Manchmal grell und zukünftig high

Tue, 22 Dec 2015 13:40:00 GMT von

Die Killerpilze? Die gibt es noch? Ja, verdammt! Und wie es sie noch gibt! Den Beweis trat das Trio vergangenen Samstag in der Münchener Backstage Halle an. Zuvor gewährte die Band unserem Konzertscout Jasmin Roder ein Interview.

Wer regelmäßig auf unserer Seite nach News aus der Musikwelt stöbert, kennt sie vielleicht schon. Unser Konzertscout hat Spaß daran Livemusik zu erleben und sofern sie dafür eine Erlaubnis seitens des jeweiligen Managements bekommt, stellt Jasmin dem/den Künstler/n gerne ein paar Fragen. Als die Killerpilze letztes Wochenende einen Auftritt in München ankündigten, bot sich erneut die Gelegenheit diesem Hobby nachzugehen. Was ihr die Band an dem Abend anvertraute, berichtet Jasmin ab hier selbst. 

Killerpilze im Gespräch...

Das nächste Album "High", welches am 18.03.2016 erscheint, steht in den Startlöchern. Auf ihrem Jahresabschlusskonzert in München am 19.12. nahmen sich Jo und Mäx von den Killerpilzen die Zeit für ein Gespräch. Währenddessen merkt man schon, wie lange die Jungs sich kennen. Wie ein altes Ehepaar beenden sie teilweise die Sätze des anderen: 

Auf euer neues Album "High" muss man ja jetzt doch ein wenig länger warten als erwartet. Ursprünglich sollte es doch schon 2014/2015 rauskommen? Weshalb die Verzögerung?

Mäx: Qualität!

Jo: Qualität geht vor. Es kommt echt dadurch, dass wir uns während des Album-Prozesses entschlossen haben, einfach nochmal einen neuen Weg zu gehen. Mit einem anderen Produzenten bzw. überhaupt mit einem Produzenten zu arbeiten und dann hat sich alles einfach ein bisschen gezogen. Es war aber für uns als Band eine sehr gute und wichtige Phase, weil wir uns auch das erste Mal tatsächlich eine Live-Pause verordnet haben, um uns wirklich mal nur auf das Album zu konzentrieren. Klar, es war hart für uns, jetzt ein Jahr nicht zu spielen und natürlich auch irgendwie die Fans vertrösten zu müssen, aber zum Glück war es so, dass wir wussten wir können dann auch Qualität bieten. Die geht nun mal vor. 

Mäx: Vor allem hatten wir auch mal Zeit wirklich richtig viele Songs für ein Album zu schreiben. Über 70 Songs haben wir geschrieben und sehr viele auch schon vorproduziert. Geschaut, welche Sound-Philosophie wollen wir für das Album machen? Was für eine Vision haben wir? Dafür braucht man einfach Zeit! Um klar zu sehen, in welche Richtung es gehen wird. Die haben wir uns dieses Mal genommen, was uns auch mal wirklich gut getan hat. Seit der Label-Gründung haben wir eigentlich jedes Jahr ein Album raus gebracht und ca. 70 Shows im Jahr gespielt. Jetzt war es einfach mal an der Zeit zu sagen: "Ok, das brauch jetzt mal ein bisschen Zeit!"

Das Thema hängt euch wahrscheinlich schon zum Hals raus. Aber die Finanzierungssache des neuen Albums, durch Crowdfunding, ist ja doch etwas Besonderes. Wie viel Geld wolltet ihr eigentlich einnehmen und wie viel wurde es im Endeffekt? 

Jo: Wir wollten eigentlich 55.000 € sammeln und sind dann glücklicherweise bei 75.000 € gelandet. Durch den Support unserer Fans! Das war schon der Wahnsinn, weil wir natürlich zwischenzeitlich auch gebangt haben, ob wir es überhaupt schaffen können. Wir als Band haben schon daran geglaubt, aber man stockt natürlich trotzdem, wenn man bei 18.000 € stehen bleibt, denn das sind eben immer noch nicht 55.000 €. Gerade als das Ziel erreicht war, ging es dann nochmal richtig nach oben. Der Wahnsinn. Für uns ist es ein schöner Beweis, zu sehen was für einen Rückhalt wir von den Fans haben. Es hat uns auch darin bekräftigt zu sagen: "Komm, wir nehmen uns jetzt die Zeit." Wir sind natürlich stolz, mit zu den ersten in Deutschland zu gehören, die das überhaupt gemacht haben: Crowdfunding! Gab es in der Form und in der Größe vor allem im Musikbereich ja eigentlich noch nicht. "No risk no fun!" Wir haben zum Glück viel "fun" dabei gehabt!

Unterstützt ihr dann auch selber Crowdfunding Projekte?

Jo: Ja, klar. Zum Beispiel eine befreundete Band von uns…

Mäx: …oder eine Fernsehproduktion aus Berlin.

Jo: Eine DVD übers Atomic Café in München.

Mäx: Ich finde die Möglichkeit toll, weil man irgendwie ein bisschen mit in die Verantwortung oder in die Pflicht genommen wird, wenn man auf etwas steht. Da kann man sein Interesse zeigen und das Projekt auch gleich supporten.

Musstet ihr das eingenommene Geld dann noch versteuern?

Mäx: Natürlich.

Jo: Musste alles versteuert werden. Es kommen auch immer - das haben wir aus der ganzen Geschichte gelernt - Kosten dazu, die man gar nicht wirklich einkalkulieren kann. Obwohl wir dachten, eine sehr umfangreiche Kalkulation gemacht zu haben. Aber es gibt immer ein Paar Posten - jetzt mal unabhängig von den Steuern - die sich in so einem Album-Prozess dann entwickeln. Zumal wir ja auch eine EP veröffentlicht haben, als Geschenk an die Fans, die wir dann auch promotet haben. Videos wurden dazu gedreht, das hat natürlich auch alles Geld gekostet. Also es ist jetzt nicht so, dass wir auf den Cent genau 75.000 € für das Album ausgegeben haben. Es ist ja ein viel umfassenderes Projekt: Videos, Promotion, Fahrtkosten, da fließt unglaublich viel mit rein.

Ich habe im Internet einen schönen Album-Trailer für "High" entdeckt. Wer hat solche Ideen bei euch? In diesem Zusammenhang habe ich den Namen David Schlichter gelesen, der das Video und viele mehr gemacht hat.

Jo: Trailer sind ja mittlerweile etwas Unumgängliches. Wir wollten wie immer einfach einen kleinen Teaser für das Album haben, bevor dann die wirklichen Videos und die wirklichen Singles kommen. Und gerade für den Tour-Vorverkauf passt es natürlich immer gut. Auch für uns ist es ganz wichtig, um auszuloten wie die Richtung bei den Fans ankommt. Natürlich auch um ein bisschen Spannung zu erzeugen.  

Mäx: Es macht uns selber immer mega Spaß das anzugucken, weil es so ein besonderes Feeling erzeugt. Da kehren dann natürlich die Erinnerungen zurück.

Jo: Die Leute können vorab sehen was sie live bei uns zu erwarten haben.

Dann hab ich dabei natürlich noch das Video zu "H.E.A.R.T" entdeckt. Jo, Rauchst du wirklich oder war das nur für das Video?

Jo: Jaja, schon. 

Sieht so gekonnt aus.

Jo: Ja, rauche professionell seit ca. 13 Jahren. (grinst) 

Mäx: (lacht)

Stimmlich merkst du das nicht?

Jo: Nee, eigentlich gar nicht. Ich rede da jetzt für mich, aber ich glaube, dass es ein Märchen ist, dass Rauchen die Stimme schädigt. Es ist sicher nicht das Gesündeste, ganz klar, aber es gibt auch andere großartige Sänger wie Frank Sinatra, die Raucher waren. Singen ist vielmehr Technik. 

Kann man sich in dem Stil von "H.E.A.R.T" auch die anderen Songs beim neuen Album vorstellen?

Jo: Nein. Fassettenreich. 

Mäx: Es wird auf jeden Fall noch einiges kommen. Eine spannende Reise. Wir haben viel ausprobiert: Soundmäßig. Wird sich von "Grell" (2013) abheben. 

Jo: Es ist auf jeden Fall ein Pop Album. Wir sind eine Band, die sich von Mal zu Mal weiterentwickelt. Der Song "H.E.A.R.T" ist ein schönes Verbindungsglied zum letzten Album. Irgendwie ein stimmungsvoller erster Track.

Eure Musik ist ja, meiner Meinung nach, auch mit euch gewachsen. Eure Fans natürlich auch. Was ist das für ein Gefühl, eventuell bei einem Gig in das gleiche Gesicht zu schauen. Jetzt 20 Jahre. Damals 10?

Mäx: Ist natürlich krass, wenn es solch eine Bindung gibt. Sie sind den Weg mit uns gegangen ist. Es ist toll, was für ein Support da ist, dass die Fans so viel mit einem verbinden. Es gibt Fans, die sich Textzeilen tätowieren. Auch dass sie, wie zu diesem Konzert in München, teilweise aus Frankreich kommen. Vorhin hat uns ein Fan aus Japan besucht. Sie ist extra hergeflogen. Wahnsinn, was da für ein Rückhalt ist.

Ihr habt ja alle neben der Musik noch ein zweites Standbein. Was genau macht ihr? Mäx, du hast ja glaube ich Gitarre studiert, richtig?

Mäx: Genau, in Krumbach. Letztes Jahr habe ich dann ein Musikinstitut gegründet. Wir sind ein richtig großes, junges Team.

Aber du bist quasi der Chef?

Mäx: Genau! (lacht)

Frage an Jo: Du hast Kommunikationswissenschaften studiert?

Jo: Exakt. Bin inzwischen fertig und als Radiomoderator bei Südpolradio tätig. Ist ein Internetradio, wo ich meine eigene Radioshow habe. SUPERSONIC. Wirklich die Beste Radioshow der Galaxie. Sollte man unbedingt mal reinhören. Immer donnerstags  15 - 16 Uhr. Ich mache auch noch andere Dinge, aber die Priorität liegt ganz klar bei der Musik. Wir haben dieses Jahr mehr Arbeit denn je in die Band investiert. Manchmal fragt man sich, ob  unser Tag mehr als 24 Stunden hat, da wir die anderen Sachen alle irgendwie nebenbei so reinbauen. Klar ist, dass wir jetzt gerade mit dem neuen Album, der bevorstehenden Tour, den Fokus ganz klar auf die Musik legen. Die anderen Dinge sind wichtig, um teilweise den Kopf frei zu kriegen oder sich noch mehr Arbeit aufzuhalsen (lacht). Aber es macht alles Spaß. Ich glaube ich kann da für jeden von uns sprechen. Fabi macht ja noch Filme nebenbei. Er ist mit seinem Studium nächstes Jahr fertig. 

Wer braucht am längsten im Bad?

Jo: Wir brauchen alle drei recht lang.

Mäx: Mittlerweile schon, ja. Ich glaube früher hätten wir Jo gesagt.

Jo: Nee, ich brauche echt nicht lang. 10 Minuten mit Zähne putzen.

Mäx: Ok, dann brauch ich doch länger.

Und mit Duschen dann eine Stunde? (lacht)

Jo: Duschen? Ich bade nur noch in Milch! (grinst)

Wir spielen, Wer hat was gesagt? "Es läuft hervorragend. Ich laufe ganz viele große Shows im Moment: New York, Paris, Mailand…" 

Mäx: Hat der Jo gesagt, weil er ja nebenbei "modelt"…

"Konzerte spielen ist tatsächlich auch ein bisschen Sport."

Jo: Das hab auch ich gesagt.

Nein.

Mäx: Hab ich das gesagt?

Nee!

Beide: Fabi!

"Von den (Ninja) Turtles wäre ich ganz klar Michelangelo!"

Mäx: Das war ich!
Jo: Du hast richtig gehaltvolle Zitate rausgesucht. (grinst)

"Ich vertrage auf jeden Fall mehr als du!"

Jo: Ich.

Genau.

Mäx: Zu wem?

Fabi. 

Mäx: (lacht).

And the winner is (Trommelwirbel): Määääx!

Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei den Killerpilzen, dass sie sich die Zeit genommen haben, Jasmins Fragen Rede und Antwort zu stehen und unserem Konzertscout danken wir für Ihren Mut und die gemachte Mühe mit dem Interview.

Jasmins Fazit zur 2002 in Dillingen gegründeten Band lautet: "Auch auf ihrem Konzert konnte man die klare, musikalische Weiterentwicklung der Jungs erkennen. Dennoch muss ich sagen, dass diese bei Mäx am meisten zu sehen ist: Gesanglich, wie auch technisch an der Gitarre."



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