Mann

Thu, 20 Oct 2016 11:54:00 GMT von

Am 09. Oktober stattete Laith Al-Deen im Rahmen seiner "Wieder Unterwegs Tour" München einen Besuch ab. Das war mal wieder ein Grund für unseren Konzertscout sich beim Management des Sängers nach der Möglichkeit eines Interviews zu erkundigen.

Jasmin Roder, unser fleißiger "Münchener Außenposten" hatte Erfolg und durfte sich mit dem Mannheimer Sänger unterhalten. Laith zeigte sich vor seinem Auftritt im Muffatwerk durchaus gesprächsbereit. Im nachfolgenden Interview beantwortet er unter anderem Fragen zu seinem im Juli erschienenen Album "Bleib unterwegs", wie es zu dem leidenschaftlichen Video für den Song "Geheimnis" kam, womit er und seine Band einen Konzertabend einleiten und welche musikalischen Projekte anstehen.

Jasmin: Musik begleitet immer sehr viele Menschen in ihrem Leben, bei Höhen als auch bei Tiefen. Welche begleitet in solchen Zeiten denn dich?

Laith Al-Deen: Es begleitet einen natürlich immer irgendwie die eigene Musik, sowohl die, die zu diesem Zeitpunkt gerade entsteht, als auch die fertigen Kompositionen. Größtenteils sind es aber die Helden meiner Jugend. Also alles was ich seit meinem 14. Lebensjahr gehört habe. Das ist ein kleiner Teil Soul und selbstverständlich Curtis Mayfield. Ohne Curtis Mayfield ist die Welt schlechter. Aber auch Bands wie Iron Maiden und Metallica gehören ganz klar dazu. Metallica vielleicht jetzt nicht gerade als Trostspender, aber durchaus als Power-Geber. Außerdem gab es in den letzten 15 Jahren so viele schöne deutschsprachige Musik in die ich mich regelmäßig rein höre. Ich bin ein heimlicher Clueso Fan und durch die Freundschaft mit Gregor Meyle auch begeistert von dessen Musik. Durch die vielen verschiedenen Genres entsteht immer ein bunter Mix im Auto. 

J: Ich habe mir das Video zu "Geheimnis" angeschaut und mich zum einen gefragt ob diese drei "Paare" auch im echten Leben alle ein Paar sind und zum anderen wo diese wahnsinnige Euphorie beim Küssen noch herkommt. 

L: In dem Video handelt es sich tatsächlich um drei frisch verliebte Paare. Es war allerdings sehr schwer Menschen zu finden, die Lust haben sich leidenschaftlich vor einer Kamera zu küssen. Das war auch der Grund wieso das Video so ausgefallen ist, wie es schlussendlich auch veröffentlicht wurde. Ursprünglich sollten die Paare verschiedene kulturelle Bilder darstellen, was zeitlich aber leider überhaupt nicht funktioniert hat. Alleine Modelle verschiedener Herkunft zu finden, die sich nicht kennen aber küssen würden, war schwierig und letztendlich hat es ja auch nicht geklappt. Kennst du das Video "First Kiss"? Das ist eine Art YouTube Schlager bei dem 20 Menschen zusammen gebracht wurden um sich zum ersten Mal zu küssen, allerdings ohne sich vorher zu kennen. Daran ist das Video zu "Geheimnis" ein bisschen angelehnt. 

J: Durch dieses tätowierte Pärchen habe ich mir überlegt, ob du auch darüber nachgedacht hast gleichgeschlechtliche Paare in dem Video zu zeigen.

L: Selbstverständlich. Aber nicht nur das! Es sollte sich auch altersmäßig unterscheiden. Das heißt alt mit jung und jung mit alt. Die ganze Produktion des Videos hat erst sehr spät begonnen, wodurch wir dann eigentlich nur noch drei Wochen Zeit hatten, weil die Veröffentlichung kurz bevor stand. Dementsprechend ist das Casting für die Modelle sehr eng ausgefallen. Wir waren froh, dass es zumindest ein tätowiertes Pärchen gab, was wenigstens einen kleinen Teil der verschiedenen kulturellen Bilder, sowie ein wenig die Andersartigkeit darstellt und nicht ganz so "klinisch rein" erscheint. 

J: Hast du Tattoos? Es würde ja zu deinem Motorrad und deiner Lederjacke passen.

L: Nein, ich habe keine Tattoos. Klar würde es passen, aber um ehrlich zu sein finde ich es dafür zu stereotyp. Ich hatte früher lange Zeit quasi keine Haare bzw. einen Iro, weshalb ich immer über eine Gesichtstätowierung nachgedacht habe, weil ich wollte, dass man das Tattoo auch sieht. Letzten Endes habe ich mir das aus dem Kopf geschlagen, nachdem ich mich mit dem Grund für solche Tätowierungen beschäftigt habe. Es hat sehr viel mit Herkunft, Stolz und Kulturverbundenheit zu tun und bei mir wäre es nur eine Modetätowierung gewesen. 

J: Es gibt ja im Moment wahnsinnig viel deutschsprachige Musik. Ist das nicht blöd für dich, weil sie ja quasi deine Konkurrenz darstellen?

L: Total! (lacht) Auf der einen Seite ist es natürlich irgendwie meine Konkurrenz. Auf der anderen Seite habe ich mir seit 15 Jahren gewünscht, dass genau das passiert! Vor allem, dass die Medien erkennen, dass deutschsprachige Musik so viel hat und diese Musik eine Plattform braucht, da sie dies verdient hat. Ich finde es sehr schade, dass sowohl die Plattenfirmen als auch die Funkmedien hauptsächlich Musik spielen, welche sich sehr ähnelt. Zwischendurch hat man manchmal das Gefühl immer nur den gleichen Song zu hören. Das ist aber ein klassisches Phänomen und wird sich hoffentlich irgendwann ändern. Trotzdem legt es ein bisschen einen Teppich für den Nachwuchs. Dadurch, dass der HipHop weiter vor sich hin blüht und wächst, mache ich mir überhaupt keine Sorgen um den Variationsreichtum.

Es gibt momentan einen ganz bestimmten Kreis an Produzenten, die mit ihrer Riege sehr erfolgreich sind. Die bilden natürlich zu einem großen Teil den "Sound der Zeit" ab, aber das ist auch vollkommen normal. Immerhin findet die deutschsprachige Musik endlich mal statt! Inzwischen gibt es sogar Radiosender, die sich damit brüsten eine 30% Deutschquote zu haben. Wow! Sollten die Sender mal bei 50% angekommen sein, können wir darüber sprechen, dass das toll ist. Ich finde vorher gibt es keinen Grund sich auf die Schulter zu klopfen. 

J: Du hast auf deinem aktuellen Album einen Song zusammen mit Alex Diehl: "Ein Zeichen". Wie kam es denn zur dieser Kooperation?

L: Auf meiner letzten Tour war Alex als Support-Act mit dabei. Zum einen hat die Zusammenarbeit auf der Tour sehr gut funktioniert und zum anderen haben wir uns obendrein gut verstanden. Dadurch ergab es sich, dass wir zusammen ein wenig für mein und auch für sein Album geschrieben haben. An dieser Stelle kamen wir aber leider nicht richtig zusammen. Schließlich hat mir Alex drei oder vier Monate nach der Tour "Ein Zeichen" für mein Album angeboten, sich dann aber doch überlegt, dass er es auf sein Album "Bretter meiner Welt" packen möchte. Ich habe daraufhin vorgeschlagen den Song gemeinsam zu verwirklichen.

Bei dem Song geht es vor allem darum ein Zeichen im inhaltlichen Sinne zu setzten. Die Tatsache, dass Alex in diesem Song mit involviert ist, gibt mir die Möglichkeit dieses doch relativ politische Feature mit auf die Platte zu nehmen ohne einen großen inhaltlichen Schritt in eine Richtung zu machen. Politik ist ein Thema welches ich in der Vergangenheit nie mit meiner Musik verbunden habe. Aus dieser Sicht finde ich es großartig, dass wir bei diesem Song zusammen gefunden haben. 

J: Möchtest du ein wenig über den Song "Im Vorbeigehen" erzählen? 

L: Ich wurde letztes Jahr zu einer Kreuzfahrt eingeladen. Im Rahmen dieser Fahrt habe ich auf dem Schiff zwei Konzerte gegeben. In dieser Umgebung und auf das Meer schauend, habe ich den Refrain von "Im Vorbeigehen" geschrieben. Ich habe darüber nachgedacht, was für komische Dinge im Leben eigentlich ab und zu passieren und dass es manchmal tatsächlich nur die Zeit ist, die hilft Dinge zu ändern. Das war für mich auch das allererste Mal, dass ich die Tatsache "Mach was immer dein Herz dir sagt" in Frage gestellt habe. Dieser Satz wird in vielen schönen Songs, wie zum Beispiel von Kettcar ("48 Stunden"), thematisiert. Inzwischen halte ich ihn für Unsinn. Vielmehr macht man auch einfach mal Sachen, die komplett in die Hose gehen.

Diese Gedanken zu umschreiben und die Tatsache damit klar zu kommen, nicht in Selbstmitleid zu versinken, gab mir die Möglichkeit mit meinem Produzenten Udo (der auch Bruce Springsteen Fan ist) eine Art "I’m On Fire" Hommage zu bauen. Durch die harmonischen Arrangements unterscheidet sich der Song deutlich von den anderen. Er hat den speziellen Plätscher-Faktor und geht am ehesten in die independent Richtung. Besonders live funktioniert "Im Vorbeigehen" sehr gut und ist auch jedes Mal anders, was umso mehr Spaß macht! 

J: Hast du speziell zu München irgendwelche besonderen Erinnerungen?

L: Meine Plattenfirma sitzt ja seit geraumer Zeit in München. Allerdings komme ich ungern hier her, weil die Fahrt von Mannheim über die A8 eine regelrechte Tortur ist. Ansonsten finde ich, dass München eine coole Stadt ist. Mit Mannheim hat sie eine Gemeinsamkeit: Man muss vor Ort leben, um sie gut zu finden. Alle pochen immer gerne auf den englischen Garten, die Nähe zu den Alpen und Italien. Das sind alles schöne Dinge, die natürlich nie schaden, aber ansonsten habe ich zu München überhaupt keinen Bezug. Wir haben es auch nie geschafft hier mal entspannt weg zu gehen. Vielleicht lag das auch am falschen Führer. Natürlich hat uns mal jemand, zu meiner Anfangszeit, ins P1 geschleppt. Das ist aber Gott sei Dank schon lange her. Vom bayrischen Essen sind wir aber jedes Mal begeistert. Natürlich gehört dazu immer ein Helles!

Tatsächlich ist allerdings in München auf dem Viktualienmarkt das erste Minutenkonzert entstanden. Das bedeutet, dass man wo und mit wem auch immer man gerade da ist, 60 Sekunden lang spielt. Eine richtig coole Sache, wie ich finde. Damals ist auch ziemlich schnell die Bild Zeitung vorbei gerauscht, wodurch das Ganze eine größere Sache geworden ist, wie eigentlich ursprünglich geplant. Das war ein schöner Anfang einer kleinen Reise. 

J: Ich habe des Öfteren gelesen, dass du ein Rock-/Metalalbum planst. Jetzt eher Rock oder Metal?

L: Ich glaube, das muss dann jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe mit Dio angefangen und dann irgendwann mit Slayer und Celtic Frost aufgehört. In die modernen Werke von heute habe ich mich gar nicht mehr so richtig rein gehört. Das heißt, dass auf jeden Fall ein bisschen "Hackbrett" auf der Platte ist, wo man wunderbar die Haare schütteln und growlen kann. Es werden aber auch sehr melodische Songs, die ein wenig in die Foo Fighters Richtung gehen, zu finden sein.

Ich bin ein sehr glücklicher Mann, wenn das Album irgendwann fertig ist, aber ich bin mit einem leichten Dauerfeuer dran! Dieses Jahr war leider überhaupt keine Zeit um daran zu arbeiten. Aber jetzt habe ich schon so viel davon erzählt, dass es nun wirklich an der Zeit ist. 

J: Ich habe gelesen, dass Ihr immer einen Schnaps vor Showbeginn trinkt. Welchen gibt es denn heute?

L: Wir hatten schon recht oft Fusel auf dem Tisch, weshalb wir uns inzwischen selbst versorgen. Momentan sind wir von Ramazzotti über Fusel, gutem Obstbrand bis hin zu Bourbon sehr gut aufgestellt. Derzeit ist die ganze Band ein wenig auf dem Bourbon Kurs. 

J: Du wohnst ja in Mannheim, wo auch die Popakademie ist. Bist du denn da auch ein wenig involviert?

L: Nein, nicht wirklich. Es wurde die ersten Jahre immer mal über einen Workshop nachgedacht. Inzwischen würde ich vielleicht etwas zum Thema Gesang lehren, aber damals ist mir nie so richtig etwas eingefallen. Ansonsten kenne ich einen großen Teil der Lehrer, sowie Dozenten und schau mir das immer wieder gerne mal an, weil es vor allem tatsächlich die Stadt ein wenig verändert und das finde ich großartig! 



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