Leslie Clio: Fulminantes Showprogramm zum Breminaleauftakt

Thu, 11 Jul 2013 12:17:00 GMT von

Seit gestern befindet sich der Bremer Osterdeich im Fokus aller Kulturhungrigen. Viele großartige Künstler haben sich angeküngigt. Den Auftakt übernahmen gestern unter anderem Lary, Tonbandgerät und Leslie Clio.

Unsere Redaktion hatte es versprochen: wir besuchen die diesjährige Breminale und berichten von dort. Natürlich können wir nicht über das komplette Angebot schreiben, denn dieses ist sehr groß und viele Konzerte überschneiden sich zeitlich. Wir suchen die Highlights für euch raus und nehmen diese unter die Lupe. Zum gestrigen Auftakt fiel unsere Wahl auf die deutsche Sängerin Lary, das Hamburger Band-Quartett Tonbandgerät und die bezaubernde Leslie Clio.

Lary

Eigentlich ist es eher Komissar Zufall geschuldet, dass diese zugegebenermaßen hochinteressante Sängerin mit in unseren Festivalbericht einfließen konnte. Geplant hatten wir nur zwei Konzerte. Die Formalitäten am Bürocontainer der Breminale gingen jedoch überraschend unkompliziert und zügig über die Bühne, so dass wir früher als erwartet am Zelt von Bremen Vier und SWB ankamen. Dort stand schon seit 18:30 Uhr die "Future Deutsche Welle" Erfinderin auf den Brettern und performte nach Leibeskräften. Noch hielten sich die Massen zurück, es war genug Raum zum Tanzen im Zelt, aber wer dabei war, ging ordentlich mit. Wir durften die letzten drei Songs der 24-Jährigen erleben und waren sofort schwer angetan. Kein Wunder, dass sich selbst Größen wie Jan Delay, Tim Bendzko oder Flo Mega nicht zu schade sind mit dieser Karibikschönheit gemeinsame Sache zu machen. Selbstbewusst und mit innerer Überzeugung bot sie den Zuhörern unter anderem "Couchrevolution", das Rammstein-Cover "Engel" und ihren eigenen Song "System" an. Davon können wir noch mehr vertragen und sind sehr gespannt, wie weit es Lary noch bringen wird.

Tonbandgerät

Nachdem Lary das Feld geräumt hatte, begannen die Umbauarbeiten für den nächsten Act des Abends. Das dauerte ein bisschen und sorgte für Verzögerungen, aber dennoch betraten Tonbandgerät mit nur zehnminütiger Verspätung die Bühne des Bremen Vier Zeltes. Angekündigt und für genug Begeisterung im Publikum gesorgt, hatte zuvor der Radiomoderator Roland Kanwicher. Tonbandgerät wurde von einer feierwilligen Zuschauermenge empfangen und nutzte den Umstand, um das Stimmungbarometer ordentlich in die Höhe zu treiben. Die Stücke der Hamburger Band sind von Haus aus schon recht energiegeladen, aber warum nicht mal probieren wie weit sich der Spannungsbogen erweitern lässt. Ole Specht, der Sänger der Formation war nicht nur während der Songs ziemlich mitteilsam, er liebte es ganz offensichtlich sein Publikum zu unterhalten. Ob nun Songs wie "Leerstand", "Halbmond" oder "Irgendwie anders" die Setlist bestimmten, der fröhliche Wuschelkopf wusste dazwischen immer auch ein paar kleine Geschichten zu erzählen.

Storyteller

Sei es, dass die Band gerade im Tourbus unterwegs war, als ihr allerster Radiosong aus den Boxen kam und sie vor Begeisterung laut mitsangen und die Arme in die Luft rissen, was natürlich nicht ganz ungefährlich war. Spaßig war auch die Geschichte, die Ole zum Besten gab, als ihm klar wurde, dass sie ja gerade innerhalb eines Zeltes ihren Gig gaben. Ein Zelt wird bekanntermaßen auch durch Stangen gehalten und eine solche wurde der Band dereinst bei einem Festival in Trittau fast zum Verhängnis. Selbstvergessen tobte der Sänger damals auf der Bühne hin und her, bemerkte jedoch nicht, dass er dabei die Zelstange, die aus einem Besenstiel bestand, fast umriss. Zum Glück nur fast, sonst wäre alles eingestürzt. Diese Angst brauchte gestern niemand zu haben, denn das Bremen Vier Zelt ist sehr stabil gebaut. Tonbandgerät spielten sich am gestrigen Mittwoch einmal quer durch ihr Repertoire. Beinahe alle Stücke vom im April veröffentlichten Album "Heute ist für immer" kamen vor. Darunter natürlich die aktuelle Single "Raus hier" und das Stück "Fremde Städte". Den musikalischen Höhepunkt lieferten die Vier in der Zugabe. Sie hatten ihren fünften Mann im Gepäck - Adam Basedow, der laut Oles Erklärung das Spielen des Akkordeons mit der Muttermilch aufgesogen hatte. Mit ihm performten sie "Ozean" und banden die Fans in den Refrain mit ein. Niemand widersetzte sich, die Stimmung war fanstastisch und Wellen der guten Laune schwappten bis weit über die Bühnenkante.

Leslie Clio

Das letzte Konzert dieses schönen Abends an der Weser, fing mit deutlicher Verspätung an. Unklar blieb der Grund dafür, denn die erforderlichen Umbaumaßnahmen nach dem Auftritt von Tonbandgerät gingen zügig über die Bühne. Im Zelt und drumherum war es zum geplanten Beginn bereits rappelvoll. Schließlich kommt man nicht alle Tage in den Genuss eines Gratiskonzerts, schon gar nicht wenn es sich auch noch um Künstler mit Rang und Namen handelt. Als Leslie Clios Erscheinen bereits gut dreißig Minuten überfällig war, ließ sich Roland Kanwicher nochmals blicken. Er bot den Wartenden zwar keine Erklärung, schaffte es jedoch mit seiner lockeren Art die Massen anzuheizen und mit seiner Kollegin verführte er sie zu akustischen Kapriolen. Man wolle in der heutigen Morgenshow den Hörern weismachen, dass sich mindestens 15.000 Menschen zu dem Konzert von Leslie Clio eingefunden hätten, weshalb man akustisch doch bitte mal eben völlig ausflippen möge. Der Schallpegel nahm kurzfristig orgiastische Ausmaße an und wurde schnell mitgeschnitten, dann endlich erschien die heißersehnte Sängerin auf der Bühne.

Just begun

Leslie Clio war vom Unterhaltungsfaktor betrachtet, das komplette Gegenteil der Vorgängerband. Die zarte Blondine hat gesanglich einiges zu bieten, lässt sich ansonsten aber eher als kühle Norddeutsche beschreiben. Wenn sie singt, geht sie völlig darin auf, reisst sogar alle in ihren Bann. Dann kokettiert sie mit dem Publikum und wirbelt über die Bühne wie ein flatternder Schmetterling. Ist die letzte Note verklungen, wird sie stiller. Kurze Sätze, sogar nur einzelne Worte, müssen dann reichen. Sie ist nicht so eine Erzählerin, das erledigt sie mit ihren Songtexten. Wobei man feststellen konnte, dass sich Leslies Aggregatzustand mit der Dauer ihres Auftritts veränderte, sie begann irgendwann zu tauen und spielte mit ihren Fans sogar kleine Spielchen zur Erheiterung. So sind wir Norddeutschen nun mal, wir brauchen ein bisschen Zeit um warm zu werden. Und bei derart schönen Liedern wie "Just begun", vegisst man den Rest schnell.

Textsicherheit

Die 26-Jährige verwöhnte ihr Publikum mit einem bunten Angebot an Songs. Von schwungvoll bis getragen reichte die Bandbreite und umfasste Songs wie "Told you so", "Gotta stop loving you" oder "Love is a killer". Beim Stück "Sister Sun" wurde es kuschelig und sie forderte das Publikum auf die Arme in der Luft zu schwenken. Den Höhepunkt erreichte der gestrige Auftritt sicherlich bei dem Hit "I couldn't care less", aber auch "Twist the knife" und "Melt back" riefen große Begeisterung hevor und zeigten allzeit die Textsicherheit der Fans. Leider war das Konzert insgesamt viel zu kurz, aber das fühlt sich bei besonders schönen Erlebnissen ja immer so an.

Gegen 22:30 Uhr verließ Leslie Clio die Bühne, um dann für eine Zugabe nochmals zurück zu kehren. Für alle, denen die Sängerin bisher unbekannt war, dürften sich gestern neue Horizonte eröffnet haben. Leslie Clio berührt mit ihrer Musik. Eine derart zarte, kleine Person mit einer so tiefen und kraftvollen Stimme zu erleben, hinterlässt Spuren im Herzen und auf der Seele. Schön war es und ganz anders als in der Vergangenheit, hat der Himmel bislang keine Tränen während der Breminale vergossen. Drücken wir uns die Daumen, dass es bis Sonntag so bleibt - wir werden weiter berichten.



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