Breminale 2015 - tanzen am Weserstrand

Thu, 16 Jul 2015 12:36:00 GMT von

Einmal im Jahr geht am Bremer Weserdeich für fünf Tage die Post ab. Jung und Alt treffen sich zu bunt gemischter Livemusik, Vorlesungen, Mitmach-Aktionen und zum Verkosten des kulinarischen Angebotes.

Echte Bremer freuen sich hierauf das ganze Jahr: die Breminale. Bereits zum 28. Mal findet dieses fünftägige Open-Air-Festival zwischen Deichstraße und Am Wall entlang der Weser statt. Bunte Zirkuszelte, sowie unzählige Buden mit Essen und Trinken säumen dabei das Ufer am Fluss. Dazwischen Sitzgelegenheiten, Tanzflächen und Stände mit allerlei Handelswaren, sowie Aktionsflächen für Jedermann.

Wer will denn schon Sonnenschein?

Was zur Breminale dazu gehört wie zum entfernten Verwandten Hurricane-Festival, ist ausreichend Nass von oben. Scheint während der Breminale ausgiebig die Sonne, wie im Jahr 2013, handelt es sich um herrliche, aber ungewöhnliche Wetterzustände. Hansestädtern sind die Tränen von Petrus aber relativ egal, sie lassen sich den Umsonst & Draußen Spaß nicht durch Matsch und Wind verderben. Da das musikalische Angebot breit gefächert und sehr umfangreich ist, hält man sich eh weitestgehend in einem der vielen Zelte vor den Bühnen auf und lauscht Konzerten.

Schöne Namen

Ein so schönes Event wie die Breminale lockt mit seinem bunten Kulturangebot natürlich auch Butenbremer und Menschen aus weiter entfernten Regionen an. Allein die vielen Farbkleckse, die sich durch die bunten Zirkuszelte und die Buden auf der Fressmeile ergeben, erfreuen Auge und Herz. Dazu kommen die hübsch gewählten Namen, der einzelnen Auftrittsorte, wie Baronesse, Deichgraf, Tanzboden oder Himmelwärts. Wer seinen Fuß gerne von Land in Richtung Wasser setzen möchte, kann sich diverse Konzerte an Bord der MS Treue anhören. Dieses Schiff liegt fest vertäut am Ufer und bietet unverfälschtes Open-Air-Feeling auf der Breminale.

Eröffnungstag

Am Mittwoch öffneten sich die Zelte für alle ungeduldigen Besucher. Pünktlich setzte dazu am frühen Abend der erwähnte Regen ein. Da die Temperaturen mild und die Besucher auf derartige Umstände gefasst waren, störte sich niemand an der zeitweiligen Berieselung von oben. Dafür wurde es unter den Planen im Deichgraf gegen 18:30 Uhr schön gemütlich. Ein alter Bekannter feierte in diesem Zelt gestern sein "Comeback". Der Bremer aus dem Stadtteil Peterswerder zog eine geniale Bühneparty ab. Ferd und seine umfangreiche HB-Connection lieferten HipHop made in Hansestadt. Der Showteil erinnerte in seiner Crazyness ein wenig an die Performances welche man von Deichkind kennt. Nur technisch ein bisschen abgespeckt, aber dennoch ein echter Eyecatcher.

Mädels ins sexy Outfits, Herren von Gangsta-like bis durchgeknallt und an vorderster Front ihr Chef mit Pferdeschwanz und wallendem Brusthaar. Alle Klischees der Szene bedienend und textlich eher lokalpatriotisch angelegt, fegte das Ensemble über die Bühne. Satinstoffe, Traingshosen, Caps und Sonnenbrillen durften selbstverständlich nicht fehlen, während Ferd über "Altbauten", "Hastedt Gangsta", "Aergerbremen" oder "Alkopop" rappte. Seine zahlreich erschienenen Fans feierten diese coole Sau und erwiesen sich als textsicher bis zur letzten Note. Guter Einstieg in die Breminale und das Regenwasser tropfte derweil zuverlässig in den Rasen am Deich.

Höfische Etikette

Obgleich die meisten Zelte adelige Namen tragen, geht es davor und drinnen eher bürgerlich zu. So feierte die aus dem fernen Wien angereiste Band We Walk Walls zwar im Baronesse Zelt, wie auch später die sechsköpfige Berliner Folkband Combings, doch musste niemand auf höfische Etikette achten. Man ließ es sich gemeinsam einfach gut gehen und versicherte einander wie schön es doch gerade sei.

Ihren Emotionen freien Lauf ließen auch die Zuhörer von We Had To Leave. Dieses Trio hatte gestern Heimspiel, da sie aus Bremen stammen und auf der MS Treue ein paar ihrer Songs zum Besten gaben. Nach ihnen versuchte sich das Berliner Duo Milliarden samt Band erfolgreich auf der schwimmenden Bühne. Die Zahl der Interessierten war so groß, dass nur ein Teil von ihnen mit an Bord kommen konnte. Viele verfolgten die bunte Show vom Pier aus oder auf dem Landungssteg. Die Akustik war an all diesen Punkten gut.

Himmlische Töne

Ein bisschen weiter entfernt vom Wasser steht das Himmelwärts, unter dessen Planen am Mittwochabend unter anderem die deutsche Sängerin Mine mit Band und Gastmusiker Flowin Immo auftrat. "Kann sie es tragen", "Lauter" und "Der Mond lacht", lauteten einige der musikalischen Perlen, welche die gebürtige Stuttgarterin mitgebracht hatte. Auch Mine durfte sich über ein zahlreich erschienenes Publikum freuen, dass in vielen Fällen ganz bewusst im Himmelwärts zuhörte, da ihm diese Singer/Songwriterin längst durch Radio und CD vertraut ist.

Abfeiern

Zu leicht fortgeschrittener Stunde machten sich die Hamburger Jungs von Liedfett klar für ihren Auftritt. Es hätte um 22:30 Uhr im Flut-Zelt losgehen sollen, jedoch nahm der Soundcheck mehr Zeit in Anspruch als geplant. Die Tontechniker bekamen alle Hände voll zu tun, als das Monitoring nicht ordnungsgemäß mitmachen wollten. Die Band ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, und machte aus der Not eine Tugend, indem einige Mitglieder noch mal für kleine Königstiger gingen oder eines der köstlichen Bremer Biere verkosteten.

Ansonsten wärmte Sänger Daniel Michel seine Fans auch ohne technische Unterstützung gut vor, so dass es nachdem der Fehler behoben war, gleich in die Vollen gehen konnte. Mittlerweile kübelte es vorm Zelteingang mal wieder, was aber nur dazu führte, dass mehr Menschen im Inneren an einer verrückten Party teilnahmen. Der Opener "Verkackt bevor es losgeht", passte am 15. Juli gewissermaßen wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer. Es ging mit eindrucksvoll, ironischen Songs à la "Liedermaching Untergrund", "Paranoia" oder "Blinde Kuh" weiter bis das Zeltdach sich beinahe hob.

Längst nicht aller Tage Abend

Der Spaß dürfte auf und vor der Bühne gleichermaßen intensiv gewesen sein. Lange Gesichter waren nirgends zu entdecken. Und das Schönste: auch wenn Liedfett am Mittwoch die letzte Band im Flut waren, es geht gleich heute weiter mit den akustischen Köstlichkeiten. Noch stehen allen Musik- und Kulturfans vier weitere Tage bester Unterhaltung bevor. Worauf also warten, das Wetter wird eh besser - soviel ist schon mal klar! Die Bilderstrecke des gestrigen Abends gibt es hier.



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