Get Well Soon: Mit Roland im Bremer Schlachthof

Mon, 21 Jan 2013 12:24:00 GMT von

Am Samstagabend gab Konstantin Gropper als Kopf von Get Well Soon ein berauschendes Konzert in der Kesselhalle des Schlachthofs. Melancholie und Freude durchströmte die Herzen der Zuschauer bei einer Reise durch die Kinowelt.

Wenn man beschreiben soll, was die Musik von Get Well Soon ausmacht, beginnt sehr schnell die Suche nach den passen Begriffen. Einfacher lässt sich das mit Worten aus der Gefühlswelt ausdrücken. Warm und wehmütig, aber auch wild und energiegeladen sind die Songs. Das aktuelle Album zur Tour "The Scarlet Beast O'Seven Heads" widmet sich dem Regisseur Roland Emmerich beziehungsweise einer cineastischen Rückblende bis in die frühen Siebziger. Eine gut gefüllte Kesselhalle wartete am 19. Januar auf Konstantin Gropper und seine Live Band. Doch vorab galt es sich mit der One-Man-Show von Denis Jones beschallen zu lassen.

Denis Jones der Gewöhnungsbedürftige

Der Loop-Improvisationskünstler aus Manchester war dabei nicht unbedingt Jedermanns Ding. Bewaffnet mit Klampfe, einigen Keyboards, diversen Mixern, Effektpedalen und Loopgeräten hatte man ihn auserkoren den Kessel aufzuheizen, allerdings mit zweifelhaftem Erfolg. Gute 30 Minuten des Abends gehörten Denis Jones und er nahm diese selber nur allzu gerne in Anspruch. Nach etwa der Hälfte seiner Zeit schallte aus dem Auditorium der Ruf nach Get Well Soon, was Jones jedoch nicht weiter irritierte, er sei willens, die ihm zugebilligte Zeit zu füllen, gab er lakonisch von sich.

Seine Improvisationen sind hochlomplex und bedienen diverse Genres. Vielleicht könnte man Denis Jones Werke am ehesten als Art-Indie-Rock bezeichnen, denn er mixt Blues, Folk, Elektronica und scheut nicht vor einer handfesten Trommelfellmassage durch sehr dubbigen Sound zurück. Trotzdem wirkt die Musik verwirrend auf das menschliche Gehirn, da seine Tonkonstrukte mitunter zur Knotenbildung in der Schaltzentrale führen.

Gute Besserung wirkt

Als Denis Jones das Feld räumte, fand ein kleiner Umbau statt, dann endlich betrat Konstantin Gropper mit Schwester Verena und weiteren vier Musikern die Bühne. Festliches Ambiente breitete sich aus. Herzliche Willkommensstimmung und eine scheue Begrüßung vom Sänger, dann ging es los. Von der sorgfältig gescheiteltelten Frisur über den schicken Anzug bis zur adrett herausgeputzten Sopranistin - die Rede ist von Groppers Schwester - kamen alle in edlem Schwarz auf die Bühne. Für Farbe sorgte roter Pannesamt und ein großer Kristallstern, das Logo der Band, ansonsten bestimmte Zweckmäßigkeit und Minimalismus das Bild. Dafür hatte man als Zuhörer die Möglichkeit sich auf das Wesentliche dieses Konzerts zu konzentrieren, ohne von Schnörkeln abgelenkt zu sein.

Italienisches Kinoflair

Wenn Get Well Soon in die Tasten haut, oder die Saiten zupft, also die Musiktruhe öffnet, erklingen bunte Geschichten. Gropper als Herz und Kopf des Ganzen, verbindet Lyrik, Poesie, Lebensfreude und Melancholie auf seine ganz eigene Art. Er passt in kein gängiges Schema, das ist auch gar nicht nötig, weil es genug Menschen gibt, denen wahrer Inhalt etwas bedeutet. Das spätsommerliche Werk von 2012, welches den komplizierten Titel "The Scarlet Beast O'Seven" beziehungsweise den Zweitnamen "La Bestia Scarlatta Con Sette Teste" trägt, bietet Fans ein faszinierend komponiertes Album, welches live vorgetragen erst seine volle Wirkung entfaltet.

Viele Instrumente, wenig Gedöns

Ein großes Repertoire an Instrumenten befand sich auf der Bühne, so dass die Musiker für sich selber nicht viel Raum hatten, aber Get Well Soon ist auch in Sachen Performance nicht wie andere Bands. Jeder Mitspieler hat sein Aufgabengebiet und ist damit bestens beschäftigt, für Hampeleien bleibt praktisch kein Raum. Konstantin ist quasi der Einzige, der mit Gitarre im Anschlag noch ein Tänzchen wagt, der Rest wechselt seinen jeweiligen Standort bestenfalls um ein anderes Instrument anzusteuern. Absolut beeindruckend ist die multiinstrumentale Leistung von Gropper und seiner Schwester, sowie jene von Marcus Wüst, der mal am Xylophon, am Vibraphon oder dem Synthesizer herumspielte. Konstantin Gropper bediente durchaus auch im fliegenden Wechsel mal Schlagzeug, Gitarre oder Keyboard, wozu er selbstverständlich sang und wie erwähnt, tanzte.

Roland I Feel You

Dominiert wurde das Konzert, wie erwartet von den Songs des aktuellen Albums. Einschliesslich dem fast schon Superhit "Roland I Feel You". Dieses Lied ist dem Regisseur Roland Emmerich gewidmet, der für ein Teil des Themas auf "The Scarlet Beast O'Seven" steht. Das Artwork der CD, sowie manch ein Track befassen sich inhaltlich mit Kinogeschichte. Der Zweitname der Platte verdeutlicht, dass es sich um eine Hommage ans italienische Horrorkino der frühen Siebziger handelt und darin die Inspirationsquelle für Gropper lag. Ganz besonders deutlich hörte man das Samstagabend auch aus dem Song "Disney" heraus, der mit Soundeffekten aus alten Kinofilmen unterlegt ist.

Get Well Soon erfreute seine Fans durch "The Last Days Of Rome", "Listen! Those Lost At Sea Sing A song On Christmas Day" oder dem eher poppigen "You Cannot Cast Out Of The Demons (You Might As Well Dance)". Aber auch "Rage" und "We Are Free" sorgte für wahre Begeisterungsstürme. Dazwischen streute der Sänger, der sich mittlerweile vom Jackett befreit hatte und wilde Strähnen in der Stirn duldete, kurze Bemerkungen voller staubtrockenem Humor.

Von Zimbeln und Melodicas

Als sich für das Lied "Courage, Tiger" einer seiner Mitstreiter am Mischpult neben dem Frontmann rumtrieb, lautete sein Kommentar lediglich:"Das ist übrigens Marcus", so als würde das alles erklären. Doch Fans wissen, dass es nicht Groppers Ding ist, große Reden zu schwingen, was er der Welt mitzuteilen hat, vermittelt er in den Songtexten. Marcus Wüst ist einer der Musiker, welche Get Well Soon bei Bühnenauftritten unterstützen und genau wie Konstantin und seine Schwester besitzt er die Fähigkeit sich auf mehreren Instrumenten auszudrücken.

Verena Gropper konnte man am Samstag vorwiegend singend und Geige spielend erleben. Darüber hinaus war sie jedoch auch für Becken, Zimbeln, Melodica, E-Banjo, Triangel und Trommel zuständig. Die übrigen vier Herren teilten sich diverse Gitarren, Trompete, Vibraphon und sonstige Klangkörper bis hin zum Schlagzeug. Mit dieser umfangreichen Orchestrierung gelang es der Band einen Konzertabend der besonderen Art zu spielen. Konstantin Groppers fantasievolle Kompositionen leben mit der Vielzahl einfallsreicher Soundschnipsel.

Geschichtenerzähler

Wie einzelne Opern, oder Musicals sind die Songs mitunter aufgebaut, erzählen in drei oder mehr Minuten eine komplette Geschichte und entführen den Hörer in eine andere Welt. Manches klingt düster und sphärisch, andere Stücke schweben wie auf einer luftigen Wolke. Aber mitunter wird man wie von wilden Fluten mitgerissen und kann auf einer Welle voller Energie in den Sonnenaufgang reiten.

So geschehen am letzten Samstag, nur dass die Sonne beim Verlassen des Schlachthofs noch lange nicht zu sehen war, aber tief drinnen im Herzen, da wärmte sie bereits. Viel zu schnell war die Zeit vergangen und trotz der Tatsache, dass die Band ihrem Publikum drei Zugaben schenkte, fühlte sich das Erlebnis kaum länger als ein Wimpernschlag an. Wir hoffen, dass der Oberschwabe sich nicht allzu lange bitten lässt, ehe er seine Zelte erneut in Bremen aufschlägt.

 



0 Kommentare

Wenn du dich anmeldest brauchst du deinen Namen nicht bei jedem Kommentar anzugeben.

Qmn