Silly: Heiße Show im Bremer Aladin

Tue, 21 May 2013 11:26:00 GMT von

Am 17. Mai läuteten Silly das Pfingstwochenende im Bremer Aladin ein.

Letzten Freitag machte Silly, im Rahmen ihrer "Kopf an Kopf"-Tour, Halt in Bremen. Genauer gesagt in der Aladin Music Hall. Im Schnitt waren die Fans der "Ostrocker" um die 50 Jahre und dürften den Weg der Band schon länger verfolgen. Den Anfang an diesem Abend machten ein paar Jungspunde aus Hannover.

Rauschenberger

Rauschenberger sollten den Support für Silly machen. Die vier Jungs kommen aus Hannover und machen frischen und gitarrenlastigen Pop, der, beinahe autobiographisch, einige Stationen den Sängers Daniel Rauschenberger nachzeichnet.

An diesem Abend traten Rauschenberger nur mit halber Besetzung an. Neben Frontmann Daniel war noch Lars Erhart an der Gitarre mit dabei. Wo Christoph Dubbel am Bass und Timon Schempp am Schlagzeug waren, wurde nicht erklärt.

Anheizer

Daniel und Lars haben sich richtig ins Zeug gelegt und haben versucht das Publikum anzustacheln. Beim Song "Großstadtleben" forderte Daniel die Leute auf mitzuklatschen, quasi als Schlagzeug-Ersatz. Als das eher schleppend funktionierte sagte er, dass er nicht zu Silly hinter die Bühne gehen wolle um denen sagen zu müssen, dass die Bremer leiser sind als die Hamburger.

Sehr clever. Das trug Früchte. Es wurde mitgeklatscht und gesungen und so kam doch noch Stimmung in die Bude. Nach knapp einer halben Stunde und Songs wie "Hannover, nicht Hollywood", "Mein Masterplan", "Regen" und "Ich halte still" verabschiedeten sich die beiden Jungs von der Bühne und überließen dem Hauptact das Feld.

Silly

Der Umbau zog sich etwas hin und es kam ungeduldiges Klatschen auf. Die Leute waren heiß auf Silly. Mindestens ebenso heiß, wie die Raumtemperatur im, zum Bersten gefüllten, Aladin. Nach und nach kamen die Bandmitglieder von Silly auf die Bühne. Sängerin, Anna Loos, legte ohne große Umschweife gleich mit "Verkehrte Welt" los. Diese Frau hat live eine super Stimme und überzeugte von Anfang an durch ihre Leidenschaft und den "Bock" den sie hatte.

Ob es nun laszive Bewegungen am Mikroständer waren, wie anfangs bei "Lotos" oder wildes Getanze, bei dem sie ihre blonde Mähne herumwirbeln ließ, wie bei "Verkehrte Welt", diese Frau geht ab! Klasse!

Kleine Reise

Vor dem dritten Lied, wandte sich Anna ans Publikum und lud sie ein, mit ihr und dem Rest der Band eine kleine Silly-Reise zu machen. Bevor sie ansetzte kam noch ein ungläubiges "Meine Güte ist das heiß hier". Dann ging es los. Die ersten Töne von "Blinder Passagier" erklangen und die Menschen in der Halle gingen mit. Sie sangen, sie tanzten ausgelassen und doch mit ein bisschen Wehmut. Ist "Blinder Passagier" doch ein Song, der noch aus der Feder der verstorbenen Silly-Sängerin Tamara Danz stammt. Ein wunderschönes Lied, durch das die Erinnerung an eine ganz besondere und talentierte Frau hochgehalten wird.

Im Griff

Bei "Wo fang ich an" forderte Anna die Menschen auf "Bremen, singt mit uns". Diesen Gefallen haben ihr alle gern getan und die heiße Blondine genoss dies sichtlich. Ein laut gebrülltes "Daaaaaankeschöööön" verlieh ihrer Freude deutlichen Ausdruck.

Ruhig

Doch auch ruhige Stücke gab es an diesem Abend. Mit "Die Welt wird hell sein" tauchten Silly alle Anwesenden in eine melancholische Stimmung. Mit ruhiger, tragender und warmer Stimme sang Anna sich das Herz aus der Seele. Wunderbar berührend ohne kitschig zu sein. Diese Frau hat ihre Stimme beeindruckend im Griff. Einmal klingt sie wie dunkle und samtige Schokolade und dann wieder klar und hell. Sehr beeindruckend!

Vaterland

Politisch wurde es dann beim Song "Vaterland". Hier geht es um die Disharmonie zwischen der deutschen Waffenexport-Politik und den moralischen Werten. Die innere Zerrissenheit spiegelte sich auch im Arrangement des Songs wieder. Einerseits gab es ruhige Akustik und dann wuchtige Töne. Zu diesem Zweck wurden vier Trommeln aufgestellt. Anna und die Jungs von Silly nahmen leuchtende Sticks in die Hand und prügelten satte Drum-Klänge aus den Trommeln. Es war der Hammer.

Die Leute sind schier ausgerastet vor Begeisterung. Das war definitiv ein Highlight dieses Abends.

Können

An diesem Abend bekam man das volle Können eines jeden Einzelnen zu hören. Pianist Ritchi, Gitarrist Uwe und Bassist Jäcki sind erfahrene Haudegen, die schon diverse Jahre als Musiker auf dem Buckel haben. Diese Herren haben eine unglaubliche Energie und jede Menge Spaß auf der Bühne. Es gab einige Instrumenten-Soli, bei denen sie ihr Können zeigten und die das Publikum aufjubeln ließen. Musik vom Feinsten!

Wie ein alter Hase

2006 trat Anna Loos die Nachfolge von Tamara Danz als Frontfrau an. Wenn man diese Frau so über die Bühne fegen sah, hätte man denken können, sie mache das schon ewig. Auch in kniffligen Situationen behielt sie die Nerven und ging damit um, wie ein alter Hase. Bei "Dein Atlantis" bekam sie einen Hustenanfall und konnte nicht singen. Die Band spielte weiter das Publikum rockte trotzdem und nach einigen Schlucken Wasser ging es dann auch für Anna weiter.

Auch wie sie die Menge bei der Stange hält, weiß die Frau mit dem Million-Dollar-Smile sehr wohl. Immer wieder wurden die Menschen vor der Bühne mit einbezogen. "Könnt ihr noch?", "Kommt klatscht mit.", "Das ist ein guter Song, um eure Musikalität zu testen", so oder so ähnlich klang es des Öfteren von der Bühne.

Chor

Bei "Deine Stimme" funktionierte Anna das Publikum kurzerhand zum Chor um. "Bremen ich möchte mit euch singen", kündigte sie an. Das tat sie dann auch. Wirklich alle, auch die Leute oben auf den Rängen, sangen aus vollem Halse. Die Stimmung war unglaublich. Das fand Anna scheinbar auch.

"Vielen, vielen Dank für dieses unglaublich geile Konzert".

Danach gingen Silly das erste Mal von der Bühne.

Zugabe

Die Jungs kamen zuerst zurück und lieferten sich sowas wie einen Instrumenten-Battle. Laut, krachend, begeisternd, einfach der Knaller. Frenetischer Jubel brandetet durch den Saal und alle sprangen auf um die "Alten Herren" zu feiern. Die selbst sind so abgegangen, dass nur noch gefehlt hätte, dass sie ihre Instrumente auf der Bühne zertrümmern. Einfach irre. Nach "Alles Rot" gingen die "Ostrocker" erneut von der Bühne.

Zugabe 2

Als zweite Zugabe gab es dann "Bataillon d'Amour", einen Hit aus dem Jahre 1986. Zum Schluss hieß es "Leg mich fest". Die Band war mindestens genauso begeistert wie die Fans.

"Na hier kommen wir wieder her, das ist ja wohl klar.", sagte Anna. Eins steht fest, die Bremer werden Silly, wann immer sie wiederkommen wollen, mit offenen Armen empfangen.

Fazit

An diesem Abend hat einfach alles gepasst. Die Virtuosität der Herren an den Instrumenten und auch die beeindruckende Stimme von Anna Loos. Ob ganz gefühlvoll und verletzlich oder satt und rockig, diese Frau singt mit ganz viel Herz und unbändiger Freude. Gänsehaut und frenetischer Jubel gaben sich an diesem Freitag die Klinke in die Hand. Am Ende gab es selig lächelnde Gesichter und vor Aufregung glühende Wangen.

Tamara Danz' Wunsch, dass Silly auch nach ihrem Tod weiterleben soll, hat sich auf wunderbare Weise erfüllt. Dabei geht es nicht darum, in die Fußstapfen von Silly mit Tamara zu treten, sondern eigene mit Anna Loos zu hinterlassen.

Anna Loos ist für Silly so etwas wie eine "Frischzellenkur". Mit etwas altem Zauber von früher und jeder Menge frischen Pep sind Silly immer noch Silly, nur halt jetzt mit Anna Loos. Es war ein großartiger Abend! Vielen Dank, Silly!!!

PS: Übrigens, die übliche Konzert-Foto-Strecke fehlt leider, weil unsere Fotografin erkrankt ist. Das nächste Mal ist sie bestimmt wieder mit am Start.



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