Zum Abschluss voll am Start

Mon, 24 Nov 2014 11:43:00 GMT von

Luxuslärm blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück: im Frühjahr veröffentlichen sie mit "Alles was du willst" ihr viertes Album und tourten damit durch zahlreiche Clubs. Worpswede war Ziel des diesjährigen Tourabschlusskonzerts.

Viele Wochen unterwegs, mit kleinen Pausen zum Verschnaufen, aber trotzdem keine Verschleisserscheinungen. Als Luxuslärm am 15. November ihr letztes Konzert der Herbsttour 2014 gaben, standen alle Bandmitglieder mit Bleifuss auf dem Gaspedal. Von der ersten bis zur letzten Note spielte sich der Fünfer mit voller Kraft durch den Abend.

ANSA.

Fünf Wochen dauerte die Herbsttour insgesamt und mit dabei waren zwei junge Musiker aus Dresden. Normalerweise besteht die Band ANSA. aus vier Personen, doch blieben ihr Bassist und der Drummer für die Zeit des Supports von Luxuslärm Daheim. Lediglich der Kopf der Truppe, ANSA., oder André Sauermann wie er eigentlich heißt, ging mit Adi gemeinsam auf Tour. Ganz pur, rein akustisch mit zwei Gitarren und mit Unterstützung einer beachtlichen Fanbase trat das Duo auf die Bühne der Music Hall Worpswede.

Foto

Die zwei Künstler boten den wartenden Fans, die für einen Supportact gewohnt kurze, aber intensive Show. Nun mag sich mancher fragen: ANSA. wer ist das - nie gehört? Dennoch waren am 15. November in Worpswede reichlich Eingeweihte vor Ort, was selbst die Band verwunderte. Noch erstaunlicher war aber wie gut sich die Anhänger der Dresdner auf diesen Abend vorbereitet hatten. Nicht nur, dass alle textsicher auftraten, es wurden Plakate hochgehalten als der Song "Foto" erklang. Auf diesen stand "Danke ANSA. ein Foto mit euch", wovon es ein Bild auf der Facebookseite der Band zu bestaunen gibt. Weitere Stücke aus dem Repertoire des Duos waren unter anderem "Angelina", "Nur im Sturm", "So schnell vorbei" und "Wie ein Wolf" (Demo). Wer sich für intensive Texte mit Aussage und gefühlvollen Blues-Rock-Pop begeistert, sollte sich den Namen ANSA. auf alle Fälle merken.

Alles was du willst

Nach der obligatorischen Umbauphase war es dann irgendwann soweit und die Hauptband des Abends nahm die Bühne ein. Und wie sie das tat! Jeder, der schon mal ein Konzert von Luxuslärm erlebt hat, weiss dass Jini Meyer und ihre Musiker alles geben und einem Orkan gleich jeden Club richtig durchfegen. Das ließ sich am Samstag vor einer Woche tatsächlich noch steigern. Die Spielfreude der Iserlohner kannte praktisch keine Grenzen. Los ging es gleich mit dem Namensgeber des aktuellen Albums "Alles was du willst", der wie ein Statement der Power und ein Versprechen sich nicht zurück zu halten, den Saal aufheizte.

Besonderer Abend

Sängerin Jini zeigte sich mitteilsam und wies immer wieder auf die Besonderheiten eines Tourabschlusses hin. Dass man als Band ein solches Konzert anders erleben würde, dass die Crew sich gerne ein paar Späße ausdenken würde und auch die Fans sich auf die eine oder andere Überraschung gefasst machen dürften. Und so begaben sich alle im Club mit Luxuslärm auf die Reise durch die Zeit. Ein gutes Drittel der gesungenen Stücke am 15. November stammte vom vierten Album, dem die Tour ihren Namen verdankt. Doch auch frühere Werke, vor allem Songs, die schon länger nicht mehr live performt wurden, durfte man genießen. Alles immer schön eingeleitet, umrahmt von diversen Anekdoten und erklärt von der Frontfrau, der man den Spaß deutlich anmerkte.

Rück- und Ausblicke

"Alles was du willst" aus diesem Jahr ist bereits das vierte Album von Luxuslärm, was bedeutet, dass es drei weitere Platten voller Powersongs gibt. Eine Auswahl der Stücke mit besonderem Hintergrund oder auch außergewöhnlichen Geschichten, durften die Fans in Worpswede genießen. Die Intensität mit der die Band spielte und die Zuhörer mitmachten, fiel immer wieder auf und so wurde Jini Meyer nicht müde das besondere Ambiente in der Music Hall zu loben. Luxuslärm trat dort bislang noch nie auf, was sich in der Zukunft aber ändern soll. Der Club verfügt nämlich nicht nur über einen besonderen Charme, das Publikum dort zeigte sich besonders feierwillig und machte den Abend so zu einem unvergesslichen Erlebnis für beide Seiten.

Durchdrehen

"Etwas bleibt" war eines jener Stücke, das man schon länger bei keinem der Livekonzerte von Luxuslärm hören konnte. Zuletzt spielte es die Band auf ihrer 2005er Akustiktour. Ebenso wurde "Feuer" seit 2009 auf keiner Bühne mehr vorgetragen, weshalb die Band dieses Lied anlässlich des aktuellen Tourendes hervorkramte. Als besonderer Leckerbissen kann auch die unveröffentlichte Akustik-Version von "1000km bis zum Meer" betrachtet werden. Nicht nur, dass hier der Text von der auf dem gleichnamigen ersten Album aufgenommenen Version abweicht, man konnte sich den Song, einzig getragen von Jinis Stimme, unter die Haut gehen lassen. Weil die hier enthaltene "Geschichte mit dem Dach" unbedingt in irgendeinem Lied Verwendung finden sollte, wurde später "Nach einer wahren Geschichte" für das aktuelle Album geschrieben.

Mutti in der Bar

Sängerin Jini kokettiert offenbar gerne mit dem Begriff der "Mutti" ihrer Band. So erzählte sie beispielsweise, wie sie nach einem anstrengenden Gig in Hamburg ihre Jungs mit dem Tourbus ins Hotel kutschierte, sie bat in der Hotelbar Platz zu nehmen, damit sie ihnen die wohlverdienten Drinks besorgen könne. Welche sich dann allerdings als Pfefferminztees und ein Baileys für sie selbst entpuppen sollten. Noch putziger war jedoch die Geschichte, die ihr während der Getränkebestellung beim Barmann passierte. Dabei handelte es sich offenbar um ein besonders selbstverliebtes Exemplar dieser Gattung, der sich am liebsten selber reden hörte. Und so erklärte Jini, dass sie bis zu jenem Moment gar nicht ahnte, dass es einen Menschen gab, auf den der Song "Ja Ja" wie Arsch auf Eimer passte.

Duett

Gegen Ende des Konzerts holten Luxuslärm ihren Support nochmals zurück an die Mikrofone. In Sichtweite befanden sich Andi und ANSA. ohnehin die ganze Zeit, da sich seitlich der Bühne in der Music Hall eine Art Loge befindet, von wo aus die Crew dem Geschehen zusah. Jini meinte, dass sie die Textsicherheit der zwei Dresdner nach fünf gemeinsamen Tourwochen nun checken wolle. Es galt gemeinsam mit ihr den Song "1000km bis zum Meer", so wie man ihn kennt, zu singen. Diesen Test bestanden die die beiden mit Leichtigkeit und sehr zur Freude des Publikums.

Remember Blue Cinnamom

Bevor es die Band Luxuslärm in ihrer heutigen Form gab, spielten sie als Blue Cinnamom Coversongs. Als es darum ging den ersten eigenen Song im Studio einzusingen, scheiterte die Sängerin zunächst. Jini war erstens englische Texte gewohnt und zweitens war "Unsterblich" komplett anders angelegt. Mit viel zu viel Power wollte die heutige Luxuslärm-Shouterin ihn einsingen. Es brauchte ein paar Anläufe bis sie ihn mit dem nötigen Feingefühl aufgenommen hatten. Wie gut sie das 2014 beherrscht, konnte man am 15. November hören. Weniger gut war, das sich das Ende des letzten Konzerts dieser Tour unaufhaltsam näherte.

Perfekte Welle

Die Stimmung war bombig, es hätte ewig so weiter gehen können, aber bekanntermaßen sollte man aufhören wenn es am schönsten ist. Nach "Thelma & Louise", "Regen der nach oben fällt" und "Der letzte Tag", hieß es Abschied nehmen. Der Tonmeister beendete mit "Perfekte Welle" von Juli den Abend. Was wie ein kleiner Seitenhieb auf Luxuslärm wirkte, war durchaus liebevoll gemeint. Fangesänge, schwebende Luftballonherzen und diverse La-Ola-Wellen untermalten ein perfektes Konzerterlebnis auf und vor der Bühne. Alle Fotos zum Konzert kann man hier sehen.

Ein paar Auftritte gibt es bis zum Jahresende zwar noch (Wien Debüt am 26.11. und am 27.12. Watts Up Festival in Cuxhaven), doch 2015 wollen die Iserlohner sich eine kleine Auszeit gönnen. Erst im übernächsten Jahr werden sie dann mit voller Kraft auf die Bühne zurückkehren und ihren Fans alles geben was sie wollen - auch in Worpswede, das haben sie versprochen.



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