Genug Grund zu bleiben

Fri, 11 Apr 2014 10:39:00 GMT von

Vor kurzem veröffentlichte die Band Luxuslärm ihr viertes Album „Alles was du willst“ und tourt damit derzeit durch diverse Städte. Gestern Abend besuchten sie Bremen und traten im Modernes auf.

Frühling in Bremen, Grund genug sich den Donnerstagabend mit dem Besuch eines Konzerts zu verschönern. Was eignet sich da besser als die Kombination zweier junger Bands, die beide gerade neue Alben veröffentlichten und diese nun quer durch Deutschland transportieren, um sie auf den Bühnen der Republik live vorzustellen.

Herzensammler

Als Support tritt bei den Konzerten von Luxuslärm die Band Redweik auf, und gewährt Einblicke in ihr im Januar erschienenes Debütalbum "Keine Liebe". Das Modernes war den Musikern rund um Frontmann Robert nicht unbekannt: sie traten dort bereits im Dezember 2012 als Vorband von Stanfour auf. So betrachtet war der gestrige 10. April ein Wiedersehen, weil ich schon damals ihren einfühlsamen Songs lauschen durfte. Mit dabei diesmal auch die aktuelle Single "Sammelst du Herzen". Ein Song, der entstand nachdem Robert Redweik beim Bezahlen an der Supermarktkasse gefragt wurde, ob er Herzen sammele. Wobei es in dem Lied natürlich um eine andere Form von Treuepunkten geht.

Romantische halbe Stunde

Die Songs von Redweik handeln im Wesentlichen von der Liebe, Beziehungen und dem Gefühlschaos, das sich dadurch oftmals einstellt. Solider, handgemachter Poprock mit Kuschelfaktor. In den knapp 30 Minuten des gestrigen Auftritts wurde einmal der Bogen von Himmelhoch jauchzend bis fast zu Tode betrübt gespannt, was sich in Liedern wie "Einsam", "Keine Liebe" oder "Du weinst nie" nachempfinden ließ. Doch auch "Maschine", der Titel, der bereits 2012 veröffentlicht war, fehlte nicht. Mir fiel auf, wie gelöst und routiniert die Jungs ihren Auftritt absolvierten. Robert garnierte die einzelnen Lieder mit kleinen Geschichten rund um deren Entstehung und Bedeutung, scherzte mit den Fans und sorgte für einen guten Draht zwischen Bühne und Publikum.

Alles was du willst

Eine etwas andere Richtung erwartete die Besucher im Modernes dann mit dem Konzert von Luxuslärm. Jini Meyer und ihre Jungs sind eingefleischten Fans längst als Band mit ordentlich Wumms bekannt. Ihre neue Platte "Alles was du willst" ist der Aufhänger zur aktuellen Deutschlandtournee und beinhaltet viele unterschiedliche Stilelemente und jede Menge Power. Doch auch aus den drei Vorgängeralben hatte die Band die leckersten Häppchen mitgebracht und präsentierte ein rundum energiegeladenes Konzert mit einigen ruhigeren Sequenzen zum Luft schnappen.

Plakate und Luftballons

Schon vor Auftrittsbeginn bahnten sich Mitarbeiter des Clubs einen Weg durch den gut besuchten Saal, um Luftballons zu verteilen. Der Plan sah vor, diese aufzublasen und während des Intro möglichst bis auf die Bühne zu werfen. Als Fotograf im Graben war das ein merkwürdiges Erlebnis, denn es ist dort eh schon immer eng und mit dieser Aktion wurde die Arbeit zum Balanceakt. Knalleffekte blieben daher kein Einzelfall. Der Blick über die Schulter in Richtung Fanmeile bereitete allerdings einen schönen Anblick: Nicht nur bunte, schwebende Ballons, auch viele Plakate mit der Aufschrift "(Name eines Bandmitglieds) Du bist der Grund für uns zu bleiben" waren zu sehen. Manch einer hatte sich also sehr gut auf diesen Abend vorbereitet.

Gründe zu bleiben

Mit dem Song "Gib mir einen Grund zu bleiben" wurde gestern das Konzert eröffnet und bot "Ersttätern" sofort einen Überblick der Spielfreude und Sangeskaft von Frontfrau Jini. Auch "Weiße Fahne" gab ihr Gelegenheit das Volumen ihrer Stimme eindrucksvoll zu präsentieren. Leise Töne gab die 30-Jährige eher selten von sich, außer bei Gänsehautsongs wie "..., dass du bleibst" oder "Nach einer wahren Geschichte" - beide vom aktuellen Album. Doch den meisten Fans war ohnehin nach Megasause und nicht Tiefgründigkeit. Da passte dann auch Stück Nummer fünf "Durchdrehen" wie die Faust auf’s Auge.

Textsicherheit

Mittlerweile gibt es Luxuslärm schon acht Jahre. Eine relativ lange Zeit, wenn man bedenkt wie jung die Bandmitglieder sind. Luxuslärm hat in dieser Spanne hart gearbeitet für den Erfolg und sich nach eigener Aussage manchmal fast den Arsch abgespielt. Auch in Bremen und auch im Modernes, in das sie immer wieder gerne kommen, weil dort nicht nur das Catering so gut sei. Die harte Vorarbeit hat sich jedenfalls gelohnt, denn es kommt nicht alle Tage vor, dass Fans so textsicher sind, wie gestern.

Jini war völlig entzückt, sie wollte ihre "Lieben", wie sie sie immer nennt, am liebsten mit auf Tour nehmen und die Zuschauer fest buchen. Egal ob es Stücke vom Vorgängeralbum "Carousel", oder noch ältere Songs von "So laut ich kann", oder "1000km bis zum Meer" waren, der riesengroße Fan-Chor wurde nicht müde seine Lieblingshits mitzusingen.

Unterhaltungsprofi

Jini Meyer hält nicht nur ihre Band zusammen, sondern auch jede noch so große Zuschauermenge. Ihre unbändige Lebensfreude und ihr Humor wirken sehr ansteckend, so dass sich der Gute-Laune-Pegel schnell sehr weit oben einpendelte. Es wurde mitgetanzt, gerne auch nach Anleitung von der Bühne und überall konnte ich vor Begeisterung leuchtende Augen sehen. Die Band verfügt inzwischen über reichlich Erfahrung, auch mit Festivalbühnen und die gute Zusammenarbeit untereinander, sorgte einmal mehr für ein explosives Konzerterlebnis. Explosionen gab es in akustischer Form mehrmals, aber ganz am Schluss auch via Konfettikanone.

Überwältigt

Ganz besondere Momente erlebte man gestern bei den Liedern "...dass du bleibst" und "Nach einer wahren Geschichte". Ersteres widmet sich einem ernsthaften Thema, dass wie die Sängerin erklärte, nicht ausgespart werden sollte. Nicht alle Menschen seien in der Lage so glücklich zu sein, wie die im Modernes anwesenden und eine Sensibilisierung für die dunklen  Momente läge ihr am Herzen.

Das war ihrer anschließenden Performance deutlich anzumerken. Jini kippte mitunter die Stimme weg und Worte fielen aus, so gerührt war sie selber von dem Lied. Ein weiterer intimer Moment folgte später, als sie direkt im Publikum sitzend die wunderschöne Ballade von der wahren Geschichte vortrug.

Naschkatze

Für immer auf’s Neue erstaunlich, war die gute Vorbereitung der Fans auf das abendliche Programm. Nachdem wir uns alle mit der Band auf einen kleinen Kurzurlaub bei "1000km bis zum Meer" einlassen durften, kam die Frage auf, wer denn im Urlaub wohl naschen würde, das hätte ja auch immer so blöde Nebenwirkungen...Die Auskunftsfreudigkeit der Zuschauer hielt sich etwas in Grenzen, aber als Luxuslärm nun den Song "Mehr Gewicht" anstimmte, flogen schnell Tüten mit Gummitierchen eines bekannten Herstellers auf die Bühne. Diese Einladung hatte zur Folge, dass Jini schnell einen der Beutel öffnete und den Inhalt mit den Fans teilte. Die Blondine gab gerne zu, eine echte Naschkatze zu sein.

So könnte es immer sein

Alles hat einmal ein Ende und auch das genialste Konzert dauert nicht ewig. Immerhin durften wir ganze zwanzig Stücke von Luxuslärm konsumieren. Die Band zog nach der dritten Zugabe "Yeah, Yeah, Yeah, so könnte es immer sein" den Stecker. Sehr unterschiedliche Songs, gespickt mit einem bunten Mix von Stilelementen. Manchmal wurde es in bisschen Heavy, wenn Metal-Elemente eingestrickt waren, mitunter konnte man ein paar Rammstein Gene heraushören oder der gute alte Skrillex ließ grüßen. Eines war der Abend ganz bestimmt nicht: eintönig. Für mich war es das erste Liveerlebnis mit Luxuslärm, vermutlich aber nicht das letzte. Eine Band, die so perfekt zusammen passt und mit derart viel Bock die Bühne rockt, verdient Respekt. Man könnte auch sagen, es ist "Alles was du willst" - nämlich großes Kino!



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