Tourabschluss - ein bittersüßes Feuerwerk

Thu, 07 Apr 2016 12:14:00 GMT von

Wer sich auf diesen Abend wohl mehr gefreut hat? JORIS und seine Band, oder die aus allen Himmelsrichtungen angereisten Fans. Das Bremer Aladin im Stadtteil Hemelingen war brechend voll und platzte fast vor guter Laune.

Schon auf dem Weg zum Veranstaltungsort war klar, dass man besser nicht unter Berührungsängsten leiden sollte, wenn man diesen Abend genießen wollte. Die umliegenden Straßenzüge waren lange vor Konzertbeginn vollgeparkt und weitere Autos suchten einen Platz. Nicht nur meine Wenigkeit musste sich trotz des nassen Wetters auf einen Fußmarsch einstellen. Doch was nimmt nicht alles in Kauf um den, am heutigen Donnerstagabend eventuell mit drei ECHOS geschmückten JORIS schnell noch hautnah miterlebt zu haben.

Für Buten- und Binnenbremer schwang sicher auch eine Portion Lokalpatriotismus mit - denn der Twentysomething Sänger stammt immerhin aus Stuhr. Ein Heimspiel, ein Fest für die Sinne stand in Aussicht.

Mädelsabend

Nachdem das Aladin erreicht und die Zugangsmodalitäten inklusive Fotopass geklärt waren, ging es hinein in den, unter Kennern liebevoll "Dröhn" genannten Club. Wohin das Auge blickte, sah es fast nur weibliche Fans. Es gab ein paar Väter, die ihre minderjährigen Töchter eskortierten, einige Männer, die ihrer Frau einen Gefallen tun wollten und wenige jüngere Kerle mit ihren offensichtlich ziemlich in den Sänger verknallten Freundinnen. Selber weiblich und zur Zielgruppe passend, musste ich trotzdem schmunzeln.

Vor allem über die Leidensbereitschaft einiger weniger Herren, denen deutlich ins Gesicht geschrieben stand, was sie fühlten. Vielleicht warteten sie einfach hoffnungslos hoffnungsvoll, auf das, was ihnen als Wiedergutmachung winken könnte. Der Damenwelt jedenfalls hat gefallen, was sich am 06. April beim Tourabschluss abspielte.

Das Beste

Recht pünktlich um 20:00 Uhr betrat der Supportact Matteo Capreoli die Bühne. Das Security-Personal hatte die anwesenden Fotografen vorab instruiert, wann und wie lange der Graben zum Fotografieren betreten werden durfte. Für die Vorband hieß das zwei Stücke, bei JORIS sollten es zweieinhalb sein. Mein Gedanke: "Öfter mal was Neues", denn für gewöhnlich dürfen Fotografen während der ersten drei Songs ihrer Tätigkeit nachgehen. Mir persönlich war es Recht, da ich ja nicht nur knipse, sondern auch notiere und nicht beides gleichzeitig kann. So musste ich mir weniger merken und Bildmaterial kam trotzdem zusammen.

Matteo war in Begleitung seines Schlagzeugers Benny Glass angereist. Eigentlich gehört noch Bassist Dominik Krämer zur Band, doch auch ohne ihn wurde dem Publikum ein satter Sound geboten.

In Hamburg Zuhause

Der gebürtige Stuttgarter mit aktuellem Wohnsitz in Hamburg verwöhnte unser aller Ohren mit einem sehr gut zusammengestellten Potpourri seiner Fähigkeiten. Matteo ist Musiker durch und durch, sehr talentiert und lebt in seinen Liedern. Ganze sechs davon stellte er uns vor. Eine Handvoll, nämlich "Neuer Tag", "Frag mich", "Heute nur bis Morgen", "L.A." und "Das Beste" entstammten dem aktuellen Album "Zuhause". Das vierte Lied des Abends sei, so erklärte der Sänger, erst am Vortag im Studio fertig geworden. Leider war, trotz Nennung, der Titel nicht zu verstehen. Es kam im Refrain immer die Zeile "Grün, gelb, rot oder blau" vor und es klang hübsch und virtuos wie alles was im Angebot war.

Auffiel zudem ab der ersten Note, dass von den Mädchen in der ersten Reihe und auch im Club verteilt, so manche textsicher war. Matteo Capreoli ist nicht nur Multiinstrumentalist, sondern auch guter Entertainer und rief zum Mitmachen auf. Für eine Vorband war der Auftritt beeindruckend und das Aladin glich damit fast einem Hexenkessel. 

Am Anfang lag noch Schnee

Die Umbauphase nahm einige Zeit in Anspruch, während derer schon die ersten Mädchen durch Sanitätspersonal an die frische Luft eskortiert wurden. Wie erwähnt, was es sehr voll, aber auch ziemlich warm. Wenn Teenager dann noch auf Trinken verzichten, weil sie einen Toilettengang vermeiden möchten, infolgedessen sie den Platz vor der Bühne nicht wieder erreichen würden, kommt es rasch zum Desaster. Die Ersthelfer sollten im Verlauf des weiteren Abends noch alle Hände voll zu tun bekommen. Ich stand während des Konzerts am Notausgang und bekam die Einzelheiten alle mit. Später ging man dazu über Becher mit Mineralwasser an die Mädchen zu verteilen.

Nachdem die Crew die Instrumente der Vorband ab- und die des Hauptacts aufgebaut hatte, konnte es losgehen. Der Erste Song "Schnee" wurde vom Gitarristen der Band (Wolfgang Morenz) am Klavier eingeleitet. Beinahe völlig unbeleuchtet, versenkte er sich in sein Spiel, bevor unter großem Gejohle JORIS selbst die Bühne betrat. Die Temperatur war ab diesem Moment im Bereich eines Hochofens. Es wurde wirklich jeder Song mitgesungen, geschrieen und getanzt. Erwähnte Ohnmachtsanfälle kamen also nicht von Ungefähr.

Neustart

JORIS freute sich selbst wie ein Kind über den frenetischen Empfang und versprach, er und seine Jungs würden diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Es muss wohl nicht gesagt werden, dass der überwiegende Teil der Songs vom aktuellen Debüt "Hoffnungslos Hoffnungsvoll" stammten. Vom Album-Opener "Neustart" über "Bittersüß", "Feuerwerk" und "Hollywood", waren alle Ohrwürmer der Platte vertreten. Besonders gefeiert wurden aber "Herz über Kopf", das erst als Zugabe erklang und natürlich die aktuelle Singleauskopplung "Sommerregen".

Special Effects

Es gab Geschichten, Anekdoten und, man staune bei diesem jungen Künstler, Lebensweisheiten. Andererseits basieren JORIS’ Texte vielfach auf tiefschürfendem Gedankengut. Oberflächlich ist JORIS sicher nicht, schon weil er nicht müde wurde, seine Freude über den stattfindenden Abend zu bekunden. Es sei ihm einfach viel wichtiger, mit Fans und Freunden das Konzert in vollen Zügen zu genießen. Die eventuellen ECHOS, die man ihm und der Band heute in Berlin überreichen würde, wären schon ganz nett, aber nicht wirklich wichtig für ihn. Und wenn man den gestrigen Abend miterleben durfte, besteht an dieser Aussage kein Zweifel.

Mit großer Ausgelassenheit und Enthusiasmus performten sämtliche Musiker die Stücke der Tour. Es wurde gejammt, mit dem Publikum gespielt und gescherzt. Darüber hinaus hatten sich Wolle, Constantin, Tobias und Bino gemeinsam mit JORIS einige Überraschungen, sogenannte Special-Effects überlegt. Zum Song "Hollywood" wurde die Bühne abgedunkelt und eine extra von Innen beleuchtbare Trommel auf der Bühne platziert. Drumherum gruppierten sich die Bandmitglieder und lieferten dadurch den Beat. Es hatte etwas von sich ums Lagerfeuer versammelten Männern. Neben der Trommel stand ein Koffer, aus dem sich im weiteren Verlauf mit Helium gefüllte Luftballons in Herzform erhoben. Die Mädchen im Publikum hatten feuchte Augen vor Romantik.

Geschenke

Immer wieder gut kommen auch zuvor getragene Kleidungsstücke, Drumsticks oder Plektren, die den Weg in die Menge finden. So ähnlich war es auch gestern: Vor "Sommerregen" streifte JORIS sich ein weißes Frottee-Stirnband über, das nach dem Song in die vorderen Reihen flog. Selbiges wiederholte sich später mit Luftballons, die die Jungs zuvor "ausgesaugt" hatten, um mit Mickey-Mouse-Stimme ein Geburtstagsständchen anzustimmen. Als leere Gummiteile wurde sie zum heißbegehrten Objekt bei den Teenagern an der Front. 

Beste Party der Stadt

Als Fazit muss man sagen, wurde am 06. April ein wahres Feuerwerk der guten Laune abgefackelt. Alle hatten ihren Spaß, bis auf die fleißigen Heinzelmännchen, die für den reibungslosen Ablauf des Abends sorgen mussten und einige der weiter oben erwähnten männlichen Zuhörer. JORIS ist ein fantastischer Sänger mit interessanter und vielfältiger Stimme, der sich durchaus bewusst ist, welchen Anteil am Erfolg die zur Band gehörenden Musiker haben. Er lobte sie ausgiebig, bedankte sich und ließ jedem Einzelnen Freiraum zur Entfaltung.

Besonders schön auch das Solo von Bino Engelmann am Schlagzeug in "Bis ans Ende der Welt". Genau dahin und wieder zurück durften wir alle mit Joris einmal reisen und seinen Rat beherzigen: "Wenns am schönsten ist, und du nichts mehr vermisst, dann mach die Augen auf!" Anders wären wir auch schlecht nach Hause gekommen. Bleibt nur JORIS die Daumen für einen oder mehrere ECHOS zu drücken - verdient hat er es. Hier kommt ihr direkt zur Fotostrecke.



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