MAXimaler Genuss

Tue, 22 Sep 2015 11:27:00 GMT von

Ortstermin für unsere Redaktion. Max Mutzke besuchte im Rahmen seiner Max-Tour das Modernes in der Bremer Neustadt. An seiner Seite die Band MonoPunk und einer der besten Trompeter unseres Landes: Nils Wülker.

Ein Konzert mit Max Mutzke ist immer etwas Besonderes. Der 34-Jährige, zu dessen Markenzeichen unter anderem die Schiebermütze und markante Augenbrauen zählen, ist ein echter Vollblutmusiker und Geschichtenerzähler. Vieles von dem was er zu berichten hat, vertont er in seinen Songs - zweisprachig, wie auf dem aktuellen Album "MAX", das der Tour Zugrunde liegt.

Gebremste Erzählkunst

In seinen Konzerten erzählt Max Mutzke gerne unterhaltsame Anekdoten und klärt über die Entstehung seiner Songs auf. Allerdings habe ihm ein Zuschauer vor einiger Zeit gesagt, er würde zuviel reden zwischen den einzelnen Stücken. Gut und gerne konnte dies in der Vergangenheit fast eine Stunde des Gigs beanspruchen. Diese Sabbelkritik machte dem Sänger deutlich, dass die Leute offenbar aus einem speziellen Grund in seine Konzerte pilgern, da der erwähnte Zuschauer gesagt habe, man man könne besser in der Musik baden, wenn weniger erzählt würde. Amüsante Infos rund um seine Kompositionen gab Mutzke dennoch preis - er redet und singt eben leidenschaftlich gerne.

Unter Freunden

Den Abend eröffnete der bekannte und in Fachkreisen hochangesehene Trompeter Nils Wülker. Ende Februar veröffentlichte dieser sein aktuelles Album "UP", auf dem auch einige Gastmusiker zu vernehmen sind. Einer davon ist Max Mutzke. Wülker und Mutzke sind indes weit mehr als nur Kollegen, sie verbindet eine innige Freundschaft, weshalb man beide während der Max-Tour ein paar Mal gemeinsam auf der Bühne erleben kann. Nils Wülker, der während seines Solo-Auftritts unter anderem die Stücke "Bridges" und "Dawn" vom Album spielte, zeigte sich geehrt von Max Mutzke zu dessen Tour eingeladen worden zu sein.

Freigesetzte Energie

Nach einer Umbauphase betraten zunächst die Musiker der Band MonoPunk die Bühne des Clubs. Als Opener ertönte der Song "Praise The Day", mit dem auch das Album "MAX" beginnt. Während Tobias Held am Schlagzeug, Maik Schott (Keyboard), Justin Balk (Gitarre) und Danny Samar am Bass den Abend eröffneten, war Max Mutzke bis zum Refrain nur aus dem Off vernehmbar. Dann aber stürmte er auf die Bühne und setzte eine Welle der Energie frei. Der gebürtige Bade singt und performt seine Songs nicht einfach - er lebt sie und das übertrug sich auch gestern rasch auf sein Publikum. In Windeseile war das Band geknüpft zwischen ihm, seiner Band und den zahlreichen Fans im Club.

Einfach Max

Das aktuelle Album trägt den schlichten Namen "MAX", beinhaltet aber ein reichhaltiges Repertoire unterschiedlicher Stilrichtungen und - was vielleicht ungewöhnlich erscheinen mag - es switcht zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Das zeigte sich im Verlauf des Abends mehrfach. Weiter ging es am 21.09. mit "Unsere Nacht", bei dem zur Studioversion eine Sprechgesangseinlage des Rappers Eko Fresh zählt und "Marie" vom Album "Durch einander". Bevor Max Mutzke seinen Titel "IOU" anstimmte, erklärte er dessen Bedeutung. Der englischsprachige Song steht ausgesprochen für I Owe You und bedeutet nichts anderes als "Ich schulde dir etwas", ebenso ist es die amerikanische Bezeichnung für einen Schuldschein.

Wenn einer eine Reise macht

Wer viel unterwegs ist, erlebt zwangsläufig viel. Derlei Erlebnisse, Gefühle und Gedanken fließen bei Max Mutzke in den Songwriting-Prozess ein. Auch "Welt hinter Glas" dürfte hier seinen Ursprung gefunden haben. Amüsant war Mutzkes Story von einem Besuch in Baden-Baden. Eine sehr gediegene Stadt, um es vorsichtig zu formulieren. Unfassbar sauber, hoher Altersdurchschnitt und zu viele Regeln. Als der Sänger zwecks Interview dort weilte und sich im Anschluss zur Kaffeepause in den Park begab, fiel ihm ein Schild auf dem gepflegten Rasen auf: Betreten verboten!

Wer kennt derlei Hinweise nicht. Max lief plötzlich die Zeit davon, der Weg um den Rasen herum, zum wartenden Auto, hätte zu lange gedauert, also überquerte er die Grünfläche, um nach Erreichen der anderen Seite sogleich gerügt zu werden. Ob er das Schild nicht gesehen habe? Es folgte jener Spruch, den die Meisten schon in der Kinderzeit erdulden mussten: "Stellen sie sich mal vor, das würde jeder machen?" Für Max Mutzke eher ein Aufruf zur Rebellion. Sein darauffolgender Titel "Laut" behandelte das Thema. Solange man niemandem Schaden zufügt, sollte man ruhig mal ein paar Regeln missachten und das Leben bunter gestalten.

Schwere Zeiten

Vor etwa anderthalb Jahren verlor Max Mutzke seine Mutter. Diese starb an den Folgen ihrer Alkoholsucht. Für den Sänger ganz sicher kein leichtes Thema, das aber auf dem aktuellen Album verarbeitet wird. Der Titel "You are all around me" handelt von diesem schmerzhaften Verlust und den Erinnerungen an eine schöne Kindheit voller Liebe und Fürsorge. In "Hier bin ich Sohn", das die Mutter laut Max noch einmal hören konnte, ehe sie starb, macht er seinen Ängsten und der Wut Luft. Gerade als Angehöriger ist es nie leicht, mit den ständig neu gegebenen und gebrochenen Versprechen eines Alkoholikers zu leben.

Die Liveversion dieses Liedes klang gestern noch um einiges berührender, als jene auf der CD. Fast meinte man den Sänger schluchzen zu hören. Nach der letzten Note machte er jedoch klar, dass sich das Publikum keine Sorgen machen müsse, alles sei gut.

Liebeserkärungen

Überhaupt die Frauen - ein Thema das in den Stücken in immer neuen Variationen bearbeitet wird. "Schwarz auf Weiss" dürfte wohl Muztkes Ehefrau Nazu, einer gebürtigen Eritreerin und somit von dunkler Hautfarbe gelten. Die beiden sind seit Schülerzeiten ein Paar und scheinbar verliebt wie am ersten Tag. Die leidenschaftliche Performance von Textzeilen wie "Schwarz auf Weiß, Baby du machst mich heiß..." wirkte alles andere als aufgesetzt.

Eine gänzlich andere Liebesgeschichte ist jedoch die zum Song "Charlotte". Hier geht es um eine lange und im Verlauf oft nervenaufreibende On/Off Beziehung zwischen einem Freund und einer Freundin des Sängers. Sie Modedesignerin, er Forstwirt - unterschiedlicher könnten zwei Menschen und ihre damit verbundenen Lebensmodelle kaum sein. Natürlich heißt der weibliche Part dieser Amour fou in Wirklichkeit nicht Charlotte, was das Vergnügen beim Zuhören aber nicht minderte. Und obgleich die Zuschauer an diesem Montagabend im Modernes keinerlei Verschleißerscheinungen zeigten, erklärte Max nach diesem Song sein Konzert für beendet.

Zugaben

Nachdem Max mit seinem Keyboarder eine regelrechte Jamsession abgeliefert und die Fans darin unterwiesen hatte, wie man ein möglichst hysterisches "Say What?" singt, verließen die Bandmitglieder nacheinander die Bühne, bis am Ende Keyboarder Maik gewissermaßen das Licht ausmachte. Erfahrene Konzertgänger wussten natürlich, dass hier noch nicht die letzte Note, die letzte Textzeile erklungen war. Ein paar aufmunternde Rufe aus dem Zuschauerraum später, kehrten sie alle doch wieder zurück ins Rampenlicht.

Und Max hatte noch wen im Schlepptau: seinen Kumpel Nils Wülker. Dieser durfte in dem Radiohead Cover "Creep" ein wunderbares Trompetensolo hinlegen. Damit nicht genug, ergab sich Max Mutzke den Forderungen der Fans nach DEM einen Song, welchen er eigentlich nicht mehr zu spielen gedachte. Er habe sich weiter entwickelt und dem müsse Rechnung getragen werden. Aber wenn, er ihn vortragen müsse, dann nur so wie es ihm gefalle.

Can’t wait until tonight

Natürlich war längst klar um welchen Song es ging. Nämlich jenen, mit dem Max am 15. Mai 2004 den achten Platz beim Eurovision Song Contest belegte: "Can’t wait until tonight". Ein bisschen dauerte es gestern Abend, bis auch der letzte Zuhörer ihn erkannte, denn Max Mutzke trug ihn mit kräftiger James Brown Attitüde vor. Derart rockig kannte den Titel wohl niemand bislang - es machte ihn eigentlich erst perfekt. Mit dem noch nicht veröffentlichten, neuen Song "It’s not allright", der davon handelt seine Daheim wartende Liebe niemals während beruflicher oder privater Trennungszeiten zu betrügen, endete ein hochenergetisches Konzerterlebnis.

Max verdeutlichte, dass man besser allen Versuchungen an der Hotelbar oder Hotelsauna widerstehen sollte, wenn man Zuhause sein Glück längst gefunden hat. Mit den Worten "Don’t waste your love for me, I’ve got someone at home" im Ohr, machten sich viele glückliche Menschen auf den Heimweg. Hier gehts direkt zur Bilderstrecke.

 



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