Johannes Oerding: In der Bremer Kesselhalle kochte die Stimmung über

Fri, 05 Apr 2013 08:39:00 GMT von

Johannes Oerding hat gestern Abend die Massen in der ausverkauften Kesselhalle im Bremer Schlachthof begeistert.

Um 20 Uhr sollte das musikalische Programm des Abends beginnen. Um 19.30 Uhr war die Bremer Kesselhalle bereits so voll, dass sie aus allen Nähten zu platzen drohte. Unmut wurde laut. Warum so eine kleine Location? Doch Johannes Oerding liebt es ganz nah bei seinem Publikum zu sein. Er braucht diese Nähe. Das wurde, zumindest für die Oerding-Neulinge, erst im Verlauf des Abends klar.

Sebó

Den Anfang machte pünktlich um 20 Uhr Sebó. Sebó heißt eigentlich Sebastian Bosum, ist gebürtiger Bremer und der kleine Bruder von Florian Bosum. Den dürften die meisten wohl unter seinem Künstlernamen Flo Mega kennen. Sebó kam mit zwei Kumpels auf die Bühne und nahm sofort das Heft in die Hand.

Mit viel Soul in der Stimme und ohne großen Schnick Schnack sang er von Dingen, die er erlebt hat. Mal fröhlich, mal melancholisch, aber immer mit viel Herz. Die drei Jungs verstehen etwas von Musik und vom Anheizen der Leute. Immer wieder kam die Frage, "Habt ihr Bock auf Johannes Oerding?", welche dann durch Jubeln und Kreischen in Alarmanlagen-Lautstärke beantwortet wurde.

Nach knapp einer halben Stunde war ihr Auftritt vorbei und sie verließen unter tosendem Applaus die Bühne. Selten habe ich erlebt, dass das Publikum schon bei der Vorband so dermaßen abgeht. Daumen hoch für Sebó! Die Jungs sind einfach klasse!

Johannes Oerding

Um 20.45 Uhr kam dann mit Johannes Oerding der Hauptact auf die Bühne und legte mit "Nicht genug" gleich los. Nach dem Lied zeigte sich der Singer/Songwriter begeistert vom Publikum und sagte, dass sie hinter der Bühne schon gefeiert haben, weil die Leute schon bei Sebó so einen "Lärm" veranstaltet hat. Weiter ging es dann mit "Wenn es einen Gott gibt".

Was mich unheimlich beeindruckt hat, war dieses absolut textsichere Publikum, was Johannes vom ersten Lied an, wie ein riesiger Chor unterstützt hat. Das war der Wahnsinn!

Kennenlernen

Der 31-Jährige schnackte mit dem Publikum wie ein alter Showhase und gab ihnen so das Gefühl nicht nur Zuschauer, sondern Teil seiner Show zu sein. Er sagte, dass das Publikum nicht nur ihn und seine Jungs kennen sollte, sonders auch sich untereinander. Er forderte die Leute zu einem Kennenlern-Spiel auf.

"Jeder gibt seinem linken Nebenmann mal die Hand und stellt sich mit Namen vor." Daraufhin folgte großes Gelächter, als man versuchte, sich in dem Gedränge die Hand zu reichen.

Angebot

Auf die Vorstellungsrunde folgte ein Angebot. "Wer sich hier verliebt und dann heiratet, bei dem spielen wir auf der Hochzeit", sagte der Wahl-Hamburger. Nach dem tosenden Applaus folgte dann der Song "Erste Wahl". Dabei heizte er das Publikum immer wieder an. "Hamburg, Bremen, Worpswede…wo seid ihr". Dieser Mann ist nicht nur Sänger, sondern ein sehr charmantes Entertainment-Gesamtpaket.

Abwechslung

Es gab nicht nur Songs aus seinen eigenen drei Alben auf die Ohren. Zwischendurch baute er auch Songs anderer Künstler ein. So sang er z.B. "The Reckoning Song" von Asaf Avidan und "Hit the Road Jack" von Ray Charles zwischendrin. Die ganze Kesselhalle hat gefeiert, getanzt, gesungen, geklatscht und ist fast ebenso abgegangen wir Johannes Oerding selbst. Ich habe noch keinen Künstler erlebt, der so unglaublich Bock auf das hat, was er macht.

Leise Töne

Aber Johannes Oerding kann nicht nur feiern, tanzen und Party machen, er weiß seine klare und voluminöse Stimme auch durchaus in den leiseren Tönen einzusetzen. Bei "Magneten" war alles ganz still, ein Spot nur auf Johannes gerichtet. Sehr gefühlvoll sang er sich durch diese wunderschöne Ballade.

Lieblingsstück

Nachdem mir schon diverse Male die Ohren gedröhnt haben von dem nie enden wollenden Applaus und Gesang seiner Fans, kam es bei "Einfach nur weg" fast zum Hörsturz. Die Fans sind ausgerastet und haben alles hergegeben, was noch in ihren Kehlen steckte. Fast ebenso laut ging es bei "Sommer" zu. Der charmante Blondschopf singt den Menschen einfach aus der Seele. Immer wenn ich dachte, jetzt ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, legten alle noch eine Schippe drauf.

Als die ersten Klänge von "Jemanden wie dich" erklangen, kam die Meute erst so richtig in Fahrt. Johannes Oerding hat mit seiner Stimme ein Instrument, dass sich sicher auf leisen, lauten und unglaublich berührenden Schwingen durch die Lieder singen kann. Dieser Mann singt seine Texte nicht nur, er lebt jeden Satz, jede Phrase. Unglaublich intensiv und emotional!

Kletteraffe

Als seine Band den Song "Morgen" anspielte, ging die Post nochmals richtig ab. Auf einmal schlug die Melodie in "One More Chance" von den Jackson 5 um und Johannes begann seine Jungs ausgiebig vorzustellen. Dann kamen Nenas "99 Luftballons" um die Ecke und der blonde Barde sprang kurzerhand über die Absperrung ins Publikum, bahnte sich seinen Weg zum Pult des Tontechnikers und fing an zu Rappen und eine klasse Beatbox-Performance hinzulegen. Ein Energiebündel mit einer Kehle aus Gold.

Geschlechterkampf

Wieder zurück auf der Bühne sang er den Song "Unbelievable" von der britischen Band EMF an. Was folgte war ein musikalischer Geschlechterkampf. Männer gegen Frauen sollten die Textzeile "You're Unbelievable" singen. Das hat dem "Boxer"-Interpreten sichtlich Spaß gemacht. Er teilte munter Gruppen ein. Ü 30, U30, Ü60 nur der Innenraum, nur der Oberrang. Es war eine einzige Party und Johannes Oerding der Dompteur der Massen, einfach "Unbelievable".

Nochmal Sebó

Kurz vor Schluss holte Johannes Sebó nochmal auf die Bühne. Gemeinsam sangen sie Sebó's Hit  "So Weit So Gut", der es dem "Nichts Geht mehr"-Sänger hörbar angetan hatte. Den könnt ihr euch hier mal zu Gemüte führen. Danach bedankte er sich beim Publikum, dass sie alle gekommen sind und sagte, er werde diesen Abend unter der Kategorie "grandioses Konzert" speichern. Mit dem letzten Song "Zurück" gab er ein Versprechen ab, was er hoffentlich auch halten wird.

Zugabe

Anrührend, wunderschön und fast verzweifelt sang er als erste Zugabe "Schlaflos". Das Finale des Abends bildete der Song "Engel". Die Stimmen aller Menschen in der Kesselhalle trugen den Sänger, wie auf Flügeln, durch diesen allerletzten Song. Das war es dann, der letzte Song, "Traurig Aber Wahr".

Fazit

Johannes Oerding braucht die Nähe zum Publikum, wie die Luft zum Atmen. Erst dann kann er seine enormen Live-Qualitäten entfalten. Seine Spielfreude und diese unglaubliche Stimme sind der Wahnsinn. Schon vom ersten Ton an wird klar, dass dieser Mann eine Rampensau ist, die auf der Bühne genauso abgeht, wie die Menschen davor. Er ist einfach für das Live-Spielen gemacht. Sehr charmant, witzig, unfassbar talentiert…diesen Abend behalten wir in unserem Gedächtnis…"Für immer ab jetzt".



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn