Talent borgt, Genie stiehlt

Fri, 20 Feb 2015 16:07:00 GMT von

Zugegeben: Dass sich Künstler und Bands von der Musikgeschichte "inspirieren" lassen, ist nichts Neues. Die Neuveröffentlichungen der Woche zeigen aber, dass ein selbst durchdachter Ideenklau noch lange kein geniales Endergebnis liefern muss ...

Chris Brown x Tyga "Fan Of A Fan - The Album"

Eigentlich fehlen nur noch die umgedrehten Hosen: Auf dem Cover ihres gemeinsamen Albums "Fan Of A Fan" wirken Chris Brown und Tyga wie eine Kopie der Kiddie-HipHopper von Kris Kross. Und auch ihr Sound soll an vermeintlich gute, alte Zeiten erinnern: Ihr meistens gut gelaunter, seichter 90er-Jahre-R'n'B-Pop wird aber nur vereinzelt durch Stargäste wie 50 Cent und Pusha T vor der Bedeutungslosigkeit gerettet.

The Avener "The Wanderings Of The Avener"

Tristan Casara macht das schon clever: Unter seinem Künstlernamen The Avener nimmt der französische DJ teilweise bereits vorhandene Blues-, Jazz- und Folksongs und unterlegt sie mit House-Beats. Und damit keiner auf Idee kommt, sein Erfolgsrezept - die Single "Fade Out Lines" erreichte Platz eins der deutschen Charts - sei einfach, bezeichnet er seine Tracks oft als "Rework". Doch wirkliche künstlerische Arbeit lässt auf seinem Album "The Wanderings Of The Avener" nicht erkennen.

Quadro Nuevo "Tango"

Inspiration holt man sich am besten vor Ort: Für "Tango" begaben sich Quadro Nuevo auf Spurensuche in Buenos Aires. Das deutsche Jazz- und Weltmusik-Quartett - dieses Mal ergänzt um Pianist Chris Gall - kehrte mit reichlich Ideen zurück und begeistert auf seinem neuen Album sowohl mit eigenwilligen Coverversionen von Genre-Klassikern als auch schwungvollen und inspirierten Eigenkompositionen.

JJ Grey & Mofro "Ol' Glory"

Auch JJ Grey erfindet das Rad nicht neu: Seine Songs greifen auf die gesamte Vielfalt amerikanischer Musiktraditionen zurück - von Blues über Soul bis hin zu Country und Southern-Rock. Doch der Sänger/Gitarrist aus Florida und seine Begleitband behandeln das musikalische Erbe mit Respekt, schreiben dessen Geschichte mit melodiösen, muskulösen Songs überzeugend weiter.

Mahalia Barnes "Ooh Yea - The Betty Davis Songbook"

Sie war kurze Zeit mit Miles Davis verheiratet, machte die Jazz-Legende mit Jimi Hendrix und Sly Stone bekannt und galt in den 70er-Jahren als Funk-Pionierin: Mit "Ooh Yea" will die Australierin Mahalia Barnes Sängerin Betty Davis ein Denkmal setzen. Das Ergebnis ist zwiespältig: Deren kraftvolle Songs wirken - trotz Gaststar Joe Bonamassa an der Gitarre - eher kraftmeierisch, die souligen Klassiker hingegen meistert Barnes mit viel Gefühl in der Stimme.

teleschau | der mediendienst



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn