Olly Murs: Ehrgeiziges Schlitzohr

Mon, 11 Mar 2013 14:22:00 GMT von

Joe McWer? Vor gut drei Jahren musste sich Olly Murs im Finale der Talentshow "The X Factor" noch Joe McElderry geschlagen geben.

Mittlerweile hat der 28-Jährige seinen Konkurrenten weit hinter sich gelassen: Während McElderrys Alben in den Charts immer weiter abrutschen, erreichte Murs mit seinen letzten beiden Veröffentlichungen in der britischen Heimat jeweils die Spitze. Aufs europäische Festland wagte er sich schon letztes Jahr mit der Single "My Heart Skips A Beat", aktuell frisst sich hierzulande sein "Troublemaker" übers Radio in jeden Gehörgang. Das Geheimnis seines Erfolges sind aber nicht unbedingt musikalische Geniestreiche. Stattdessen besticht das Schlitzohr Murs mit charmantem Frechdachslächeln Mütter und Töchter gleichermaßen. "Meine Musik ist genau so, wie ich auch selbst bin - 'easygoing'. Ich will nur eine gute Zeit haben, und ich nehme mich selbst nicht allzu wichtig", sagt der Sänger selbst dazu - und schwindelt dabei vielleicht ein kleines bisschen.

Nicht genug Anerkennung?

Die fröhliche Fassade verrutschte vor ein paar Monaten gegenüber der britischen "Daily Mail": "Wenn ich ehrlich sein soll, bekomme ich nicht die Anerkennung oder das Lob oder den Respekt, den ich eigentlich verdiene", beklagte Murs da. "Es gibt nur wenige männliche Künstler in diesem Land, die in den letzten zwei oder drei Jahren genauso erfolgreich waren, und trotzdem bekommen die anderen all die Preise und das Lob. Ich bekomme nur das Etikett 'Er war bei X Factor', was ziemlich traurig ist."

Hart erkämpfter Erfolg

Der Frust ist verständlich, denn auch der "X Factor"-Erfolg war hart erkämpft: Bevor er sich 2009 ins Finale sang, war er schon zweimal bereits in der Vorrunde aus der Show geflogen. Doch Murs biss die Zähne zusammen und wagte den dritten Anlauf. Der brachte ihm zwar nicht den Sieg ein, dafür aber einen einflussreichen Freund: In der letzten Show wurde er von seinem großen Idol Robbie Williams mit einem gemeinsamen Gesangsauftritt unterstützt. Inzwischen sind die beiden gute Bekannte, Murs modelte für Williams' Modelinie "Farrell", im Sommer darf er ihn auf seiner Stadiontour begleiten. "Das wird riesig!", freute sich Murs gegenüber dem Radiosender 1Live. "Ich hoffe, dass wir viel Zeit miteinander verbringen werden."

Fußball, Entertainment und Charm

Die beiden teilen nicht nur eine große Liebe zum Fußball - Murs war bis zu einer Verletzung sogar mal auf dem Weg zum Profispieler -, sondern auch ihre Qualitäten als Entertainer und Charmebolzen. Zwischen den beiden lassen sich aber noch weitere Parallelen ziehen, und das tut das "Castingopfer" Murs auch gerne: "Er wurde aufgrund seiner Boyband-Vorgeschichte zunächst nicht allzu ernst als Sänger genommen", sagt er über den Älteren, aber: "Robbie hat immer für seine Karriere gekämpft, und ich tue es genauso. Er hat gewonnen und ich hoffe, das werde ich auch schaffen."

Nicht unerkannt auf die Straße

Der Anfang ist jedenfalls gemacht: In England kann Murs kaum noch auf die Straße gehen, ohne erkannt zu werden. "Ich liebe die Aufmerksamkeit!", gibt er unumwunden zu. "Ich wollte schon immer Sänger sein, ich wollte schon immer berühmt sein. Es war also eigentlich kein Schock für mich. Es war vielmehr eine Bestimmung, die sich endlich erfüllte. Wenn die Leute aufhören, mich zu erkennen, weiß ich, dass es das wohl für mich war."

Wie ein Workaholic

Ein Ende, das der Sänger so lange wie nur möglich hinauszögern will. Teilweise wirkt er fast wie ein Getriebener: 2011 nahm er ein Engagement als Moderator beim "X Factor"-Spinoff "The Xtra Factor" an, um sich ein zweites Standbein zu schaffen, falls die Musikkarriere doch noch scheitern sollte. Dann aber packte ihn die Angst, seine Musikkarriere werde gerade deshalb scheitern, weil das Publikum ihn nur als Fernsehnase ansehen könnte. Der Druck führte, wie man in seiner kürzlich etwas verfrüht erschienenen Autobiografie nachlesen konnte, zu Depressionen. Auch das, nebenbei, ein Kapitel, zu dem ihm Kumpel Robbie Williams sicher den einen oder anderen Tipp geben kann. Eine weitere Schattenseite des Erfolgs: Von seinem Zwillingsbruder Ben hat Olly Murs sich entfremdet, seit er wegen des "X Factor"-Halbfinales nicht zu dessen Hochzeit kam. "Ich habe seit drei Jahren nicht mehr mit ihm gesprochen", gab er gegenüber der "Daily Mail" zu.

Single-Dasein auf dem Bauernhof

Immerhin unterstützt der Rest der Familie seine Karriere voll und ganz: Bis zum letzten Jahr wohnte er, wenn er zwischen Aufnahmen, Tour und Promo-Auftritten überhaupt mal nach Hause kam, noch bei seinen Eltern. Inzwischen hat er sich an das Single-Leben in einem renovierten Bauernhaus gewöhnt - auch wenn es einige Übergangsschwierigkeiten gab, wie er der "Daily Mail" mit einem Augenzwinkern verriet: "Meine Mutter sagt mir immer wieder, ich muss endlich erwachsen werden - nicht physisch, das habe ich hingekriegt - sondern in meiner Einstellung", erklärte er, nur scheinbar schwer getroffen. "Also habe ich beschlossen, ihr nicht mehr meine Wäsche zu bringen." Ein Pop-Millionär, der offen zugibt, am liebsten noch bei Mami waschen zu lassen? Vielleicht, ganz vielleicht, nimmt Murs sich ja doch nicht immer ganz so ernst.

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