Deutschland und die weite Welt

Wed, 27 May 2015 10:14:00 GMT von

Das Chorprojekt Scala & Kolacny Brothers nahm sich deutschem Liedgut an, und auch We Butter The Bread With Butter, Mono Inc. und Elenka singen auf Deutsch - auch wenn sie ihre musikalischen Einflüsse aus der ganzen Welt beziehen.

Weltoffen geben sich auch die amerikanischen Polit-Punker von Anti-Flag und die britischen Indie-Popper The Vaccines: die weiteren Veröffentlichungen der Woche.

Anti-Flag - American Spring

Die Labelfrage war bei den amerikanischen Punk-Rockern von Anti-Flag schon immer wichtig: Als die Band 2006 für zwei Alben zu einem Major-Label wechselte, war der Zorn der Fans groß, hatten sich Anti-Flag doch schon immer dezidiert antikapitalistisch gegeben. "American Spring" ist jetzt bei der finnischen Plattenfirma Spinefarm erschienen - die wiederum zu Universal Music gehört. Ihrem linkspolitischen Aktivismus sind Anti-Flag trotzdem treu geblieben. Die Band um Sänger Justin Sane legt zu ihren Songs über Rassismus oder den Zusammenbruch des Ostblocks gar seitenweise erläuternde Fußnoten bei.

Scala & Kolacny Brothers - Unendlich

Und jetzt alle zusammen! 20 Sängerinnen haben Pianist Steven Kolacny und sein Bruder, Dirigent Stijn Kolacny, für ihr Chor-Projekt Scala zusammengetrommelt. Auf "Unendlich" covert die ungewöhnliche Bandformation alles an deutschem Liedgut, was nicht bei drei auf den Bäumen war: Xavier Naidoo, Sportfreunde Stiller, Udo Lindenberg und sogar Hildegard Knef. Gut getan hat das den Songs nicht: Dank uninspirierter Arrangements klingt etwa der Hosen-Song "An Tagen wie diesen" kaum anders als die Knef-Schmonzette "Für mich soll's rote Rosen regnen". Und auch die Kitschgrenze ist nie weit entfernt.

Mono Inc. - Terlingua

Nach Texas hatte es Mono Inc. Anfang 2014 verschlagen, mitgebracht haben die Hamburger Material für ein Album, das musikalisch allerdings so weit von den US-Südstaaten entfernt ist wie die Elbe vom Rio Grande. Gut so: Denn auch auf "Terlingua" sind sich Mono Inc. treu geblieben und liefern melodischen Gothic-Rock mit deutschen und englischen Texten ab. Dabei klingen sie meist bewährt düster, in hellen, sonnendurchfluteten Momenten aber so lebensbejahend, wie man es dem Gothic-Genre gar nicht zugetraut hätte.

We Butter The Bread With Butter - Wieder geil!

Schon im Opener "Ich mach was mit Medien" beweisen We Butter The Bread With Butter, dass Deathcore durchaus Humor besitzen kann. Musikalisch aber geben sich die vier Brandenburger kompromisslos: Auch auf "Wieder geil!" regiert die Härte. Dröhende Riffs, düsterer Guttural-Gesang und schwarzes Elektrogefrickel erschaffen einen Horror-Soundtrack, bei dem auch klassische Deathcore-Themen nicht zu kurz kommen: Exorzismus, Zombies und natürlich Tod und Teufel.

The Vaccines - English Graffiti

Gerade mal fünf Jahre gibt es The Vaccines, dennoch standen die Londoner schon für die Rolling Stones und Muse als Vorgruppe auf der Bühne. Jetzt legen sie ihr bereits drittes Album vor. "English Graffiti" heißt es und klingt so, wie die Band sich selbst beschreibt: eine Mischung aus Rock, Pop, Punk und ein klein bisschen Hardcore - alles zusammengehalten unter dem Deckmantel des Indie-Pop.

Elenka - Elenka

So interessant klang Elektro aus Deutschland schon lange nicht mehr: Auf ihrem selbstbetitelten Debüt-Album gibt sich Newcomerin Elenka mal filigran und detailverliebt, dann wieder tanzbar, mit schmatzenden Beats und wummernden Bässen. Dazu gibt es deutschsprachige Texte, die in eine düstere, aber verspielte Welt entführen, angesiedelt irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.

teleschau | der mediendienst



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