"Für uns ist Liebe wie Essen"

Fri, 07 Nov 2014 10:59:00 GMT von

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt eroberten Adoro 2008 sofort den Platz an der Sonne der deutschen Album-Charts. Auch die Nachfolger sorgten für jede Menge Edelmetall.

Die mit dem Markenzeichen Pop-Klassik-Crossover angetretene Vokalband, derzeit aus vier ausgebildeten klassischen Opernsängern bestehend, versucht sich nun mit der neuen CD "Nah bei dir" erstmals an einem neuen Stil. Ihre "Late Night Classic" orientiert sich an den Songs des legendären Rat Packs, an Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Dean Martin. Aber auch der Deutschrock kommt in seiner romantischen Fassung keineswegs zu kurz. Im Interview erzählen die Adoro-Sänger Peter Dasch und Assaf Kacholi von großen Vorbildern, großen Bühnen und großer Liebe.

magistrix: "Nah bei dir" ist nach "Das Beste" im vergangenen Jahr Ihr sechstes Album. Sie versuchen damit, neue Wege zu gehen. Ist der Adoro-Sound damit passé?

Peter Dasch: Wir singen als Opernsänger nach wie vor mit unseren klassischen Stimmen. Trotzdem war beim neuen Album das amerikanische Entertainment, wie es das legendäre Rat Pack um Frank Sinatra und Dean Martin bot, unser Vorbild. Wir haben ein Repertoire von Songs zusammengestellt, zu denen wir zuvor keinen Zugang hatten, es war jedenfalls noch nicht auf unserer Liste. Doch wir bleiben uns auch hier durchaus treu - der gute alte Adoro-Sound ist noch zu erkennen.

magistrix: Erstaunlich, dass Sie sich sogar an Max Raabes augenzwinkerndes Chanson "Küssen kann man nicht alleine" herangewagt haben. Es ist ein ziemlich intimes Lied. Sie singen es mit großen Stimmen und großem Orchester.

Dasch: Wir fanden diese Nummer großartig. Max Raabe ist ein toller Interpret, der uns ziemlich nahe steht. Wir haben etwas ganz anderes daraus gemacht mit unseren klassischen Opernstimmen.

magistrix: Ist der Anteil und Einfluss amerikanischer Songs oder Interpreten im Album nicht doch eher gering? Statt mit Swingband arbeiten Sie ja auch mit großem Sinfonieorchester.

Dasch: Wir arbeiteten tatsächlich in der Kreativphase zuerst mit einer Jazzband, erst danach kam dann das große Orchester. Es ist unser Weg, Charlie Chaplins "Smile", das einst Nat King Cole oder auch Barbra Streisand gesungen haben, zu interpretieren - oder das durch Louis Armstrong berühmt gewordene "What A Wonderful World". Wir wollen deswegen aber nicht alles auf den Kopf stellen. Wir waren anfangs ein Stück weit skeptisch, doch nicht zuletzt bestätigte uns Produzent Jens Kuphal, der ja auch Hildegard Knef produzierte: Das funktioniert!

magistrix: Sie lieben die Größe, singen oft chorisch mit vollem Orchester, selbst bei "La Mer" gehen Sie in die Vollen.

Assaf Kacholi: "La Mer" hat ja auch Robbie Williams in der amerikanischen Version mit Bigband gesungen. Jetzt fehlt nur noch die deutsche Version - die machen wir. Und auch bei Liedern wie "Wonderful World" konnten wir uns nicht zurückhalten.

magistrix: Das Wort "Liebe" kommt in ihren Songs durchaus häufig vor. Da wird auch sehr oft ein Partner angebetet. Sie machen ihrem Bandnamen Adoro damit alle Ehre.

Kacholi: Die Liebe spielt bei uns sicher eine große Rolle, weil wir sehr romantisch sind. Wegen der Liebe singe ich ja auch. Ich muss immer verliebt sein in meine Kunst, in das Publikum. Für uns ist Liebe wie Essen.

magistrix: Jedenfalls sollte man Ihre Platte nicht gleich der Nachbarin schenken. Die würde sicher denken: Der will was von mir.

Dasch: Man muss uns ja nicht so ernst nehmen. Aber versuchen Sie es doch mal, dann hätten wir mit unserem Album schon mal etwas geschafft.

magistrix: Sie wohnen in Berlin, sind der Herkunft nach eine deutsch-israelisch-indische Mischung. Sehen Sie sich eigentlich häufig?

Dasch: So wenig wie möglich!

magistrix: Eine Antwort, die zu erwarten war.

Kacholi: Nein, wir sind sehr gut befreundet, wir haben all die Jahre sehr viel Spaß zusammen gehabt. Und natürlich sehen wir uns in der Songfindungsphase täglich, erst recht vor einer Einspielung oder vor einer Tournee, wie sie im nächsten Februar wieder ansteht. Im Augenblick atmen wir aber gerade einmal durch.

magistrix: In Ihrer musikalischen Vita stehen Auftritte in der Royal Albert Hall und am Brandenburger Tor. Große Momente?

Dasch: In die Royal Albert Hall hat uns Katherine Jenkins für einige Songs zu ihrem Konzert eingeladen. Trotz der schwierigen Akustik dort: Es war ein erhebender Moment, damals im letzten Dezember in dieser Riesenkonzerthalle zu singen. Am Brandenburger Tor sangen wir 2009 Marius Müller Westernhagens "Freiheit" anlässlich von 20 Jahren Mauerfall. Danach kannte uns jeder.

magistrix: Wie halten Sie eigentlich Ihre Stimmen bei Laune? Singen Sie auch in Ihrer freien Zeit, treiben Sie Sport?

Dasch: Klar, es wird auch immer noch unter der Dusche gesungen. Sportlich bin ich eher so'n Wandersmann - ich mag die Berge.

Kacholi: Singen ist ja auch wie Sport. Ich mache Krafttraining und Yoga. In meiner Heimat Israel schwimme ich sogar. Eines ist aber klar: Alkohol und Rauchen sind auf jeden Fall strikt untersagt.

Adoro auf Deutschland-Tournee:
25.02.2015, Hannover, Kuppelsaal
26.02.2015, Magdeburg, Stadthalle
28.02.2015, Würzburg, S.Oliver Arena
01.03.2015, Nürnberg, Meistersingerhalle
03.03.2015, Oberhausen, König-Pilsener-Arena
04.03.2015, Lingen, Emsland Arena
06.03.2015, Ransbach-Baumbach, Stadthalle
07.03.2015, Saarbrücken, Saarlandhalle
08.03.2015, Wetzlar, Rittal Arena
10.03.2015, Erfurt, Messehalle
11.03.2015, Frankfurt, Alte Oper
12.03.2015, Bremen, Halle 7
14.03.2015, Rostock, Stadthalle
15.03.2015, Hamburg, CCH 1
16.03.2015, Leipzig, Gewandhaus
17.03.2015, Bielefeld, Stadthalle
19.03.2015, Braunschweig, Stadthalle
20.03.2015, Kempten, bigBOX
21.03.2015, Augsburg, Schwabenhalle
22.03.2015, Stuttgart, Porsche-Arena
24.03.2015, Zwickau, Stadthalle
25.03.2015, Berlin, Tempodrom

 

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