Alles auf kreativem Wege

Mon, 19 Sep 2016 09:42:00 GMT von

Am 13. September spielte der Singer/Songwriter Benne mit seiner Band im Münchener Milla. Bevor der Mittzwanziger sein am 5. August erschienenes Album "Alles auf dem Weg" live vorstellte, stellte er sich den Fragen unseres Konzertscouts.

Warum nicht dem Künstler ein bisschen auf den Zahn fühlen, dessen Konzert man genießen will? So oder ähnlich dachte Jasmin Roder, als sie sich auf den Weg ins Milla machte. Zu welchen Erkenntnissen sie im Verlauf ihres Interviews mit dem 26-jährigen Musiker Benedikt Ruchay kam, verraten wir nachfolgend.

Jasmin: Das zweite Album erschien ja jetzt sehr schnell. Wie kam es dazu? Gab es irgendwelche besonderen Erlebnisse etc.?

Benne: Ich schreibe allgemein eigentlich immer relativ viel. Es gibt echt selten Phasen in denen ich nicht schreibe. Und dann war es zusätzlich noch so, dass das erste Album eine Weile gebraucht hat bis es im Endeffekt veröffentlich wurde. Das war, glaube ich, schon ein Jahr fertig bis es dann Release hatte, weil man immer noch nach Medienpartnern geguckt hat und so. Deswegen sind während dieser Zeit schon viele Songs vom zweiten Album entstanden. Die jetzt auch letztendlich auf dem Album drauf sind. 

J.: Wie alt ist der älteste Song auf dem zweiten Album? 

B.: Das ist tatsächlich eine gute Frage. Hm, jetzt aber auch nicht so alt. Ca. drei Jahre? Oder sowas. Ist jetzt also kein ganz alter. Die sind wirklich alle auf dem ersten Album. Also welche die so 10 Jahre alt sind, meine ich. 

J.: Hängen dir schon Songs zum Hals raus? 

B.: Hm, Nee. Ich höre das zweite Album jetzt schon lieber als das erste. Es ist ja auch eine Weiterentwicklung da. Es ist trotzdem so, dass ich die Songs weiterhin wirklich sehr gut finde und sie mir auch anhören kann ohne auszuflippen und zu sagen: "Mach den Scheiß aus!" 

J.: Ich habe gehört du schreibst Tagebuch. Schreibst du da jedes Detail, jeden Tag rein oder nur besondere Erlebnisse und Momente?

B.: Jetzt gerade im Moment eher weniger. Habe allerdings tatsächlich ein frisches auf die Tour mitgenommen. Ich schreibe eher Dinge auf, die mich beschäftigen. Also nicht so: "Liebes Tagebuch, heute ist das und das passiert." Sondern eher so worüber ich mir in letzter Zeit Gedanken mache. Was mit meinem Mitbewohner gut läuft, was nicht. Es ist also nicht so chronologisch sondern eher was in meinem Kopf vorgeht. 

J.: Liest du dann da auch mal nach um Songideen zu bekommen, oder kommt es wenn es voll ist einfach nur in die Ecke?

B.: Für Songideen eigentlich gar nicht. Manchmal lese ich nach ein paar Jahren, wie beispielsweise vor ein oder zwei Wochen, alte Tagebücher die ich geschrieben habe als ich 18 Jahre alt war. Es war auch total interessant, weil sich viele Sachen auch wiederholen. Nur in andere Situationen verpackt. Das der Inhalt sehr ähnlich ist, war schon interessant zu sehen. 

J.: Ich habe gefühlt jede Album-Kritik über das aktuelle Album gelesen. Liest du die noch? Niemand hat auch nur ansatzweise etwas Negatives geschrieben. Das ist sehr selten.

B.: Ich hab die schon durchgelesen. Zumindest die meisten. Ich finde es dann immer spannend, wenn ich z.B. so Interviews habe und dann wirklich die Leute nochmal so zu fragen wie die Person es denn fand. Weil ich bei den Kritiken auch oft das Gefühl habe, dass da etwas drin steht was ich gar nicht so unterschreiben könnte. Auch wenn es jetzt gute Dinge waren, denke ich mir manchmal, dass es gar nicht so gemeint war wie es aufgefasst wurde. Deswegen lege ich da jetzt nicht so mega viel Wert drauf. Aber die, die ich gelesen habe, haben ich mich sehr gefreut. 

J.: Wie gehst du mit negativer Kritik um? 

B.: So wie ich auch manchmal das Gefühl habe, dass bei positivem Feedback sich die Person nicht richtig damit beschäftigt und reingedacht hat, so ist es dann manchmal bei den negativen auch. Ich finde es dann aber auch ok. Kann ja auch mal jemand sagen: "Nee. Fand ich jetzt nicht so gut!" Darf er ja auch gern. 

J.: Du hast auf deinem aktuellen Album ein Paar recht interessante und ungewöhnliche Klänge untergebracht. Beispiel "Ich atme". Kommen solche Ideen von dir? Oder dem Produzenten? 

B.: Die Udu, so heißt das Instrument. Was ein wenig so wie eine Blumenvase klingt. Und auch so aussieht. Das kommt von meinem Drummer. Der hat da immer so ein bisschen Percussion Kram dabei. 

J.: Bleiben wir bei "Ich atme" - Woher stammte hier die Inspiration? Nicht nur für die Instrumentals. 

B.: Ich hatte das Glück ziemlich viel rumreisen zu können in meinem Leben. Bin auch öfter alleine unterwegs gewesen. Ich habe viele Freunde in Spanien, die ich dann besuche und dann mit einer Reise verbinde. Wenn ich ganz für mich alleine unterwegs bin, lerne ich mich nochmal selbst ganz anders kennen. Dadurch, dass man ein wenig raus kommt aus den ganzen Strukturen in denen man sonst so drin ist. Aus dem ganzen Alltag. Mal weg ist von den Leuten, die einen sonst die ganze Zeit umgeben. Die einen auch prägen vom Verhalten her und so. Ich habe das Gefühl ich lerne mich beim Reisen nochmal auf eine ganze andere Art und Weise kennen. 

J.: Wie ist das bei dir bei Musikvideos? Werden schon Leute engagiert als Schauspieler oder sind es noch die Freunde? z.B. bei "Alles auf dem Weg"

B.: Nein, das sind Schauspieler. Wir haben uns aber auch wirklich sehr gut verstanden. Mittlerweile sind wir auch Freunde. Wobei der Regisseur mit dem ich das Video gemacht habe ein guter Kumpel von mir ist. Felix Wittich. "Layla" hat er auch gemacht und die Akustik Sessions. 

J.: Man hat bei diesem Video so ein wenig das Gefühl, dass du der Vermittler bist. Ist das vielleicht in deinem Freundeskreis wirklich so?

B.: Das ist schon manchmal so. Ich bin glaube ich ein relativ entspannter Typ. Es ist jetzt nicht so, dass ich bei jedem kleinen Scheiß ausraste. Früher in der Schulzeit oder zu Hause war auch ich der, der gesagt hat:  "Jetzt kommt mal alle runter und versucht mal den anderen zu verstehen." 

J.: "Unser alter Palast" ist mein persönliches Lieblingslied. Ich denke da an ein Baumhaus oder eine alte Lagerhalle. An was denkst du?

B.: Das waren so ein oder zwei Sachen irgendwie. Ich hab an der Popakademie in Mannheim studiert. Und die Akademie ist in einem Viertel, was ein bisschen vergleichbar ist mit Berlin Kreuzberg. Sehr viel Migrationshintergrund. Recht abgeranzt eigentlich. Wo aber sehr viel Kreatives entstanden ist in den letzten Jahren. Da gab es eine alte Lagerhalle an einem Steg wo wir immer waren. Die wurde jetzt abgerissen und es kommen Luxuswohnungen hin. Das war zumindest in der Zeit, als ich den Song geschrieben habe. Ich weiß jetzt gar nicht ob es exakt das Erlebnis war. 

J.: Im gesamten Album ist wenig mehrstimmiger Gesang oder gedoppelte Gesangs-Spuren. Wieso? 

B.: Mehrstimmiger Gesang ist schon ein bisschen drin. Wir wollten es einfach relativ simpel halten. Das Ganze Album. Auch was die Instrumente angeht. Wir wollten jetzt auch nicht 1000 Spuren übereinander ballern. Es sollte einfach sehr organisch und echt sein. 

Falls ihr nun neugierig geworden seid und gerne selbst eines der Konzerte der "Alles auf dem Weg Tour" erleben möchtet, bekommt ihr hier ein passendes Ticket. Die Termine dazu stehen weiter unten. Bennes kürzlich veröffentlichtes Album "Alles auf dem Weg" ist in verschiedenen Formaten an dieser Stelle erhältlich. Hier der Link zur Bilderstrecke.

Benne - Alles auf dem Weg Tour 2016:
20.09. - Hamburg - Knust
21.09. - Hannover - Lux
22.09. - Leipzig - Neues Schauspiel
23.09. - Dortmund - FZW
24.09. - Köln - Studio 672
26.09. - Münster - Jovel
27.09. - Heidelberg - Halle 02
28.09. - Osnabrück - Kleine Freiheit
29.09. -  Dresden - Jazzclub Tonne
30.09. - Berlin - Frannz Club

 



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.