Wildfires im Modernes

Tue, 21 Jan 2014 13:48:00 GMT von

Gestern besuchte Ivy Quainoo unsere schöne Stadt und trat mit Band und Supportact in der Bremer Neustadt im Modernes auf. Ein Konzert mit wärmenden Wohlfühlakzenten an einem nasskalten Abend.

Mit Spannung erwartete ich die einstige Siegerin der "The Voice Of Germany" Casting-Show. Ihren weiteren Karriereverlauf kann jeder mit etwas Aufwand recherchieren, wer es ganz einfach haben will, liest die bereits auf Magistrix zur Verfügung stehenden Infos. Im September 2013 veröffentliche die Künstlerin mit den ghanaischen Wurzeln ihr zweites Album "Wildfires", mit dem sie derzeit eine kleine Tournee absolviert. Unterstützt wird sie dabei von einigen Mitgliedern der Ruffcats, die viele sicher als Band von Flo Mega kennen dürften. Den Part der Aufwärmphase für das eigentliche Konzert bestritt die blutjunge Nachwuchssängerin Valentina und bediente sich als Begleitung der Band von Philipp Poisel.

Fragen über Fragen

Was machen eigentlich Bandmusiker, wenn der Künstler für den sie hauptsächlich tätig sind, gerade eine Pause einlegt? Spätestens seit dem 20. Januar 2014 habe ich darauf eine Antwort: sie touren mit einem anderen Künstler. So sind beispielsweise Dave und Andie Mette aus der Band von Philipp Poisel an der Seite von Valentina tätig und Drummer Uwe Breunig begleitet mit den Kollegen "Monojo" (Johannes Weisgerber) und Botond Ikvai Szabó, allesamt Ruffcats-Mitglieder, die "Wildfires" Tournee von Ivy Quainoo.

Aber noch eine Frage drängte sich mir am gestrigen Abend auf: was zum Henker macht eine Redakteurin, wenn pünktlich zum Konzertbeginn die Kamera ihren Geist aufgibt? Da ist man bestens vorbereitet, recherchiert alles, kümmert sich um die Setlist, checkt die Speicherkarte, lädt den Akku noch schnell und dann das. Um es vorweg zu nehmen - wieder Daheim stellte sich heraus, dass besagter Akku leer war und ich dummerweise den Ersatz nicht mitgenommen hatte. Wie das passieren konnte, wird ein Rätsel bleiben, denn er war ja eigentlich frisch geladen. Also stand ich wie ein Fragezeichen im Bühnengraben, fühlte mich wie ein Volltrottel und konnte nichts tun, als innerlich zu fluchen. Ergo gibt es Bilder im Kopf und zwei eher mäßige Alibifotos aus dem Smartphone. Doch der Reihe nach…

Stimmliche Überraschung

Relativ pünktlich betrat Valentina mit ihren Musikern die Bühne und überraschte wohl nicht nur mich mit ihrer Stimme. Da stand ein zartes Mädchen mit langer, blonder Mähne unter der Beanie-Mütze und trällerte munter drauf los. Was sich durch mühevolle Recherche vorab über diese junge Singer/Songwriterin ermitteln ließ, war recht spärlich. Nur soviel: Valentina Merkle kommt aus Offenburg im Schwarzwald und trägt kasachische Wurzeln in sich. Zu ihrem noch jungen Leben gehört offenbar ein längerer Australienaufenthalt und ein Studium an der Pop Akademie in Baden Württemberg, das sie als eine von acht Stipendiatinnen aufnahm. Ihr Repertoire umfasst eine Mixtur aus Folkmusik, Indie Folk und etwas Pop. Aus diesem bot sie am Montagabend einige Kostproben an.

Wer sich akustisch mit Valentina beschäftigen möchte, kann das im Internet mittels zweier Youtube Videos tun. Zu ihren Songs "Dreamer" und "Outback" gibt Clips zu sehen. Ersteren sang Valentina auch gestern live. Sie wirkt noch ein wenig schüchtern und benötigt etwas Übung im Umgang mit Publikum, das ja immer auch ein bisschen Smalltalk erwartet. Aber der Gesang von Valentina wirkte durchaus sicher und vermutlich sind nach ihrem letzten Stück "Lift Me Up" einige Zuhörer an den Merchstand geeilt, um sich dort die nagelneue 5-Track-EP, deren Name mir leider unbekannt blieb, zu kaufen. Wer jetzt mehr erfahren möchte, kann Valentina's Facebook-Seite besuchen oder in der Soundcloud stöbern.

Wildfires

Nach einer kleinen Umbauphase ging dann das Hauptkonzert los. Begleitet von Pianoklängen betrat Ivy Quainoo die Bühne. Erster Song: "300 Years" ganz ruhig und schlicht, denn wer verschießt schon sein Pulver gleich am Anfang. Optisch erwartete mich eine interessante Erfahrung, denn im Gegenzug zu den offiziellen Pressefotos, welche mitunter leicht exotisch anmuten, wirkte Ivy in schlichten schwarzen Hosen mit ebensolchem T-Shirt fast unscheinbar. Einziger Eyecatcher ihres Outfits waren opulent glitzernde Schuhe. Es ging allerdings nicht um den Catwalk, sondern um das Livekonzert einer talentierten Sängerin. Eine schmucklose Bühnenausstattung ergänzte das Bild passend, weil außer einem schwarzen Stoff, auf dem in großen Lettern der Name Ivy Quainoo prangte und den benötigten Instrumenten, keine  Ablenkungsmanöver stattfanden. Mit on Stage befanden sich einige Mitglieder der Ruffcats, sowie eine Backgroundsängerin.

Von wegen Glashaus

Als zweiter Titel folgte "After All This Time", der sich durch kräftigen Rhythmus auszeichnete. Noch fand der Gesang im Sitzen statt, doch Ivy hielt es nicht lange in dieser Position. Mit ihrem dritten Lied kam mehr Schwung auf. "Glasshouses" stammt nicht wie die anderen beiden Songs vom aktuellen Album "Wildfires", sondern vom Debüt "Ivy". Dazu erzählte sie, dass der erste Liveauftritt dereinst in der ZDF-Sendung BAUHAUS stattfand, immerhin auch bereits fast ein Jahr in der Vergangenheit am 11. Februar 2013. So langsam kam nun Bewegung im Publikum auf, das sich durch einen seltsam hohen Altersdurchschnitt auszeichnete. Hätte man mich vorab gefragt, ich hätte diesen bei Mitte bis Ende Zwanzigjähriger vermutet. In Wirklichkeit konnte man recht viele Fans der mittleren Jahrgänge sehen. Vielleicht lag es an dieser Tatsache, dass das Stimmungsbaromater ein wenig träge reagierte - das hatte ich woanders schon lebhafter gesehen. Als jedoch "Paint Your Love" angestimmt wurde, lebte der Saal auf. Nun wurde mitgeklatscht und das Eis begann zu tauen. Dieser Song hat natürlich seine Ohrwurmqualitäten und mit den eingefügten Orgeleffekten, bekam man eine Art Gospel-Feeling präsentiert. Dass der Refrain auf ein textsicheres Publikum traf, muss nicht extra hervor gehoben werden. Ab jetzt begann nicht nur mir der Abend richtig Spaß zu machen.

Drummergirl

Gleich neben Ivys Mikroständer befand sich eine eigene Trommel und diese kam im Stück "Cursed By You" zum Einsatz. Die 21-Jährige kann mehr als gut aussehen und toll singen - sie hat den Rhythmus im Blut und lebt dies auch aus. Jetzt kam erstmals auch das komplette Drumset von Uwe Breunig ins Spiel. Immer wieder unterhielt die ehemalige Casting Kandidatin die Zuhörer mit kleinen Geschichten rund um die Entstehung ihrer Musik und so legte sie uns, bevor sie erneut sang, das Video zu "Atomic" ans Herz. Für Ivy eines ihrer liebsten und hier zu sehen. Jetzt erklangen ordentliche Beats, die vom Ohr erfasst, den Befehl an die Beine leiteten "los tanze!" Das blieb auch so, als es poppig mit "Super Natural" weiterging. Die Raumtemperatur begann weiter zu steigen und damit der allgemeine Stimmungspegel. Es machte Freude das Spiel zu verfolgen.

Erwachsen

Ivy Quainoo bewies, dass sie eindeutig ihren Kinderschuhen entwachsen und eine ernstzunehmende Künstlerin geworden ist. Ihre Stimme ist vielseitig, von laut über leise zu tief und hoch. Fast alle Bereiche kann sie scheinbar mühelos abdecken. Lediglich die ganz dunklen Tönen gehören nicht dazu, vermutlich NOCH nicht. Denn sie wird bestimmt weiter daran arbeiten, bei ihrem allgemein bekannten Ehrgeiz. Sehr schön zu beobachten war die Freude auf Seiten der Bandmusiker. The Ruffcats sind halt Vollprofis, das kennen wir ja schon, wenn sie mit Flo Mega unterwegs sind.

Sie gaben gestern alles und ließen tüchtig Dampf ab. Ausgestattet mit reichlich Percussion, Kontrabass, Drumset, Gitarren und Keys ging es rund im Saal. Irgendwann waren die Menschen alle in Bewegung. Die einzige Person, von der ich den Eindruck hatte, dass sie nicht ganz zufrieden war, war die Backgroundsängerin. Vielleicht hätte ihr ein Solopart gut getan. Dabei hätte sich sie verausgaben können, wie Ivy in ihrem Stück "Burial". Wie gemacht, um zu zeigen welche Leistung sie bringen kann. Mal laut, dann wieder sanft und zurück in die rauen Tonlagen.

Halbleer

Mit "Empty" war mehr als die Hälfte der zu singenden Lieder erreicht und kündigte eine Verschnaufpause an, mit seinem Balladencharakter. Danach wagte man sich an ein, wie Ivy es erklärte,  live schwer zu performendes Stück heran. "Hey Ceasar" hätte ein bisschen Kopfzerbrechen verursacht, weil es sehr kompliziert zu spielen sei. Allerdings hätten sie eine Lösung und die Zuhörer die Chance auf einen weiteren Song vom "Wildfires" Album. Man könne zwar die Harfe nicht sehen, aber in Form eines Samplers wurde sie hörbar und Ivy Quainoo durfte erneut Hand an die Sticks legen und trommeln.

Danach wurde es wieder rockiger mit "Walk Man", was begeistertes Mitklatschen und Tanzen zur Folge hatte. So mag ich es am liebsten, weil dann das besondere Flair von Livemusik spürbar wird. Unwillkürlich schwirrte mir beim nächsten Song "Come On Baby, zeig mir dein Dancing Dynamite" durch den Kopf. Das Lied bestach durch seinen mitreißenden Beat, klang ein bisschen jamaikanisch und regte dazu an, die Hüfte kreisen zu lassen. Wir wurden dann zusätzlich gebeten in die Hocke zu gehen und auf Kommando wie wild zu springen. Entzogen haben sich dieser Sporteinlage nur wenige.

Do You Like It?

Und dann erklang endlich ihr erster Hit "Do You Like What you See" und die Hütte ging im übertragenen Sinne in Flammen auf. Witzig war, dass sich kurz vor Ende dieses Songs, bei dem kräftig mitgesungen wurde, die Richtung änderte. Der letzte Refrain wurde von Ivy vor dem Wort "see" ausgebremst und in herrlichen Bluesgesang verwandelt, der dann sanft und gefühlvoll mit "do you like what you see" endete. Mit dem Stück "Wildfires" endete schließlich der offizielle Teil. Nach kleiner Pause legte das Ensemble noch drei Zugaben nach.

Encore

Ivy Quainoo ist noch immer stolz und dankbar, dass sie bei "The Voice Of Germany" mit Florence And The Machine singen durfte. Ihr gemeinsames Lied "Shake It Out" durfte darum gestern nicht fehlen und war mit seinem folkig-poppigen Sound ein gelungener "Absacker" zum Konzertende. Ganz deep wurde es stimmlich dann noch mal bei "You Dont't Know Me Now", einer gefühlvollen Ballade mit kräftigen Beats und nach "You Got Me" war dann tatsächlich das Ende eines schönen Auftritts gekommen.

Ich muss, gestehen, dass ich sehr positiv überrascht wurde von einer zwar noch jungen, aber durchaus gereiften Sängerin. Wenn Ivy Quainoo weiterhin den gleichen Enthusiasmus an den Tag legt, wie seit ihrem Debütalbum, dürfte ihr eine grandiose Karriere bevorstehen. Singen kann sie jedenfalls in diversen Tonlagen und dass sich ihr Engagement beim Texten neuer Stücke positiv auswirkt, kann man ebenfalls bestätigen. Weiter so!



2 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

22. Januar, 15:07 Uhr
von Mokdo

Ja, Frau Quainoo geht auf KLEINE Tournee. In Dortmund ist die Halle ( FZW 1200 Plätze ) , noch nicht einmal ausverkauft.

21. Januar, 15:41 Uhr
von Musik auf die Ohren

Guter Artikel.