Welle der Solidarität für Pussy Riot

Fri, 10 Aug 2012 06:22:00 GMT von

Die russische Punkrock-Band Pussy Riot sind nach Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin und an der russisch-orthodoxen Kirche in Haft genommen worden. Nun soll ihnen der Prozess gemacht werden. Künstler wie die Red Hot Chili Peppers und Madonna zeigen sich mit der feministischen Gruppe solidarisch.

Pussy Riot

Pussy Riot sind knapp zehn russische, feministische Frauen, die Punkrock-Musik machen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Russland hatte die Gruppe zahlreiche öffentliche Auftritte, bei denen sie u.a. harsche Kritik an Waldimir Putin äußerten. Bei ihren Auftritten tragen sie stets Mützen oder Sturmmasken um ihre Gesichter zu verdecken. Weltweites Aufsehen bekamen sie, als sie verbotener Weise ein Punk-Gebet vor dem Altar des zentralen Gotteshauses der russisch-orthodoxen Kirche sangen. Angeblich hätten sie die Jungfrau Maria angefleht Wladimir Putin aus dem Weg zu räumen. Die Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche bekamen auch ihr Fett weg. Als Scheiße Gottes sollen die Damen von Pussy Riot diese bezeichnet haben. Die Folge dieser Protestaktion war die Inhaftierung dreier Frauen aus der Band. Diese befinden sich seit Monaten in Untersuchungshaft.

 

Anklage

Die Kirche reagierte empfindlich auf den Vorfall und goß einen Schwall aus rechtschaffender Empörung über der Band aus. Sie seinen Vandalen und hätten sich der Blasphemie schuldig gemacht. Gleichzeitig sprachen sich mehr als 2000 Gläubige gegen die Bestrafung der Frauen aus. Im Juli diesen Jahres wurde offiziell Anklage erhoben. Wegen Rowdytums drohen den Damen bis zu sieben Jahre Haft.

 

Solidarität

Die ungebührliche Härte des russischen Staats in dieser Sache ruft viele Unterstützer von Pussy Riot auf den Plan. Amnesty International kritisierte die Festnahme und den Umgang mit den Band-Mitgliedern und forderte die sofortige Freilassung. Die drei Frauen wurden mittlerweile als politische Gefangene anerkannt. Aus Sicht des Strafrechts sind dies Personen, die nur aufgrund politischer und weltanschaulicher Gründe verhaftet werden und nicht weil sie eine Straftat begangen haben. Die russischen Behörden wollen anscheinend ein Exempel statuieren. Der politische Protest von Pussy Riot würde angeblich die geistliche Grundlage des russischen Staates bedrohen. Es finden sich nun immer mehr Künstler, die die Band unterstützen und für ihre Freilassung sorgen wollen.

 

Red Hot Chili Peppers

Oft haben die Aussagen von Künstlern durch ihre Prominenz eine viel stärkere Aussagekraft. Es "zählt" einfach mehr was sie sagen, bzw. es findet mehr Beachtung. Diesen Fakt wollten sich jetzt z.B. die Red Hot Chili Peppers ("Scar Tissue") zu Nutze machen. Frontmann Anthony Kiedis hat bei einem Konzert in Moskau seine Solidarität mit seinen Kolleginnen von Pussy Riot demonstriert. Er trug ein T-Shirt mit dem Namen der Band. Außerdem sollen er und seine Bandkollegen einen Brief an die drei Frauen geschrieben haben, indem sie ihre Hilfe und Unterstützung versichern. Auch andere Künstler folgen diesem Beispiel. Madonna ("Frozen"), mit Sturmhaube auf dem Kopf und Pussy Riot-Schriftzug auf dem Rücken, forderte auf einem Konzert, die Freilassung der drei Pussy-Riot-Damen. Daraufhin wurde sie vom russischen Vize-Premierminister Rogosin per Twitter als Hure beleidigt.

 

Urteilverkündung

Am 17. August soll der Urteilsspruch erfolgen. Auch wenn Ihnen mehrere Jahre Haft drohen, wollen die drei mutigen Musikerinnen nicht klein beigeben. Sie machten ihrem Ärger über die stalinistischen Methoden des Staates ordentlich Luft. Stalin war ein russischer Diktator, der sich während seiner Herrschaft durch brutale Härte gegen seine politischen Gegner ausgezeichnet hat. Diese wurden entweder gleich getötet oder nach politischen Schauprozessen in Arbeitslager gesteckt. Sängerin Nadescha Tolokonnikowa (Pussy Riot) sagte, dass dieser Prozess eine politische Unterdrückungsanordnung sei. Das Verfahren gegen die Musikerinnen wird von der deutschen Politik sehr genau beobachtet. Mit Sorge würde hierzulande festgestellt, dass die Entfaltungsmöglichkeiten der russischen Zivilbevölkerung in jüngster Zeit eingeschränkt werde, ließ der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter verlauten.

 

Wladimir Putin

So ziemlich jeder hat schon seine Meinung zu dem Prozess und den Taten von Pussy Riot geäußert. Jeder, außer dem Mann, um den es ging. Nun hat sich auch Staatschef Wladimir Putin am Rande der Olympischen Spiele zu Wort gemeldet. Er sagte, dass die Strafe gegen die drei jungen Frauen nicht zu hart ausfallen sollten. Was immer das auch heißen soll. Endgültig werden wir erst in knapp einer Woche Bescheid wissen.



1 Kommentare

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10. August, 09:51 Uhr
von Gaby

Wenn ein Staat es nötig hat, so auf Kritik von jungen KünstlerInnen zu reagieren, zeigt er nur, wie wenig Selbstbewußtsein und wieviel Angst die Machthabenden haben.... armselig...ich hoffe, es geht gut aus, für die Mädels....und jeder der weiß, was das Wort Zivilcourage bedeutet, sollte sich für die jungen Frauen stark machen und den Verantwortlichen mit Verachtung begegnen,die sich genötigt sehen eine Bagatelle mit Arbeitslager bestrafen zu wollen...