Partystimmung im Tower oder Abby 2.0

Thu, 10 Oct 2013 13:45:00 GMT von

Am gestrigen Mittwochabend besuchte die beinahe beste Band der Welt (Platz eins ist ja schon ewig von den Ärzten beschlagnahmt) den Bremer Tower. Die Bühne hat den Auftritt von Abby überlebt.

Derzeit beweisen Filou, Tilly, Henne und Lorenzo, gemeinsam bekannt unter dem Namen Abby, dass sie es als Live-Act drauf haben. Seit mehr als zwei Wochen touren die Jungs quer durch die Republik und bringen sich und das Fan-Volk zum kollektiven Schwitzen. Die Hansestadt an der Weser kannten sie schon und fühlten sich gleich ein bisschen heimisch.

Vorband Children

Zwei blonde Mädels und ein ebensolcher junger Mann bilden das Trio Children. Allesamt ehemalige Musikschüler und Gymnasiasten aus Neustrelitz. Seit 2010 gibt es Children und obgleich die Drei bislang eher zum Spaß ihre Instrumente und Stimmen eingesetzt haben, blieb ein gewisser Erfolg nicht aus. Im Sommer letzten Jahres erschien die EP "No Future", ein Debütalbum soll demnächst folgen. Erste Studioaufnahmen gab es dafür bereits im April, aber ein umfangreicher Tourplan, vielfach als Support, trug dazu bei, dass das Album noch nicht fertig wurde. Gestern Abend erwähnte die Band allerdings die baldige Veröffentlichung.

Tanzbar und angenehm

Eine gute halbe Stunde lang boten sie im Tower einen Überblick ihres Könnens dar. Gut gestylter Indie-Elektro-Pop ist die Bezeichnung, welche ich für ihre Musik passend finde. Von Keyboard, Gitarre, Querflöte und Bass unterlegt, sangen Steffi Tesch und Laura Daedelow, sie versuchten damit den Fanblock für Abby vorzuglühen. Ihr persönlicher Hahn im Korb, André Heldt, rundete das Bild passend ab. Angenehm und auch tanzbar kann man ihre Stücke nennen, aber mit dem Feuer, dass der Hauptact des Abends noch zünden sollte, nicht zu vergleichen.

Children sind talentierte Musiker, sie brauchen aber noch mehr Erfahrung damit, wie man Zuschauer auf eine Reise mitnimmt. Gut, dass Bands wie Abby ihnen diese Chance geben. Es heißt ja nicht umsonst: Übung macht den Meister. Mit ihrem Song "Riot", der auch auf dem Debüt zu finden sein wird, verabschiedete sich das Trio und sammelte zügig sein Equipment ein, damit Abby loslegen konnte.

Abby 2.0

Eines haben die Jungs von Abby und ich gemeinsam: wir hatten gestern unser zweites Date. Die Vier waren bereits auf der diesjährigen Breminale im Juli aufgetreten, da erlebte ich sie das erste Mal live und war umgehend infiziert. Nicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt für mich eine unbekannte Band waren, ich hatte sie bereits mehrmals redaktionell beschrieben, aber on Stage war es meine Premiere. Meist gibt es bei Musikern einen großen Unterschied zwischen der Studio- und der Live-Variante.

Das Thema wurde speziell in diesem Fall, aber schon mehrfach erörtert und sicher ist, dass die Jungs auf beiden Gebieten Meister sind. Die Breminale bot allen Besuchern im Sommer 2013 ein riesiges Angebot diverser Musiker und das zudem seit gefühlten hundert Jahren endlich mal bei warmem und trockenen Wetter. Dementsprechend gutgelaunt war das Publikum damals und ging quasi ab wie Schmidt's Katze als Abby auf der Zeltbühne loslegte. Mit diesen Erinnerungen im Kopf, hatte ich mich gestern auf den Weg zum Tower gemacht.

Umbau für die Party

Bis die Band ihr gesamtes Equipment auf die Bühne geschleppt und den Soundcheck hinter sich gebracht hatte, verging ein wenig Zeit. Ich verbrachte diese einerseits damit, den beschäftigten Tilly anzusprechen, nach der Show doch bitte daran zu denken, dass man mir die Setlist zukommen lässt (das war so vereinbart worden) und andererseits frönte ich dem Smalltalk mit einem weiblichen Fan. Dabei wurde mir schnell klar, dass echten Fans kein Weg zu weit ist, um mit ihrem Idol gemeinsam zu feiern. Ich lernte mal eben Charlotte und Fritz aus Lüneburg kennen. Sie hatten noch eine Freundin aus Braunschweig mitgeschleppt, weil diese unbedingt mal ein Konzert von Abby miterleben sollte.

Charlotte glühte vor Begeisterung und wurde nicht müde zu betonen, dass sie doch schließlich mit Tilly zusammen aufgewachsen sei. Gut ja, nicht so richtig, weil er ja auch ein paar Jahre älter sei als sie, aber als sie kürzlich in Hamburg auf dem Konzert war, erkannte der Gitarrist sie nach 13 Jahren sofort wieder. Später, während des gestrigen Konzerts konnte ich beobachten, dass Charlotte als eingefleischter Fan absolut textsicher mitsingen konnte. Von dieser Sorte gab es im Tower allerdings etliche, was die Band sicher von oben auch bemerkte. Als das Konzert später endete hatten sich Charlotte und ihre Freundin längst bis an die Bühnenkante vorgearbeitet und sahen sehr begeistert aus.

Mehr als ein Dutzend

Alle Mitglieder von Abby sind nicht nur fantastische Musiker, sie sind auch sehr nett und lieben ihre Fans. Tilly, strahlte, als er von mir angesprochen wurde wegen der Setlist, trotzdem platzte der Deal. Nein, ich ärgere mich nicht, denn ich konnte sie ganz nebenbei abfotografieren, nachdem einer der Rowdies ein Exemplar auf den Bühnenboden geklebt hatte. Ich verstehe sehr gut, dass man nach 14 Songs mit vollem Körpereinsatz derart mit Adrenalin vollgepumpt ist, dass man eine solche Kleinigkeit nicht mehr auf dem Schirm hat. Der gute Wille zählt schließlich auch.

Friends and Enemies

Im Grunde spielten die Jungs gestern einmal ihr aktuelles Album "Friends & Enemies" ab, nur in anderer Reihenfolge. Den Anfang machten "This Songs Remains Throug All" und "Streets", gefolgt von "Blood & Water". Sie steigerten langsam die Dosis und sorgten dafür, dass niemand stimmungstechnisch auf der Strecke blieb. Selbst untereinander sorgten die Musiker dafür, dass es ein rundes Erlebnis werden konnte. Gitarrist und Cellist Tilly scheint überhaupt die Rolle des Strahlemanns für sich zu reklamieren. Lorenzo, der an den Keys mit allen Fasern bei der Sache war, wirkte anfangs ein wenig introvertiert und ernst. Das schien den Kollegen nicht zu behagen, weshalb Filou und Tilly immer mal wieder zu Lorenzo rüber schauten und ein paar Faxen veranstalteten, zwecks Ansteckung. Die Manöver gingen auf und mit jedem Stück bekam ihr Keyboarder ein freundlicheres Gesicht. Der Mann am Schlagzeug, Henne, saugte die Stimmung der Kollegen einfach auf und so profitierten alle Anwesenden von der fanstatischen Harmonie der Band. Nachdem mit "Karma", Calypt" und dem wunderschönen "Like Kings" bereits ein großer Bogen geschlagen war, ging mit "Evelyn" die Post ab.

Erinnerungen an den Sommer

Als dieser Song verklungen war, erzählte Filou, wie schön sie es doch alle im Sommer auf der Breminale gefunden hätten. Er fragte wer damals dabei war und es wurden etliche Arme in die Luft gereckt. Dem Rest erklärte Filou, dass sie im Juli die Fans aufgerufen hatten mit auf die Bühne zu kommen. Nach anfänglichem Zögern, kletterten ganze Scharen hoch zur Band. Ich erinnere mich an dieses grandiose Bild, ein Foto aus dem damaligen Bericht dokumentiert das. Für diese Aktion gab es seinerzeit vom Veranstalter harsche Kritik, weil immerhin die Bühnenkonstruktion hätte einstürzen können.

Der Sänger erklärte, dass sie vorhätten noch so 16 bis 17 Gigs im Tower zu spielen und darum lieber nicht das Abrisskommando geben wollten. Schade eigentlich, aber die Bühne im Tower ist eh recht klein, man hätte sicher nicht mehr als 10 Fans unterbringen können. Zur leichten Abkühlung der Gemüter ging es dann erstmal sanfter mit "Annie" weiter.

Since we moved on

Von ihrer einstigen EP "Since We Moved On" spielten Abby gestern das Stück "Again" und kamen dem Ende der Show deutlich näher. Weiter gings danach mit "Wings & Feathers" sowie "Calm Down". Nach diesem Stück folgte endlich mein aktueller Lieblingssong "Monsters". Unbedingt noch zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die Videoleinwand hinten an der Bühne. Auf jener wurden während des gesamten Konzerts passende Clips und Bilder dargestellt.

Zu "Monsters" zeigte man uns den neuen Videoclip des Künstlers Pooya Abbasian. Wir berichteten erst vor wenigen Tagen über dieses außergewöhnlich gelungene Artwork. Kann man im Kreis strahlen? Ich glaube mir gelang es gestern. Nach diesem fulminanten Höhepunkt sollte Schluss sein, allerdings nur vorerst. Für eine knappe Zigarettenlänge stahlen sich die Jungs von der Bühne und schnappten Luft. Bald aber erlagen sie den Rufen der Fans nach einer Zugabe. Filou und Tilly kehrten als erste zurück.

Geburtstagwünsche

Filou erklärte, dass er den Auftrag erhalten habe einem anwesenden weiblichen Fan zum Geburtstag zu gratulieren - ein paar Noten von "Happy Birthday" erklangen, dann wurde es still, bevor der Sänger seine Stimme für "Feedback" einsetzte. Nun aber sollten die Zuhörer selber zeigen, was sie drauf hatten. Mitsingen, oder besser alleine singen lassen ist eines Spielchen, die man regelmäßig auf Konzerten mitmachen kann. Die Band war gestern mit dem Ergebnis zufrieden, angeblich war Köln ganz gut, aber Bremen sei wundervoll und schön laut. Komplimente hörten die Bremer und Besucher gerne. Und dann kam, was kommen musste - der definitiv letzte Song.

Alle nochmals gemeinsam zurück an die Instrumente und das letzte Hemd geben, lautete das unausgesprochene Motto. Gespielt wurde "Riddles" und als der Song endete, kochte der Saal endgültig. Eigentlich hätte es nun noch endlos weiter gehen können, aber die Zeit war um, die Band klatschnass geschwitzt und irgendwie erschöpft. Wer seit über zwei Wochen jeden Abend ein Konzert gibt, braucht sicher auch seine Pausen dazwischen. Letzter Akt war das obligatorische Foto mit den Fans vor der Bühne und schon verschwanden Lorenzo, Henne, Tilly und Filou von der Bildfläche. Sie haben versprochen, dass sie wiederkommen und wir nehmen sie beim Wort!



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