Dirty Honkers: Tanz der Derwische im Lagerhaus

Mon, 06 May 2013 10:42:00 GMT von

Am vergangenen Freitagabend gaben die Dirty Honkers ein Konzert im Bremer Lagerhaus. Das Publikum ließ sich ordentlich aufheizen und feierte ausgelassen mit dem flippigen Trio.

Für das Konzert im Kulturzentrum Lagerhaus Bremen, schien die Werbung nicht gegriffen zu haben. Gegen zwanzig Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn des Auftritts der Dirty Honkers, wartete eine versprengte kleine Menschentraube auf Einlass. Draussen auf den Straßen der Innenstadt tobte dagegen das pralle Leben in den Kneipen und Cafés, wo an dem lauen Abend schnell sämtliches Mobiliar ins Freie gestellt worden war. Diejenigen, welche sich dennoch für ein Konzerterlebnis der Extraklasse entschieden hatten, wurden nicht enttäuscht.

Extravaganza

Mit Verspätung, allerdings noch im Rahmen des sogenannten akademischen Viertels, stürmten die Dirty Honkers die kleine Bühne und legten los. "Good evening, we are the Dirty Honkers", waren ihren einleitenden Worte, bevor es mit "Hot Style" gleich in die Vollen ging. Vor Ort befanden sich mittlerweile geschätzte 80 bis 90 Zuhörer, die gewillt waren eine richtig gute Show zu konsumieren, bei der es hoch her geht. In Fankreisen ist die Bühneperformance der Honkers längst legendär und rechtfertigt den Konzertbesuch allemal. Nun also präsentierte sich das extravagante Trio in ausgeflippter Kostümierung und auf künstlerisch hohem Niveau den Anwesenden und rockte das Lagerhaus.

Elektro-Swing-Beats

Sobald Andrea Roberts, Gad Hinkis und Florent Mannant die Bühnenbretter betreten, dann darf man sich auf eine schweisstreibende und sehr tanzanregende Show gefasst machen. Zwei Saxophonisten mit viel Talent und echter Freude an der Musik spielen mit ihrem israelischen Kollegen Gad Hinkis alias DJ Neckbreaka eine wilde Mischung aus Swing, fetten Big Band Arrangements und spannenden Elektro-Beats. Das Tempo variiert in ihren Stücken zumeist zwischen flott und rasend, was jedoch sehr ansteckend wirkt und dazu führt, dass man die Kontrolle über seinen Bewegungsapparat verliert und einfach mal mittanzt. Neben den zwei Saxophonen kommen vor allem Joysticks zum Einsatz, mittels derer die Honkers ihre Swing-Samples auf Electro-Beats, Rap und Dubstep generieren. Die richtige Würze geben die spritzigen Gesangseinlagen und natürlich im Liveformat die Bühnenkostüme.

Charme und Sexappeal

Als die Honkers am Freitag ihre Show starteten, boten sie bereits einen überwältigend phantasievollen Anblick. Andrea Roberts vom Scheitel bis zur Sohle ganz in Gold, garniert mir einer neonfarbenen Sonnenbrille, wurde von Florent Mannant im Trenchcoat, mit Sonnenbrille und blauem Pseudo-Trainingsanzug flaniert. Dazu gesellte sich Gad Hinkis recht ethnomäßig mit ärmellosem Mantel im Mongolenstil, dazu eine rote Pluderhose und goldene Schienbeinschützer.

Bei seinem Outfit versuchte sich der Kehle unwillkürlich ein "Yieeha, Sattel mein Pony" zu entringen. Die Kostümierungen sollten im Verlauf den Konzerts jedoch noch diverse Male wechseln. Immerhin war auf diese Weise sichergestellt, dass es weder für das Auge noch das Ohr an irgendeinem Punkt des Abends langweilig werden konnte. Bei den Dirty Honkers muss man immer auf alles gefasst sein. Die spielen nicht nur sehr ausdrucksstarke Musik, sie schauspielern nebenher passend zu ihren Songs.

Superskrunk

Die Honkers absolvieren derzeit die Promotiontour für ihr aktuelles Album "Superskrunk", darum war klar, dass ein Großteil des abendlichen Repertoires von dieser Platte stammen würde. Die Band mischte allerdings viele Stücke aus den früheren Werken in die Abendgestaltung. Am Ende ergab sich eine fifty-fifty Mixtur aus dem Neuling und Liedern des Vorgängeralbums "Death By Swing", sowie den EPs der letzten Zeit. Die eingefleischten Fans brauchten am Freitag auf keines der besonders hitverdächtigen Stücke verzichten. Von "Sugar" über "Old House" bis zu "Bubble Bath" und "Deadly Lover" war alles dabei, was den gute Laune Pegel hebt und das Können des internationalen Trios eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Band hatte sich eine gelungene Choreografie für ihr Konzert zurecht gelegt. Völlig durchgeknallt, so wie der Titel des neuen Albums es bereits andeutet, aber eben sehr passend zu den Geschichten der einzelnen Songs.

Storyteller

Je nachdem welches Stück gerade gespielt wurde, verschwanden die Musiker einzeln kurz hinter die Bühne, um dann in neuer Aufmachung zurück zu kehren. Andrea Roberts entledigte sich im Verlauf der Show zunächst ihres goldigen Overalls, um diesen gegen ein Kleid im Westernstyle zu tauschen. Darunter trug sie, was man zunächst aber nicht wissen konnte, bereits das Outfit für einen anderen Showteil. Florent zog sich den Trenchcoat aus und stand daraufhin in blauem Irgendwas mit Kapuze auf der Bühne. Seine Montur glich einer Kreuzung zwischen Superman und dem Imperator aus Star Wars. Darunter ließ sich jedoch schon eine weitere interessante Schicht erahnen, die weit weniger maskulin wirkte. Als "Tiger Rag" gespielt wurde, stand der Saxophonist nach kurzer Bühnenabstinenz plötzlich in goldenem Badeanzug mit Sternenmuster neben seinen Kollegen.

Striplease

Später entblätterte er seinen Oberkörper und präsentierte der Weiblichkeit im Saal reichlich nackte Tatsachen, wodurch die Raumtemperatur sichtlich stieg. Gad Hinkis hatte in seinem Köfferchen hinter der Bühne ebenfalls einige Accessoires mit denen er zu überraschen wusste. Zum Ende der Show trugen jedoch alle drei nur noch recht wenig Textiles an ihren Körpern und wirkten mehr, als wollten sie eine Beachparty veranstalten. Die Zuschauer, die dem Ganzen mit wachsender Begeisterung gefolgt waren, hatten sich bei der Wahl ihrer Garderobe weitestgehend auf eine schweisstreibende Party vorbereitet und entblätterten sich nicht im gleichen Maße wie die Künstler auf der Bühne.

Party bis zum Schluss

Der Schweiss floss aber auf beiden Seiten in Strömen. Das Bremer Lagerhaus bietet bei seiner Architektur die Möglichkeit auch mit weniger Publikum eine sehr aufgeheizte Stimmung, vor allem aber Raumtemperatur entstehen zu lassen. Gut eine Stunde lang konnte alle Anwesenden eine Reise "Back To The Jungle" und mit "Club Cats" und "Party People" genießen, es gab "Striplease" und "Shark Bite" aber auch "Milk'n Honey" im Angebot, dann war der Tanz der drei Derwische jedoch vorbei. Sie gönnten dem Publikum noch ein paar kleine Zugaben u.a. "Dirty Looks" und machten dann aber schnell die Mikrofone und das Licht aus. Gad, der im Foyer noch eine paar CDs unter das Volk zu bringen gedachte, war körperlich recht mitgenommen. Wie aus dem Wasser gezogen stand er dort und beantworte noch offene Fragen meinerseits und freute sich über das Interesse eines jeden Fans an den Silberlingen.

Fazit

Der 3. Mai bot allen Bremern die Chance eine sehr engagierte und witzige Truppe von Musikern live zu sehen. Genutzt haben diese, wohl aus Unkenntnis, nur recht wenige. Alle die jedoch dabei waren, unsere Redaktion inbegriffen, hatten reichlich Spaß. Eine derart bunte Show mit Einlagen aus dem Cabaret, der Pantomime und sehr schicken Tanzeinlagen bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Wenn man zudem auf Swing und Elektro zu sprechen ist, sollte man sich zumindest  das neue Album der Dirty Honkers besorgen, um diese frische und inspirierende Musik auf "Superskrunk" schnellstmöglich in den eigenen Alltag zu integrieren. Davon wird man höchstwahrscheinlich gute Laune bekommen.
 



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