Laing: Party an der Weser - die Breminale rockte alles

Mon, 15 Jul 2013 12:29:00 GMT von

Die vergangenen fünf Tage standen ganz im Zeichen von Musik und Kultur. Die 25. Breminale auf den Osterdeichwiesen lockte bei herrlichen Sommerwetter Jung und Alt ins Freie. Freitagabend steppte der Bär bei Laing und Abby.

Wir halten unsere Versprechen und liefern euch heute die restlichen Konzertberichte der diesjährigen Breminale nach. Am Freitagabend nach Büroschluss hat sich unsere Redaktion unters Volk gemischt, um den vier Mädels von Laing und der Newcomerband Abby ein wenig auf die Finger zu schauen. Es zeigte sich wieder einmal mehr, dass Arbeit sehr viel Spaß machen kann, denn was wir auf der Breminale an diesem Abend erlebten, waren zwei absolute Hammer-Shows.

Laing

Nicola, Johanna, Atina und Marisa sind den meisten sicherlich durch ihren Song "Morgens immer müde" ein Begriff. Wer den Text kennt, weiß, dass es mit "…aber abends werd ich wach…"weitergeht. Wach war das Quartett wirklich und es weckte jeden auf, der bis zu ihrem Auftritt eventuell noch einen verlängerten Mittagsschlaf gehalten hatte. Die sexy Berlinerinnen traten im Zelt von Bremen vier beziehungsweise SWB auf, wo sie vorab durch den Radiomoderator Roland Kanwicher angekündigt wurden. In hautengen roten Lederhosen und schlichten weissen T-Shirts betraten zunächst drei der vier Mädels die Bühne.

Ich zweifelte kurz, ob es möglicherweise einen Krankheitsausfall gegeben haben könnte, das wäre aber sicher in der Anmoderation erwähnt worden. Somit blieb es nur eine Frage der Zeit bis sich auch Marisa Akeni die Ehre gab. Als einzige ist sie nur tänzerisch beteiligt und bekam erst zeitversetzt ihren großen Moment. Diese junge Künstlerin ist nicht nur durch ihre Erscheinung ein Augenschmaus; wenn sie sich bewegt, möchte man niederknien. Frontfrau war eindeutig Nicola, sie stellte ihre Kolleginnen vor, moderierte und sorgte mit kleinen Anekdoten für genug Lacher zwischendurch. Atina und sie waren echte Peformance-Profis, wohingegen sich Johanna immer ein wenig im Hintergrund hielt. Zusammmen waren sie jedoch das perfekt eingespielte Team.

Robotertänze

Besonders beindruckend war die Tanzeinlage zum Song "Maschinell", der ein bisschen an Musik von Kraftwerk erinnert. Alle Vier bewegten sich ziemlich maschinell, halt wie Roboter. Marisa war hier, wie auch bei den übrigen Dance-Parts, eine Meisterin ihres Fachs. Gesungen haben Laing am Freitag ihre bekanntesten Stücke wie "Ding Dong", "Paradies Naiv" oder "Alles Nur Geklaut". Ihren Hit "Morgens immer Müde" wollte das Quartett mit perfekter Fanunterstützung singen, weshalb recht früh ein erster Probendurchlauf gestartet wurde. Nicola checkte wie textsicher die Fans waren und kündigte an, dass man den Song zu späterer Stunde natürlich bringen werde. Zunächst sollte die Stimmung aber weiter angeheizt werden, was mit "Pleite" und "Nacht für Nacht" kein Problem darstellte. Aufgrund der, für bremische Verhältnisse ungewöhnlich sommerlichen Temperaturen, war es im Zelt kuschelig. Niemand schien sich aber daran zu stören, alle gingen mit und feierten, als gäbe es kein morgen. Und als dann endlich der langersehnte Hit für alle Langschläfer gesungen wurde, stand niemand mehr still. Das komplette Zelt und Aberhunderte Fans draußen auf dem Deich sangen wie aus einem Munde mit: "Morgens bin ich so solide, aber abends werd ich schwach!".

Heinz Erhard

Die Konzerte der Breminale fallen kürzer aus, als reguläre Gigs, anders wäre die große Vielfalt des Angebots auch nicht umzusetzen gewesen. Somit war auch für Laing nach einer knappen Dreiviertelstunde Schluss mit Lustig. Anders als man es erwartet hätte, gaben die Mädels aber keine Zugabe im klassischen Sinn. Sie kehrten nach der letzten Note auf die Bühne zurück, aber nicht um einen weiteren Hit zu singen. Jede von ihnen hielt ein Schnapsgläschen in der Hand und Nicola Rost erklärte, den verdutzt schauenden Menschen, man habe vor, nun Heinz Erhardt zu ehren. Dieser hatte zu Lebzeiten diverse Gedichte und Liedchen für die Nachwelt verfasst und eines davon nennt sich "Immer wenn ich traurig bin…" Laing erhoben, während sie mit den Zuschauern gemeinsam dieses Liedchen trällerten, die Gläser und prosteten allen zu. Ex und hopp mit dem Korn. Übrigens kommen die Mädels am 18. Oktober ins Bremer Lagerhaus, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Abby

Für mich und den Fotografen war nun ein Ortswechsel angesagt. Wir wollten zu Abby und die hatten ihre Show für das Flut-Zelt angekündigt. Es gab reichlich Anhänger der vierköpfigen Band und Platzangst wäre ein schlechter Begleiter gewesen. Mutig stürzten wir uns in die Menge, wobei unser Fotograf eindeutig das bessere Los gezogen hatte. Während ich mich durch die von hinten drängenen Fans gegen die Absperrung vor der Bühne drücken lassen durfte, konnte er es sich im sogenannten "Graben" gemütlich machen. Voller Körpereinsatz für einen echten Live-Bericht also - was sich als sehr lohnenswert herausstellte.

Abflug

Nachdem die Band mit "This Song Remains Through All" ihren Auftakt gegeben hatt, kam die Stimmung gleich richtig in Schwung. Die vier Wahlberliner mit ihrer Mixtur aus Pop, Rock, Elektro und mitunter sogar klassischen Elementen, standen richtig unter Dampf. Als regelmäßger Konzertgänger, merkt man schnell, ob Musiker ihr Programm nur abspulen, oder ob sie mit Leidenschaft dabei sind. Abby spielten nicht nur Musik, sie waren es durch und durch. Die Jungs hatten richtig Bock und rockten das Flut mit jeder Faser. Während der relativ kurz bemessenen Zeit, die es ihnen erlaubte neun Songs zum Besten  zu geben, floss der Schweiss in Strömen und das nicht nur on Stage. Die anwesenden Fans ließen sich nicht lange bitten und gingen völlig ab.

Like Kings

Man könnte sagen, dass auf der Breminale am Freitag die Könige des Elektro-Pop eine Audienz gehalten haben. Schließlich sangen sie auch "Like Kings". Weitere Programmpunkte waren noch "Streets" und "Evelyn", sowie "Monsters". Aber eigentlich spielte es eh keine Rolle welchen Song Filou, Tilly, Lorenzo und Henne den Zuschauern anboten, die Leute waren in derart williger Laune und feierten den herrlichen Konzertabend. Niemand hatte Bedenken, man könnte ihn mit einer Sardine in der Büchse verwechseln, singen und tanzen war alles was zählte.

Den absoluten Höhepunkt erreichte das Konzert allerdings, als Abby ihren wirklich letzten Titel spielten. Als Filou "Riddles" ankündigte, rief er die Fans auf, zu ihnen auf die Bühne zu kommen. Die Band wolle noch mal so richtig abgehen und zwar gemeinsam mit dem Publikum auf Augenhöhe. Es war wie so oft in solchen Situationen: erst rührte sich keiner, nachdem allerdings die ersten Mutigen über die Absperrung zu klettern begannen und sich vom Sänger dabei helfen ließen die Bühne zu erklimmen, strömten die Massen hinterher. Das Bild einer Schafherde drängte sich mir auf und ich musste schmunzeln. Den nun folgenden Anblick kann man jedoch nicht wirklich schildern, weshalb die Fotostrecke zu diesem Bericht für sich sprechen muss. Wäre das Zelt nicht, ganz nach deutscher TÜV-Vorschrift gesichert gewesen, ich glaube es hätte sich in seine Einzelteile zerlegt, so sehr steppte der Bär bei Abby.

After-Show

Gleich im Anschluss an Abby hatte sich Me And My Drummer vorgenommen, die Hütte zu rocken, ob es ihnen gelang, haben wir nicht geprüft. Ich verfolgte einen anderen Plan und begab mich noch während die Fans mit Filou und Tilly ihren Belastungstest der Bühenaufbauten durchführten, zum Merchstand. Dort, so hatten sie es angekündigt, wollten die Vier sich nach dem Auftritt zum meet und greet einfinden. Mir war daran gelegen die Setlist abzugreifen und bekam sie schließlich extra für mich aufgesetzt und mit Autogrammen versehen, überreicht.

Davor allerdings musste ich meinen Körper einem Belastungstest aussetzen, weil sich Unmengen Fans ebensfall am Merchstand sammelten. Dort signierte die Band geduldig CDs, Shirts und Taschen, die zuvor erstanden wurden. Ich will mich jedoch nicht beklagen, alle Bandmitglieder sind wirklich dufte Typen, die sich mit echter Hingabe ihren Fans widmeten und denen die Freude über das Gelingen eines sagenhaften Konzerts aus den Augen strahlte. Wer Abby noch nicht kennt, braucht unbedingt das gerade erschienene Album "Friends and Enemies" und sollte sich um ein Ticket für das Konzert am 9. Oktober im Bremer Lagerhaus bemühen. Besser feiern geht echt nicht.
 



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