16 Stunden im TV-Studio

Mon, 14 Dec 2015 12:51:00 GMT von

Mit dem Abschied Stefan Raabs aus dem TV-Geschäft neigt sich eine TV-Ära zu Ende. Am Mittwoch, 16. Dezember, wird er durch seine allerletzte "TV total"-Sendung führen.

Wenn der 49-Jährige gegen 23.15 Uhr im Kölner Show-Studio erscheint, wird es noch einmal einen großen Tusch auf den entscheidenden TV-Entertainer der vergangenen Jahrzehnte geben. Gespielt wird dieser von den heavytones. Die achtköpfige Band ist mit Raab und der Sendung durch Mammut-Tage im Studio gegangen und mit ihm auch beim Eurovision Song Contest gelandet. Band-"Chef" Herbert "Herb" Jösch (53) blickt im Interview auf eine "fantastische Zeit" zurück und erklärt, wie es mit den heavytones weitergehen wird.

magistrix: Die heavytones als langjährige Liveband bei "TV total" werden sofort mit Stefan Raab in Verbindung gebracht. Nervt das?

Herbert "Herb" Jösch: Durch unsere langjährige und beinahe tägliche Arbeit bei "TV total" haben wir natürlich eine Nähe zu Stefan Raab. Da er maßgeblich zu dem Profil beigetragen hat, das die Band heute hat, ist die Verbindung zu ihm legitim, und es stellen sich Fragen nach seiner Person zu Recht.

magistrix: Was wollen die Leute über Raab wissen?

Jösch: Viele fragen beispielsweise, ob er denn wirklich so sei wie im Fernsehen.

magistrix: Und?

Jösch: Ja, Stefan ist wirklich so wie im Fernsehen. Er verstellt sich nicht, und er ist gewiss keine Kunstfigur.

magistrix: Raab wird sich verabschieden und damit auch "TV total". Was bedeutet das für die Liveband der Sendung?

Jösch: Unsere erste Reaktion war eine gewisse Traurigkeit. Schließlich: Die Arbeit hat uns über 15, beinahe 16 Jahre wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und es war ein absolutes Privileg, als Band fantastische musikalische Gäste begleiten zu dürfen. Dieses wahrscheinlich unwiederbringliche Stück Fernsehgeschichte bricht nun für uns weg.

magistrix: Doch eine Trennung kann immer auch ein Neuanfang sein. Was sind Ihre Pläne?

Jösch: Die Band wird in dieser Konstellation weiter bestehen. Wir haben die Zeit genutzt, uns gut als Live-Band aufzustellen. So haben wir in den vergangenen drei, vier Monaten viele Konzerte gespielt. Zudem ist erst im November unsere neue CD erschienen: "Songs That Didn't Make It To The Show".

magistrix: Hat dieser Titel nicht auch schon wieder einen Bezug zu Raab und der Sendung?

Jösch: Einerseits ja, andererseits steht der Titel auch für einen gewissen Abschluss. Auf dem Album ist unsere Originalmusik, bei der die Band ihr tatsächliches Potenzial zeigt. Bis dato waren die heavytones eher ein Dienstleister. Diese Scheibe ist zum ersten Mal unsere ureigene Musik. Bis auf einen Song sind alles Eigenkompositionen.

magistrix: Wenn Sie bislang vor allem Dienstleister gewesen sind, was ist Ihr ureigener Sound?

Jösch: Die Band besteht aus acht Charakteren mit jeweils unterschiedlichen Erfahrungen - auch altersbedingt. Über die Jahre des gemeinsamen Arbeitens im TV-Studio haben wir gelernt, aufeinander zuzugehen. Herausgekommen ist eine Symbiose aus Jazz, Funk und teilweise Popelementen. Wir stehen für eine ureigene Musik, die auch keines Gesangs bedarf. Alles machen wir rein instrumental. Mit dieser Ausrichtung sind wir bislang durchaus erfolgreich. Vor allem live! Das schließt allerdings nicht aus, dass wir auch wieder etwas für andere machen werden. Wohl auch für das Fernsehen.

magistrix: Es muss also keiner Sorge haben, etwa in einen Bürojob zurückkehren zu müssen?

Jösch: Auch vor "TV total" hat jeder sein Geld mit Musik verdient. Wolfgang Dalheimer beispielsweise war mit Chaka Khan und weiteren internationalen Größen unterwegs. Irgendwann hatte auch er sich dazu entschieden, für einen eigentlich nur kurz gedachten Zeitraum bei einer Trash-TV-Comedy-Band einzusteigen - ohne Wissen darüber, dass er 15 Jahre schuften und unzählige Arrangements quasi über Nacht schreiben wird.

magistrix: Das klingt ja fast schon nach Stress.

Jösch: Manchmal war das Pensum schon heftig. Lange Tage mit 15 oder 16 Stunden im TV-Studio waren mitunter normal.

magistrix: Also doch nicht nur ein positiver Blick zurück?

Jösch: Quatsch! Wir sind dem Stefan wahnsinnig dankbar, dass er uns die Chance gegeben hat, mit internationalen Stars wie James Brown oder Joe Cocker zu spielen. Mit Kylie Minogue, Lionel Richie, Tom Jones, Michael Bublé! Es war alles dabei, was Rang und Namen hat. Selbst Adele, als sie noch niemand kannte, war mit uns zu Gange. Es war eine fantastische Zeit, auch mit den insgesamt drei Teilnahmen beim Eurovision Song Contest. Für das alles hätten wir eigentlich noch Geld bezahlen müssen. Und ich kenne genug Leute, die tief in die Tasche greifen würden, dürften sie mit diesen Namen gemeinsam spielen.

magistrix: Werden Sie von diesen Kontakten profitieren?

Jösch: Das lässt sich schwer abschätzen. Mit Stefanie Heinzmann oder Max Mutzke beispielsweise als Special Guests, die ja beide auch durch Raab-Sendungen bekannt geworden sind, wird es bestimmt immer wieder mal Auftritte geben. In unserem letztendlich doch überschaubaren Metier läuft man sich öfter über den Weg. Das hat aber keine Auswirkungen auf den weiteren Weg der heavytones.

magistrix: Wohin wird dieser führen - auch in die Charts?

Jösch: In den Pop-Sektor passen wir schon altersbedingt nicht. Wir sehen uns auf Jazz-Festivals. Oder in Clubs, in denen kulturell Wertvolles geboten wird. Eine Top 100 etwa spielt dort keine Rolle. Obwohl: In die Top Fünf der Jazz-Charts haben wir es mit unserem aktuellen Album bereits geschafft - neben Till Brönner und Götz Alsmann.

magistrix: Bislang trafen Sie sich vor allem im TV-Studio, nun sind Sie oft zusammen unterwegs. Hat sich etwas durch das vermehrte Reisen innerhalb der Gruppe geändert?

Jösch: Gerade in den letzten Wochen, in denen wir intensiver unterwegs waren, ist die Band noch deutlicher zusammengerückt. Keiner geht dem anderen auf dem Keks, obwohl wir mit acht Mann stundenlang auf der Autobahn aufeinandersitzen. Das zeigt, dass die Band für jeden einzelnen einen besonderen Stellenwert besitzt, auch wenn jeder nebenbei noch weitere Projekte verfolgt.

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