Echoverleihung ist schon wieder Geschichte

Fri, 23 Mar 2012 09:19:00 GMT von

Am Donnerstagabend fand in Berlin die diesjährige Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises statt. Die Moderation hatte das Blondinenduo Barbara Schöneberger und Ina Müller unter sich aufgeteilt. Beinahe 30 verschiedene Kategorien wurden mit einem Echo geehrt.

Die Veranstalter hatten keine Kosten und Mühen gescheut, die 21. Verleihung des Echos mit reichlich Tam Tam auszustatten. Obgleich es eine vielversprechende Mischung aus nationalen und internationalen Berühmtheiten auf die Nominierungslisten und ins Set-Up für den Showteil geschafft hatte, machte sich ein wohliges Gefühl der Erleicherung breit, als dann endlich die letzte Trophäe einen Besitzer gefunden hatte. Nach ungefähr 160 Minuten vor der Glotze ist auch der letzte Zuschauer erschöpft von soviel Gedudel. Die zwei Moderateusen konnten den Abend auch nicht wirklich retten mit ihren so brav einstudierten Gags. Die Liste der Nominerten las sich vorab interessanter, als die komplette Veranstaltung es war. Am lustigsten war vielleicht noch gleich zu Beginn der Übertragung, der Kurzauftritt von Udo Lindenberg. Dieser erhielt gleich zwei Preise und das auch verdientermaßen. Den einen bekam er als Künstler Rock/Pop National und den anderen in der Kategorie Musik-DVD-Produktion National. Udo bedankte und verabschiedete sich in seiner gewohnt lockeren nuschelnden Art, vielleicht mit ein paar Worten zuviel, trotzdem betonte der Star, wie wenig Zeit er jetzt hätte, da er ja nun noch ein Konzert in der O2 Arena geben müsse. Als Zuschauer wünschte man ihm innerlich schon gutes Gelingen und durfte sich direkt im Anschluss wundern, dass Udo plötzlich nochmals die Bühne betrat und seinen Song "Reeperbahn" mit Jan Delay zu Besten gab. Hatte er das in seiner "keine Panik" Verfassung gerade selber nicht mehr auf dem Zettel gehabt? Ist vielleicht nicht so wichtig, denn die Performance stimmte und die Poledancerin machte ihre Sache auch sehr gut. Der Auftritt dieser beiden Künstler war im Großen und Ganzen nachträglich bewertet, beinahe der Höhepunkt des Abends. Weitere erwähnenswerte Momente waren dann noch der gemeinsame Auftritt von Aura Dione, Caro Emerald, Ivy Quainoo und Ina Müller, die zusammen Dionne Bromfield, deren verstorbener Patentante Amy Winehouse gedachten und den Song "Valerie" sangen. Nicht zu vergessen das Licht- und Soundspektakel, dass die medial angeheizte Show der Gruppe Rammstein mit dem US-Rocker Marylin Manson zu bieten hatte. Das war harte Kost für die bis dahin schon angegriffenen Augen des geneigten Fernsehzuschauers. Jede Menge grelle Scheinwerfer pushten dieses Spektakel, das irgendwie doch etwas uninspiriert rüberkam. Das, nennen wir es mal Duo, sang den Song "The beautyful people". Genauer gesagt Marylin Manson sang und Rammstein spielte die Musik. Der, in der deutschen Rockgruppe sonst den Gesangspart ausübende Till Lindemann, war an diesem Abend nirgends zu sichten. Manson wirkte irgendwie doch eher wie ein Huhn das aufgeregt hin und her flattert, weil ein Fuchs in den Stall eingebrochen ist. Beindruckend war in einem späteren Teil der Verleihung allerdings, mit welch geschliffener Sprache ein Campino die Laudatio für Wolfgang Niedecken gehalten hat. Wer die Toten Hosen kennt und mag, würde möglicherweise einen lockereren Ton erwarten. Doch, warum nicht, denn Andreas Frege, wie der Sänger mit bürgerlichem Namen heißt, wird selber in diesem Jahr bereits fünfzig. Der für sein Lebenswerk geehrte Bap Frontmann Niedecken war sichtlich gerührt über die sensibel zusammen gestellte Rede seines Freundes Campino. Darin wurde auch nochmals erinnert, dass der Kölsche Musiker im vergangenen Jahr mit einem Schlaganfall, ein schweres Los gezogen hatte. Mittlerweile hat er sich davon allerdings bestens erholt und will nochmal neu durchstarten. Die sonstigen Show-Acts waren solide abgespulte Darbietungen, aber nicht weiter erwähnenswert. Der Zuschauer hat nun wieder ein Jahr Ruhe vor diesem Show-Theater, der Musikindustrie und darf sich am bevorstehenden Wochenende von einem ermüdenden Fernsehabend erholen, vielleicht bei Live-Musik im Biergarten.
 



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