Der Musiker für Musiker

Tue, 31 Dec 2013 10:19:00 GMT von

Natürlich ist Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page eine lebende Legende. Doch er genießt in Musikerkreisen einen besonderen Ruf:

Erstens als zurückhaltender Mensch, der nicht gerne über sich selbst redet. Zweitens ist er das, was man im angloamerikanischen Raum einen "musicians' musician" nennt. Zu Deutsch: Ein Musiker, der von anderen Musikern bewundert und verehrt wird. Pages Spiel beeinflusste Gitarristen wie Stone Gossard (Pearl Jam), Joe Satriani, John Frusciante (Red Hot Chili Peppers), James Hetfield (Metallica), Ritchie Blackmore (Deep Purple, Rainbow) sowie die Bands Kiss, Rush, Guns N'Roses und Alice In Chains, um nur einige zu nennen. Am 9. Januar 2014 wird der britische Saiten-Magier, den der leidenschaftliche Led-Zeppelin-Fan Dave Grohl (Foo Fighters, Nirvana) gerne als "besessenes Genie" bezeichnet, 70 Jahre alt.

Page ist ein Perfektionist

Neben dem besonderen Timing in seinem präsenten Spiel ist er dafür bekannt, dass auch die technische Komponente seines Equipments eine tragende Rolle in seinem Gesamtkonzept als Musiker spielt. Stets ist der leidenschaftliche Studio-Tüftler Page, der alle Led-Zeppelin-Alben produzierte und einen erheblichen Anteil am Songwriting der Band hatte, an die technisch möglichen Grenzen und auf Sound-Forschung gegangen. Immer wieder schaffte er es dabei, sein auf tiefschwarzem Blues basierendes Spiel mit immer neuen Stil- und Klangmitteln zu verfeinern und zu bereichern.

Gelernt war dabei gelernt

Page begann seine künstlerische Laufbahn in den 60er-Jahren so wie viele andere damalige Zeitgenossen, die später zu Weltruhm gelangen sollten: auf der Kunstschule. Im dortigen Umfeld begann er, sich einen Ruf als Session-Gitarrist aufzubauen. Page landete zunächst bei den Yardbirds, bei denen sich damals auch kurzzeitig Eric Clapton, Jeff Beck und Manfred Mann verdingt hatten. Nach dem Ende der Gruppe erwarb sich Page die Nutzungsrechte am Namen und startete mit den New Yardbirds jene Band, die sich 1968 schließlich zu Led Zeppelin umbenennen sollte.

Beitrag zur Legendenbildung

Und nicht nur musikalisch trug Page zu deren Legendenbildung bei: Seine Introvertiertheit und sein gesundes Misstrauen gegenüber der Presse führten auch zu obskuren Andeutungen und Behauptungen der Medien, die durch Pages Schweigen oder unklare Anmerkungen zum Teil noch verstärkt wurden. Gern wird die Geschichte vom diabolischen Page erzählt, der ein Anhänger des Okkultisten Aleister Crowley gewesen sein und in "Stairway To Heaven" satanische Botschaften platziert haben soll. Man müsse nur den Song rückwärts spielen, um die verschlüsselten Botschaften zu hören.

Gerede festigte den Ruf

Solche und ähnliche Behauptungen schadeten der Karriere der Band nicht. Es festigte nur ihren Ruf als legendäre Lebemänner mit Hang zu Backstage-Exzessen, Groupie-Verschleiß und Drogenmissbrauch, der bis heute legendär geblieben ist. Nach dem Tod ihres Schlagzeugers John Bonham durch übermäßigen Alkoholkonsum im September 1980 war das Schicksal der größten Rockband der Welt jedoch besiegelt. Ohne Bonham wollten und konnten Led Zeppelin, die weltweit 300 Millionen Platten verkauften, nicht weitermachen.

Aufhören kein Thema

Für Page kein Grund, seine Karriere an den Nagel zu hängen: Er begann das Archivmaterial der Band zu pflegen, aus dem - quasi posthum - 1982 das letzte Led-Zeppelin-Album "Coda" entstand, ein Sammelsurium unveröffentlichter Songs. Nicht wahllos, aber je nach Lust und Laune stellte er sich zudem in den Dienst von Freunden: Mit Paul Rodgers (Free, Queen), Drummer Chris Slade (AC/DC, Asia) und Session-Bassist Tony Franklin schloss Page sich für drei Jahre zu der eher biederen Mainstream-Rock-Kombo "The Firm" zusammen.

Er spielte mit den Kollegen von Yes, jammte mit Roy Harper, kooperierte mit Whitesnake-Legende David Coverdale (1993) und veröffentlichte gute Solo-Alben ("Outrider", 1988). Er kollaborierte mit Freund und Zeppelin-Sänger Robert Plant auf "No Quarter" (1994), einem kleinen Legenden-Remake in orientalischem Gewand, dem vier Jahre später ein erdiges "Walking Into Clarksdale" mit neuem Material folgte. Kurzum: Während andere Legenden von früherem Ruhm ihrer Bands zehrten, machte Page unbeeindruckt und ohne großes Tamtam einfach weiter.

Konzert zu Ehren von Ahmet Ertegun

Im Dezember 2007 war es dann aber doch soweit: In der O2-Arena zu London traten Led Zeppelin zu Ehren ihres Mentors Ahmet Ertegun, dem Gründer des Atlantic-Labels, wieder live auf. Sie spielten ihr erstes abendfüllendes Konzert nach dem jähen Ende Led Zeppelins 37 Jahre zuvor - die kurzen Pflichtübungen für den guten Zweck (Live Aid 1985, 40 Jahre Atlantic Records 1988 und Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame 1995) mal außen vorgelassen. Wie immer an den Drums: John Bonhams Sohn Jason. Der Auftritt in London geriet zu einem makellosen Triumph, der jedoch nicht zu der viel erhofften Weiterführung der legendären Hardrock-Band führte. Led Zeppelin bleiben Geschichte und werden, wenn überhaupt, nur noch für Einzel-Gigs zu Verfügung stehen.

Projektarbeit

Derzeit arbeitet Jimmy Page, der fünf Kinder von drei verschiedenen Frauen hat und geschieden ist, an einem neuen Projekt, bei dem er neues Material mit diversen, wahrscheinlich nicht minder berühmten Kollegen präsentieren wird. In welcher Form und wann das sein wird - darüber hüllt sich der Meister, wie von ihm gewohnt, in Schweigen. Trotz alldem wird 2014 wohl wieder ein wichtiges Jahr für Led Zeppelin werden. Jimmy Page hat vor Kurzem das Remastering aller Studio-Alben von den Original-Analog-Quellen abgeschlossen und begleitend verraten, dass bisher unveröffentlichte Demo-Aufnahmen und neu entdecktes Archivmaterial als Boni zu jedem Album gereicht werden. Ein Fest für alle Fans - und ein Umstand, der gar nicht besser zur Würdigung von Jimmy Pages 70. Geburtstag beitragen könnte.

teleschau | der mediendienst



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn