Breminale 2015 mit Sonne, Musik und Internet

Fri, 17 Jul 2015 13:16:00 GMT von

Na, bitte es geht doch - nach einigen Startproblemen zeigte sich am zweiten Tag des Bremer Open-Air-Festivals endlich die Sonne.

Von Sonnenstrahlen ließen sich gestern auch zögerliche, oder wasserscheue Musikliebhaber anlocken und so wurde es am Donnerstagabend deutlich voller an der Weser als noch tags zuvor. Das musikalische Angebot des Tages war hingegen schillernd und bunt wie immer. DJ-Sets, wechselten sich mit estnischem Dreampop der Band Innersound ab. Es gab Singer/Songwriter Highlights in Form des Österreichers James Hersey oder auch französischen Electro-HipHop-Wave von Five-O und kraftvolle Statement-Songs von Superheld aus Leipzig. So manch ein Besucher wird sicher auch die Doom-Metal-Punk-Show der Bremer Band Mantar zu späterer Stunde genossen haben.

Newcomertag

Der 16. Juli war der Newcomertag auf der Breminale. Das Deichgrafzelt bot unter anderem europäischen Nachwuchstalenten die Chance sich dem Bremer Publikum vorzustellen. Seit mehr als fünf Jahren fördert Stage Europe Network junge Bands der europäischen Musikzsene. Dazu gehört, wie aktuell auch, eine Art Austauschprogramm. Five-O aus Frankreich fanden auf diese Weise ebenso auf die Bühne der Breminale, wie auch Innersound aus Estland. Im Gegenzug treten junge Musiker aus Deutschland bei Festivals im europäischen Ausland auf.

Five-O

Die fünf Mitglieder der Band Five-O stellen eine Vereinigung zweier Musik Genres dar. Der eine Teil generiert sich aus der DJ Elektro Band AylesBurry, wohingegen den vokalen Anteil die drei Rapper Wilko Okaden, Swank und Badacz übernehmen. Was sie gemeinsam auf die Bühne stellen, ist ein hochinteressanter Mix aus 90er HipHop mit Electro und Wave, gesungen auf französisch.

Verstanden, worüber die Jungs rymten hat gestern wohl so gut wie keiner ihrer Zuhörer. Es ging vermutlich um die gleichen Themen, denen man sich auch anderswo musikalisch nähert: Liebe, Politik, das Leben im Allgemeinen. Geklungen hat es gut und das Quartett konnte sein Publikum zum einen oder anderen typischen HipHop-Move animieren. Auch wenn hierzulande manchmal etwas träge auf kulturelle Neuigkeiten reagiert wird und statistisch gesehen bei uns vorrangig Deutsch-Rapper gehört werden, Five-O sollte man ruhig mit auf dem Zettel haben.

Stark und sanft zugleich

Die Band Innersound, bestehend aus Sängerin Elina Hokkanen, Gitarrist Johannes Laas, Bassist Karl Tammaru, Drummer Jan Kulbin und Soundmeister Taavo Teras, stellte sich als wahre Klangperle heraus. Elinas wundervolle Stimme, ist mal glasklar, mal kraftvoll, ihre Musiker untermalen die Songs abwechslungsreich und harmonisch. Mal dominieren jazzige Elemente, mal wird es bluesig oder ein wenig Bossanova schleicht sich ein. Innersound spielen feinsten Dreampop mit psychedelischem Einschlag und haben gefühlt, Großes vor sich. Sollte die Band in den nächsten paar Jahren den internationalen Durchbruch schaffen, wäre das eine logische Folge ihres beachtlichen Könnens.

Lass es raus

Weniger einfühlsam drückten sich dagegen die Jungs von Superheld auf der Bühne der MS Treue aus. Sie gehören eher zu den Ablieferern. Es darf und muss krachen, springen gehört zu ihrer Performance ebenso dazu, wie auch Trockeneisnebel. Wenn man sich Acts wie Jennifer Rostock, A Day to Remember und Heisskalt vorstellt, bekommt man eine Ahnung was Superheld inspiriert. Aber auch Casper dürfte durch seine Gesangstechnik Einfluss auf Shouter Johannes Prautzsch genommen haben. Laut und oft wütend sind die Stücke der Leipziger. Sie stellten im Song "A.U.K.S.T" fest, dass all unsere Könige tot sind, sangen über "Blumen von Damals" und von "Schwarz auf Weiss". Mal wurde gerappt, dann widerum der Text vor die Füße der Zuschauer geshoutet und teilweise gab es zahme Refrains zum Mitsingen. Man konnte diesen musikalischen Helden unter freiem Himmel, mit der Abendsonne im Rücken, super zuhören.

Mädchenschwarm

Zu fortgeschrittener Stunde wurde es im Baronesse nochmal richtig voll. Ein Zelt gefühlt, nur mit holder Weiblichkeit gefüllt, wartete auf James Hersey. Singer/Songwriter, Crossover Pop mit elektronischen Einflüssen. In eine Schublade lässt sich der gebürtige Amerikaner nicht einfach stecken. Seine Kreativität treibt ihn an und lässt mittlerweile die Herzen, vor allem weiblicher Fans höher schlagen. Hershey schreibt seine Stücke selber und lässt sich dabei vom Gefühl leiten. Manchmal dürfen Hooks von Coldplay die Initialzündung liefern, gewürzt wird mit Electro-Beats, Indie-Sound und Alternative. Über alles zieht der Musiker ein zartes Popgewand und schon hat er einen neuen Ohrwurm kreiert.

Die unzähligen jungen Frauen im Baronesse hingen James Hersey an den Lippen und lasen von dort, sofern nicht längst auswendig gelernt, die Texte zu Stücken wie "Juliet", "Don’t Say Maybe" oder "Coming Over" ab. Am Ende seines Auftritts schien das Zelt vor Glück fast zu summen. Der Wiener könnte vermutlich eine komplette Woche jeden Abend auf der Breminale erscheinen und hätte ein großes Publikum.

Mobiles Lexikon befragen

Besonders an einem den Newcomern gewidmeten Abend, hat man als Zuhörer das Bedürfnis mehr über den soeben gehörten Künstler zu erfahren. Viel mehr als seinen Namen und den einen oder anderen angekündigten Songtitel kennt man erstmal nicht. Im 21. Jahrhundert steht der Gebrauch des WorldWideWeb daher auf der Tagesordnung. Damit man alle gewünschten Infos auf dem zumeist vorhandenen Smartphone oder Tablet abrufen kann, braucht der Mensch natürlich den technischen Zugang zum Internet.

Möglichst schnell auf der Datenautobahn unterwegs sein, ist noch nicht überall möglich. Damit die Besucher der 28. Breminale wunschlos glücklich und rundum bestens informiert über das Festival flanieren können, haben sich die Freifunker Bremens ordentlich ins Zeug gelegt.

Freies Internet

Wo immer man sich am Weserdeich aufhält, haben sie ihr Netz aus W-Lan Routern in Betrieb und sorgen für gute Internetanbindung. Das Team von Freifunk.net besteht aus lauter ehrenamtlichen Mitgliedern, vielfach Informatikstudenten, die im Vorfeld zur Breminale bereits viel Zeit und Geld aufwendeten um zu ermöglichen, wofür sie einstehen: freie Kommunikation in digitalen Datennetzen.

Unterstützung für dieses tolle Projekt bekommt Freifunk auf der Breminale von der Digineo GmbH und auch der Kultur-Senator, sowie die Landesmedienanstalt sollen finanzielle Hilfen angekündigt haben. Am Freifunker Stand neben der Bühne der Dreimeterbretter kann man sich umfassend informieren. Unsere Bilderstrecke zum Donnerstag.



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