Heute ist für immer im Kulturzentrum Lagerhaus

Mon, 04 Nov 2013 12:11:00 GMT von

Am Freitagabend startete Tonbandgerät zusammen mit Petterson im Bremer Lagerhaus die "Heute ist für immer Tour 2013". Für beide Bands war es sein durchaus gelungenes Debüt.

Sie haben es nicht erfunden, aber die Idee gerne aufgegriffen: Tonbandgerät rief im Vorfeld ihrer Tournee Nachwuchstalente auf, sich als Supportact zu bewerben. Die vier Hamburger sichteten daraufhin massenhaft Demos junger Musiker aus den jeweiligen Regionen der kommenden Auftrittsorte ihrer "Heute ist für immer Tour 2013". Mehr als 200 Bewerbungen gab es, von denen am Ende 20 ausgesucht wurden, um ein Konzert von Isa, Sophia, Ole und Jakob anzuheizen. Tourstart war am vergangenen Freitagabend in Bremen, bei dem das dort beheimatete Quartett Petterson sein Debüt feierte.

Einmal ist immer das erste Mal

Für Petterson war der 01. November 2013 im doppelten Sinne ein Debüt. Nicht nur, dass sie das allererste Konzert der allerersten richtigen Tour von Tonbandgerät eröffnen durften, es war gleichzeitig auch ihr eigener erster Aufritt vor einem richtigen Publikum. Damit der nicht in die Hose gehen konnte, haben die Jungs vorab fleißig geübt und sich einen ausgewachsenen Fanclub mit in das Lagerhaus gebracht. Ich muss zugeben, dass sie ihre Feuertaufe recht gut hinter sich gebracht haben.

Routiniert betraten sie gegen 20:30 Uhr die Bühne und legten los. Fast wie alte Hasen plauderten sie mit ihrem Publikum und hatten insgesamt sieben Stücke als Kostprobe ihres Könnens im Gepäck. Wer vorab schon von den vier Musikern gehört hat, kennt möglicherweise ihre im August veröffentlichte selbstbetitelte EP. Die drei darauf enthaltenen Songs "Die Musik", "Leuchtturm" und "Sturm in der Stadt" wurden ebenso vorgestellt wie die Songs "Gleis7", "Der Koffer", "Zweifel" und "Auf das, was war".

Mischpult

Zwischendrin traf Sänger Mathias Lam ein paar Töne nicht ganz, aber wer würde ihm das bei aller Nervosität nicht nachsehen. Viel unangenehmer für meine Ohren war die Tatsache, dass die Instrumente, im Vergleich zum Gesang zu laut abgemischt wurden. Höhen, wie auch Bässe strapazierten Hammer und Amboss schon ziemlich - das hätte die Tontechnik sicher besser austarieren können. Möglicherweise war am Mischpult aber auch ein Newcomer am Werk, das habe ich nicht erfragt.

Was mir an der Musik von Petterson selber nicht ganz so gefallen hat, ist dass sich die Stücke alle relativ gleich anhörten - das mag aber Geschmacksache sein. Insgesamt ziehe ich meinen Hut vor David (Drums), Henrik (Bass), Max (Gitarre und Gesang), sowie Mathias als Sänger und Gitarrist. Für einen allerersten Auftritt habe sie sich wacker geschlagen und ihrem Bremer Fanclub an diesem Abend eine große Freude gemacht.

Umbauten

Gegen 21:30 Uhr waren die nötigen Umbauarbeiten beendet und Adam Basedow, den Eingeweihte schon als Akkordeonspieler bei Tonbandgerät kennen, gab nach ausführlichem Soundcheck die Bühne für die eigentlichen Stars des Abends frei. Hier war dann gleich richtig was los. Die vier Hamburger wurden freudig empfangen und hauten ordentlich auf die Felle beziehungsweise in die Saiten. Ole Specht am Mikro, kennt der Fan nicht bloß als Stimme der Band, er plaudert auch sehr gerne mit ihnen. Berührungsängste kennt er nicht und braucht offenbar auch kein Warming-Up um in Stimmung zu kommen. Ole ist ein fröhliches Kerlchen, das schnattert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und das ständig auf der Bühne hin und her flattert. Ich, die ich  mit der Kamera vorne an der Bühnenkante darauf spekulierte, ein bisschen von der Konzertatmosphäre in Bildern einzufangen, hatte meine liebe Mühe Ole halbwegs scharf auf den Chip zu bannen. Die Fotoserie zu diesem Bericht verschafft trotzdem einen Einblick, was es zu erleben gab.

Leichter Leerstand

Es war am Freitag nicht ganz voll im KIOTO, vermutlich weil es sich um einen Zusatztermin der "Heute ist für immer Tour" handelte. Ursprünglich sollte Tourauftakt erst einen Tag später sein, doch weil das Konzert am 2. November sofort ausverkauft war, entschied man sich einen weiteren Auftritt in der Hansestadt zu absolvieren. Das ehrt uns als Bremer natürlich, dass wir diesen Sonderstatus bekamen. Sämtliche Hardcore-Fans dürften sich jedoch, als der erste Termin bekannt wurde, für den Samstag ihre Tickets gekauft haben, so dass es für den vorgezogene Auftritt noch Karten an der Abendkasse gab.

Es gingen offensichtlich nicht alle Tickets weg, weil das Lagerhaus am Ende nicht ganz voll war. Die Band hat das ebenso wenig gestört, wie das anwesende Publikum. Die Stimmung war sehr entspannt auf beiden Seiten und gleichzeitig ausgelassen. Bedenkt man, dass die Band noch gar nicht so lange über einen großen Bekanntheitsgrad verfügt, war es umso schöner zu erleben, mit welcher Hingabe mehrere Hundert Menschen an den Lippen des Sängers hingen und seinen Animationsübungen willig folgten. Bei fast allen Stücken waren die Fans komplett textsicher und tanzten nur zu gerne nach Oles Pfeife.

Heute ist für immer

Wenn man sich den Namen der Tour vorstellt, der ja gleichzeitig wie der Song "Heute ist für immer" heißt, dann kann man daraus etwas ähnliches wie ein Mantra ableiten. Im Hier und Jetzt zu sein, zu feiern, als gäbe es kein Morgen - das wurde am ersten Novemberabend 2013 zelebriert. Egal ob "Halbmond", "Hirngespenster", das sich nach Auskunft von Ole zum Lieblingslied der Band entwickelt hat oder "Irgendwie anders", die Luft knisterte im Saal und es wurde aus Leibeskräften mitgesungen.

Die meisten Songs von Tonbandgerät sprühen vor Energie und nur wenige, wie beispielsweise "Mit dieser Welt allein" schippern durch ruhigere Fahrwasser. Apropos Fahrwasser: ein wenig maritimes Ambiente verschafften zwei große Papierschiffe rechts und links an der Bühnenkante, sowie ein mit schwarzem Klebeband aufgebrachtes Schiffchen auf dem Drumset. Alle drei wurde farbig von innen beleuchtet und ergaben eine stimmungsvolle Bühnendeko. Die kleinen Wasserfahrzeuge gehörten in eine Textzeile des Liedes "Auf drei", in der es heißt …"Wir wollen Schiffe aus Papier, die niemals sinken. Die uns tragen und im Nebel blinken".

Kindheitsträume

Für einen Tourauftakt war das Konzert am Freitagabend schon mal sehr gelungen. Wie bei der Premiere eines Theaterstückes, haben die Darsteller schließlich noch keine Routine in dem was sie spielen. Mit ihrer sehr natürlichen und unverkrampften Art haben Ole, Sophia, Isa und Drummer Jakob die Fans aber von der ersten Sekunde an gepackt und aus dem Auftritt ein gemeinsames Spiel gemacht. Zwischendrin gab es ein paar nette Geschichten zu hören, wie die vom eigenen allerersten Bühnenauftritt, den Oles Mutter nicht nicht ganz so prickelnd fand, obwohl sie sich angeblich sonst immer für alles begeistern kann, was ihr Sohn so treibt.

Oder die Info, dass sich alle Bandmitglieder Stück für Stück Kindheitsträume erfüllen. Damit, so wurde erklärt, seien die Dinge gemeint, die man als Kind gerne getan oder gehabt hätte, es aber nicht durfte. Einer dieser, inzwischen verwirklichten Träume, sei auch ein eigener Kaugummiautomat gewesen. Der Inhalt desselben hätte für Bauchweh gesorgt, weil alle zuviel von den Kaugummis gekaut hätten, darum würde man darin nun Buttons für die Fans zum Verkauf anbieten.

Klebetattoo

Ein weiterer großer Wunsch sei der eines Tattoos, doch würde ihnen der nötige Mut noch fehlen. Ein gemeinsamer Freund, der als Tätowierer arbeitet, hat darum auf ihr Bitten hin, Klebetattoos hergestellt, die die Band nun ganz toll fände. Zu sehen bekamen wir die Motive bei keinem der Bandmitglieder. Allerdings hätte man die Chance gehabt, das Tatoo in gestochener Weise auf Philips Haut, so der Name des Tätowierers, zu bewundern, denn er leitete am Freitag den Merchstand.

Fremde Städte

Inklusive Zugaben performte Tonbandgerät am Freitag 15 Songs, dann war die Show vorbei. Als erstes Extra gab es "Superman", das von vielen "Feuerzeugen" mittels moderner Smartphonetechnik begleitet wurde. Danach folgte "Mal mich" und schließlich wurde der Special-Guest des Abends, Adam Basedow, auf die Bühne geholt. Adam ist ein guter Freund der Band und durchaus nicht immer bei ihren Auftritten dabei. Laut Aussage von Ole Specht, spielt Adam das Akkordeon besser als der verstorbene Opa des Sängers. Ole entschuldigte sich dann für seine Anmerkung lieber bei seinem Großvater, sollte dieser vom Himmel aus zugehört haben.

Ich hatte offenbar Glück, dass ich bei meinem zweiten Tonbandgerät-Konzert die Virtuosität von Adam auf dem Akkordeon erneut erleben durfte. Als die Band im Sommer auf der Breminale spielte, hatten sie ihren Gast nämlich ebenfalls im Gepäck. Also fuhren wir zum Abschied noch auf den  "Ozean" hinaus, bevor sich alle auf den Heimweg machten. Manch ein Konzertbesucher musste vielleicht noch bis in mir fremde Städten reisen, ganz sicher tun das allerdings die Protagonisten der Musik vom Band während ihrer "Heute ist für immer Tour 2013". Die vier Mitglieder von Tonbandgerät haben einen kalten Novemberabend verschönert und sind in unserer Stadt an der Weser immer wieder herzlich willkommen.



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