In Dylans Tourbus

Mon, 28 Jul 2014 15:40:00 GMT von

Ohne Musik geht es nicht. Ohne einander zur Not schon. Schon bei ihren ersten Auftritten pflegte das australische Geschwisterpaar Angus und Julia Stone eine ungewöhnliche Arbeitsteilung:

Beide performten ihre eigenen Songs - der jeweils andere sang einfach nur mit. Bekannt wurden sie zwar als Folk-Pop-Duo mit zwei Alben, 2010 landeten sie mit dem Song "Big Jet Plane" sogar einen ersten Hit. Doch danach trennten sich ihre Wege, beide veröffentlichten Soloplatten. Dass sie nun mit "Angus & Julia Stone" ein drittes Album sogar mit gemeinsam geschriebenen Songs vorlegen, verdanken sie Produzenten-Ikone Rick Rubin (Johnny Cash, Metallica), wie sie beim Interview in einem Kölner Hotel erklären. Auch beim Gespräch zeigt sich ihre Arbeitsteilung: Während Julia bereitwillig Auskunft gibt, erwacht der schweigsame Angus nur gelegentlich aus seiner Lethargie, um die Antworten seiner Schwester zu ergänzen.

magistrix: Ihr letztes gemeinsames Album erschien bereits vor vier Jahren. Inwieweit hatten Sie Kontakt zueinander während Ihrer Solo-Arbeit?

Julia Stone: Wenn wir nicht ohnehin gemeinsam unterwegs sind, stehen wir mittlerweile wieder in regem Kontakt, über Telefon, Skype und E-Mail. Aber es gab tatsächlich eine längere Funkstille. Ich hatte zeitweise keine Ahnung, was Angus gerade machte, wo er sich überhaupt gerade aufhielt und ob er Konzerte spielte.

magistrix: Rick Rubin überzeugte Sie schließlich, wieder gemeinsam ein Album aufzunehmen. Wie schaffte er das? Was hat er, was andere Produzenten nicht haben?

Julia Stone: Er ist eine einfach eine Legende und hat schon so viele tolle Platten produziert! Wenn du also eine E-Mail von Rick Rubin kriegst, der mit dir arbeiten möchte, dann sagst du das nicht ab. Außerdem dachten wir, vielleicht sieht er etwas in uns, über das wir nachdenken sollten. Und er hat ein intuitives Gefühl für die richtigen Entscheidungen. Wenn er der Meinung ist, dass die eine Aufnahme eines Songs perfekt war, dann ist sie perfekt. Auch wenn wir anfänglich immer darüber diskutierten, letztendlich behielt er immer recht. Er ist ein sehr gefühlvoller Typ, wenn er Musik hört, ist sein gesamter Körper in Bewegung.

magistrix: Bei Facebook gibt es ein Bild, auf dem Julia im alten Tourbus von Bob Dylan zu sehen ist, der im Garten des legendären "Shangri-La"-Aufnahmestudio steht, das jetzt Rubin gehört. Lässt man sich von so etwas inspirieren?

Angus Stone: Natürlich! Man fühlt dort überall diese musikalisch-historische Aura. Zum Beispiel am Poolbillard-Tisch, an dem einst Dylan abhing, oder beim Ausblick auf den Ozean. Wenn man sich bewusst macht, dass so viele fantastische Bands genau die gleiche Aussicht genossen haben, ist das ein erhabenes Gefühl.

magistrix: Die Überschneidungen mit Künstlern, die dort aufnahmen und Sie offensichtlich beeinflusst haben, ist ohnehin recht groß ...

Julia Stone: Ja, zum Teil. Unser Vater spielt in einer Coverband. Wir waren also schon als Kinder ständig umgeben von Musik und Musikern, die bei uns ein- und ausgingen. Er spielte uns die ganzen Sachen vor, Bob Dylan, Neil Young, Creedence Clearwater Revival, The Eagles und so weiter. Das ist die Musik, die in den Wänden unseres Elternhauses steckt. Die Band unseres Vaters probte jede Woche bei uns. Von daher ist es etwas Besonderes mit jemandem wie Rick Rubin zu arbeiten, der zwar vielleicht nicht Dylan aufgenommen hat, aber etwa Neil Diamond und Johnny Cash.

magistrix: Sie haben als Geschwisterpaar auch zum ersten Mal gemeinsam an Songs gearbeitet. Warum erst jetzt?

Julia Stone: Wir waren einfach nicht so eng miteinander verbunden, wie es jetzt der Fall ist. Zuvor entdeckten wir unsere Kunst jeder für sich selbst, wir brauchten diese Distanz, weil wir schon zusammen in einer Band spielten. Das Songwriting war wie eine Art Flucht, eine sehr persönliche Sache, die wir am Anfang nicht teilen wollten. Mittlerweile sind wir erwachsen, und zumindest bei mir gibt es nicht mehr so einen Besitzanspruch bei den Songs. Es fiel mir leicht, mit Angus Songs zu schreiben, was eine echte Überraschung war.

magistrix: Was sind denn die Vor- und Nachteile davon, als Bruder und Schwester in einer Band zu spielen?

Julia Stone: (überlegt) Man muss nicht ständig miteinander reden (lacht)! Man kann sich stundenlang anschweigen, was angenehm ist, wenn man vorher in einem sozialen Umfeld oder bei irgendwelchen Terminen stundenlang reden musste. Und wir haben viele gemeinsame Interessen, Tennis und Sport im Allgemeinen.

magistrix: Gibt es irgendwelche typischen Angewohnheiten, die Sie am anderen lieben oder hassen?

Angus Stone: (überlegt) Hmm ...

Julia Stone: Ich glaube wir haben die gleichen Angewohnheiten, weil wir gemeinsam aufgewachsen sind. Wir benutzen zum Beispiel beide unheimlich viele Handtücher, wenn wir im Bad sind (lacht). Deswegen haben wir eigentlich nie saubere Handtücher, wenn wir mal etwas länger in einem Bed & Breakfast oder einem kleinen Hotel wohnen, weil wir die so schnell aufbrauchen.

magistrix: Ihre Managerin legte Ihnen einst nahe, von Australien nach London zu ziehen. Ist es einfacher, die Musikwelt in Europa und den USA von England aus zu erobern?

Julia Stone: Ja, rückblickend betrachtet war das eine kluge Entscheidung, aber es war sehr hart für uns. Wir wohnten in Australien nahe am Strand, Angus ging immer surfen. Dann waren wir auf einmal in London, wo alles unglaublich teuer war und wir plötzlich sehr hart arbeiten mussten, jeden Abend gab es einen Auftritt. Aber daraus bildete sich eben irgendwann eine Fangemeinde. Die haben wir mittlerweile auch in Australien, denn obwohl es ein riesiges Land ist, ist es eigentlich sehr klein. Die Zahl der Städte, in denen man auftreten kann, ist doch recht überschaubar: Sydney, Perth, Melbourne, Brisbane, Adelaide, vielleicht noch Darwin, aber das war es dann auch eigentlich schon.

Angus Stone: Da ist das Publikum ziemlich schnell gesättigt, bei nur fünf Städten. Zudem ist die Reise nach Darwin sehr teuer, weil es weit weg ist. In Australien verlieren die Lieblingsbands schnell ihre Magie, weil man sie ständig live sehen kann und keine Zeit hat, sie wirklich zu vermissen.

magistrix: Leben Sie nach wie vor in London?

Julia Stone: Nein, wir pendeln zwischen Los Angeles und Australien.

magistrix: Mit den vielen Reisen und Wohnorten wie London oder Los Angeles: Wo ist Ihre Heimat?

Julia Stone: Angus hat eine Farm in Australien, ich habe eine Unterkunft in Melbourne, das ist nach wie vor unser Zuhause.

Angus Stone: Wir sind immer da, wo die Straße uns hinführt, sozusagen. Die letzten acht Monate lebten wir in Los Angeles.

Julia Stone: Wir kommen überall da hin, wo wir gebraucht werden! Wir sind mit der Zeit ziemlich gute "Roaddogs" geworden.

magistrix: Ihr musikalisches Elternhaus, Ihre Folk-Musik, die Farm in Australien - Nehmen Sie es eigentlich als Beleidigung wahr, wenn man Sie als Hippies bezeichnet?

Julia Stone: Das stört mich überhaupt nicht. Ich meine, Hippies, so sie denn tatsächlich existieren, wie sehen die dann wohl aus? Findest du das beleidigend, Angus (lächelt)?

Angus Stone: Ach Quatsch, man kann mich so nennen, wie man will.

Julia Stone: Wahrscheinlich ist es sogar eher ein Kompliment. Obwohl ich nicht glaube, dass ich ein Hippie bin. Denn ich bin keine Vegetarierin oder so. Ich würde mal schätzen, dass ich als Hippie der Definition nach politisch immer bestens informiert sein müsste über das, was gerade auf der Welt passiert und für Gerechtigkeit kämpfen sollte. Ich liebe Musik und kämpfe für die Liebe! Und natürlich habe ich auch bestimmte Lebensgrundsätze, aber ich hänge auch gerne rum und schaue mir Hollywood-Filme an und trinke Wein dazu (lacht).

Angus & Julia Stone auf Deutschland-Tournee:

09.11., Offenbach, Capitol

10.11., Hamburg, Grosse Freiheit 36

12.11., Berlin, Tempodrom

13.11., München, Tonhalle

14.11., Köln, Palladium

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