Mrs.Greenbird: Folk fürs Volk auf der Breminale

Mon, 15 Jul 2013 15:41:00 GMT von

Die Breminale 2013 legte ihre Konzerthöhepunkte auf den vergangenen Samstag. Unsere Redaktion hielt sich am 13. Juli erneut im Zelt von Bremen vier auf, um einige Häpppchen für euch zu fangen. Im Cacher befanden sich nach dem Besuch Mrs. Greenbird und Roman Lob.


Wir hätten ein ganzes Geschwader von Mitarbeitern gebraucht, um euch von sämtlichen lohnenswerten Acts berichten zu können. Die Realität sah anders aus, weshalb wir uns stark eingeschränkt haben. Unsere Wahl fiel für den Samstag auf Mrs. Greenbird und unseren ehemaligen Star für Baku Roman Lob. So unterschiedlich sie beide sein mögen, sie erreichten mit ihren Songs viele Menschen auf den Wiesen am Osterdeich und sorgten bei den Zuschauern für wohlige Schauer. Wenn wir in unserer Stadt zum einen das 25. Jubiläum der Breminale feiern und sich Petrus hinreissen läßt, seinen Beitrag zu leisten, kommen die Binnen- und Butenbremer gerne Schaarenweise vorbei. So glich es einem Künststück sich ein Plätzchen im Zelt oder auf den Deichwiesen zu ergattern und den Klängen zu lauschen, die es umsonst zu hören gab.

Mrs.Greenbird

Die Bühnendeko versetzte umgehend in frühlingshafte Stimmung. Grüne Teppiche, die als Rasenimitat dienten, bunte Blumengirlanden um die Mikrofonständer gewickelt, dazu Gartenstühle und der obligarorische grüne Papagei. Wer das Duo kennt, weiss, dass all diese Dinge zu ihrem Auftritt dazu gehören. Weil es auf der Breminale zackig zugeht, beim Wechsel von einem Künstler zum nächsten, bekam man nur die Sparversion zu sehen.

Ich war noch nie zuvor in einem Konzert von Sarah Nücken und Steffen Brückner, aber so wie sie es dem Publikum erklärten, muss es sonst wie in der Gartenabteilung des nächsten Baumarkts aussehen. Da fühlte man sich gleich ein wenig entspannter als, man es vielleicht eh schon tat. Mit wunderschöner Stimme und einem Outfit, dass an Flower-Power Zeiten erinnerte legten die zwei denn auch los. Zeit zum Verplempern gab es auf der Breminale bei keinem Künstler.

Schön nah

Eine recht intime Atmosphäre stellte sich schnell im Zelt ein, so groß wie eine Konzerthalle war es schließlich nicht und die bunten Planen in Anlehnung an Zirkuszelte, vermittelten ein heimeliges Gefühl. Eine zarte kleine Frau und ein großer stattlicher Mann betraten die Bühne und die Menschen versanken im Glück. Mrs. Greenbird wurden durch die Casting-Show "X Factor" berühmt, denn sie gewannen dort im letzten Herbst mit ihrem Song "Shooting Stars & Fairy Tales". Im November 2012 stürmte erst dieser und im Folgemonat dann das Debütalbum des Duos die Charts. Am Samstagabend sangen Sarah und Steffen als Auftakt ein Alex Clare Cover: das Stück "Too Close" und damit flog ihnen bereits ein Großteil der Herzen zu und auch einige Rosn auf die Bühne.

Happy Time

Mrs. Greenbird hatten für die Live-Show noch zwei weitere Musiker mitgebracht. Zum einen sorgte Jens Dreesen am Schlagzeug für genug Rhythmus und Christoph Herder begleitete das Duo mit dem Kontrabass und anderen Saiteninstrumenten. Zwischen den Musikern herrschte ein ausgeglichenes Klima und diese entspannte Stimmung übertrug sich eins zu eins auf die Zuhörer. Alle waren gut gelaunt. Schließlich war Samstagabend, die Sonne lachte noch vom Himmel, es war Ferienzeit und überhaupt, warum sollte man nicht einfach mal ohne seine Sorgen aus dem Haus gehen uns Spaß haben? Da kamen zwei Musikanten wie Sarah uns Steffen genau richtig mit ihrer Mischung aus Pop, Country und Folk. Ein bisschen kam man sich wie nach einer Zeitreise in die Endsechziger vor. Deko, Kostüme, Sound - alles mit einem Hauch Flower-Power.

Es regnete Rosen

Die Stücke stammten bis auf wenige Ausnahmen vom Debütalbum "Mrs.Greenbird", beispielsweise das Madonna Cover "Frozen". Die US-Künstlerin hat untersagt, diese Version mit auf das Album zu nehmen. "Aber wer ist schon Madonna?" fragte Steffen das Publikum. Andere Bands wie die Ramones zeigten sich kooperativer und erlaubten die Überarbeitung ihres Songs "Blitzkrieg Bop" und die Veröffentlichung auf dem Album von Mrs. Greenbird. Das Konzert umfasste ungewwöhnlich viele Stücke, vielleicht dachten die Veranstalter, dass man am Samstag etwas mehr Zeit für jeden Künstler einräumen sollte.

Das blumige Duo durfte sich daher umso länger an den auf die Bühne fliegenden Rosen erfreuen, obwohl sie "It Will Never Rain Roses" performten. Weitere Stücke an diesem Abend waren "After All" und "One Little Heart", zu dem es auch ein nettes Making-Of-Video gibt, das in einer eisigen Fabrikhalle gedreht wurde. Richtig fetzig wurde es bei "You're The One That I Want" aus dem Musicalfilm "Grease". Ihren Gewinnersong der Castingshow "Shooting Stars & Fairy Tales" gaben sie selbstverständlich auch zum Besten, ebenso wie "Box Of Colors", "Creep", "Falling Slowly" und einige andere. Das frühere Goldkehlchen und ihr Mann mit Hut zeigten sich entzückt vom Bremer Publikum und verabschiedeten sich mit ihrer Lieblingsschnulze "It' s Always You".

Unser Star für Baku

Der Umbau für das Konzert von Roman Lob gestaltete sich entsprechend aufwändig, da Mrs. Greenbird wie erwähnt, einiges an Deko mitgebracht hatte. Trotzdem konnte der smarte Düsseldorfer recht pünktlich mit seiner Show anfangen. Nachdem die Radio Bremen Vier Moderatorin Christine Heuck ihn angekündigt hatte, erschienen zunächst alle Bandmitglieder auf der Bühne, bevor der Star des Abends hinzu kam. Mit "Changes" ging es auch gleich ordentlich rund. Roman hatte eine gut bestückte Setlist im Gepäck, die, weil sie gut sichtbar an der Bühnenkante lag, von mir gleich mal abgelichtet wurde. Damit stand fest, dass die Fans sich auf 14 Stücke des Gute-Laune-Sängers freuen konnten. Beinahe alles Songs, die man vom einstigen Casting-Kandidaten kennt, wurden der feierwilligen Meute angeboten.

Make Us Smile

Eines merkt man Roman Lob sofort an: er hat Spaß an dem was er tut. Er ist ein Typ, ein Kumpel und sehr höflich. Mir, wie möglicherweise vielen anderen am vergangenen Samstag war er bisher nur durch die Mattscheibe begegnet. Schon dabei spürte ich immer diese besondere Aura, die wohl mit dazu beitrug, dass er Anfang 2012 in der Show "Unser Star für Baku" schnell zum Favoriten wurde. Irgendetwas an dem 23-Jährigen ist magisch. Ich habe noch nicht herausgefunden was es genau ist. Es muss mit seinen braunen Funkelaugen, dieser Suche nach Nähe zum Publikum und der wandelbaren Stimme zu tun haben. Wenn jemand von euch die Antwort kennt, bitte verratet sie mir. So jedenfalls stand ich, wie all die anderen Menschen, im Zelt und um das Zelt herum, einfach nur da mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Und dann sang er auch noch "Make You Smile", stimmt.

Musikalischer Flummi

Zuhören ist eine Sache, fotografieren eine andere. Roman Lob zu fotografieren, während er singt, ist eine Herausforderung. Mir liegt eine Beschreibung auf der Zunge, die es vielleicht verdeutlicht: Roman ist wie ein Flummi mit ADHS. Trotzdem sind eine Handvoll Fotos übrig geblieben von den vielen Hundert Fehlversuchen. Wie haben die Pressefotografen vorm digitalen Zeitalter das eigentlich gemacht? Wurden Sänger während der Show unter einem Spot am Marterpfahl angebunden? Aber ich bin Roman nicht böse, er hat am 13. Juli sehr viele BremerInnen und Gäste der Stadt glücklich gemacht.

Man konnte auch nach Konzertende kaum einen Fuß vor den anderen setzen, ohne dabei vielleicht auf eine Bierflasche oder die Hand, die sie hielt zu treten. Ein einziges Menschenmeer bot sich dar am Osterdeich. Drinnen im Zelt flippten Jung und Alt aus bei "After Tonight" oder dem Rihanna-Song "Don't Stop The Music". Natürlich gab es auch "Use Somebody" von den Kings Of Leon oder "First Time" auf die Ohren. Der absolute Höhepunkt war trotzdem das Stück mit dem Roman unser Land im Mai 2012 in Baku vertrat. Als "Standing Still" ertönte, taten die Menschen das genaue Gegenteil, indem sie tanzten und die Ersatzfeuerzeuge (Smartphones) schwenkten. Als Zugabe schmetterte er noch "Lose Somebody" und verschwand dann, wie alle übrigen Stars vor und nach ihm, im Backstage-Bereich. Danke, Roman für eine gute Stunde außerhalb des Alltags. Danke, für gute sechzig Minuten Spaß im Kollektiv, du darfst gerne wieder nach Bremen kommen.
 



2 Kommentare

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Annette
16. Juli, 14:43 Uhr
von Annette

Wo bitte ist denn in dem Bericht die Rede von der Flutbühne? Beide Konzerte fanden im Bremen Vier Zelt statt

16. Juli, 12:06 Uhr
von trololololoolol

Falsches Zelt, Auf der Flutbühne(Funkhaus Europa) warn die Madmonks ;)