Mit Silbermond in der ÖVB-Arena "Durch die Nacht" gefeiert

Wed, 05 Dec 2012 11:30:00 GMT von

Am gestrigen Abend rockte Silbermond die Bremer ÖVB-Arena und zeigte, dass sie auch nach 14 Jahren Bandgeschichte noch richtig Bock haben.

Wenn die drei Jungs und ihre Frontfrau Steffi auf die Bühne gehen, geben sie immer 100 Prozent um ihren Fans einen schönen Abend zu bieten. Den Anfang machten aber Andere. Über 1000 Bewerbungen hatten Silbermond und damit die Qual der Wahl, wer sie supporten sollte. Eine Nachwuchsband aus Achim hatte es letzten Endes geschafft. Casting Louis hat den Nachwuchswettbewerb "School-Jam" gewonnen und darf sich nun "Beste Schülerband Deutschlands 2012" nennen. Nach Auftritten beim Hurricane- und Southside-Festival folgte nun das gestrige Gastspiel in der ÖVB-Arena in Bremen. Silbermond-Schlagzeuger Andreas Nowak kündigte die Jungs an und um 20 Uhr kamen Sänger Patrick Heym (22), Marcel Heym (17) am Bass und Piano, Timo Wilkens (19) an der Gitarre und Simon von Seelen (22) an dem Schlagzeug auf die Bühne. Eine halbe Stunde zeigten die Vier, warum sie die beste Schülerband 2012 sind und rockten richtig ab. Besonders die Einflüsse von ihren Vorbildern Kings of Leon waren in ihrer rockigen und gitarrenlastigen Performance deutlich. Mit viel Freude und jeder Menge Gefühl in der kräftigen Stimme sorgten Patrick und die anderen Drei für so gute Stimmung, dass sie es selbst scheinbar nicht fassen konnten. Ich seid ja großartig und das alles für eine Vorband. Vielen Dank, sagte der überwältigte Frontman von Casting Louis. Ein kleiner, aber sehr lauter Fanclub der Jungs aus Achim stand mitten vor der Bühne und riss den Rest der Leute mit. Ein sehr gelungener Kurzauftritt einer Band, von der man sicherlich noch viel hören wird.

Tom Lüneburger

Auch ein zweiter Künstler bekam die Chance seine Kunst unters Volk zu bringen. Tom Lüneburger besetzte eine kleine Bühne in der Mitte der Halle, die man per Laufsteg mit der Hauptbühne verbunden hatte. Allein mit seiner Akkustikgitarre und seiner sehr angenehmen, leicht rauen Stimme begeisterte der Sänger das Publikum. Beliebt gemacht hat sich der Musiker schon mit der Aussage, dass ihm gesagt wurde, dass er in Bremen, in der schönsten Stadt der Welt sei. Ob dem so wäre, wisse er nicht, aber Bremen hätte auf jeden Fall den besten Fußballverein der Welt. Damit hatte er schon die Herzen der Bremer erobert. Die Ohren verwöhnte er mit Liedern, die zum Nachdenken anregten und irgendwie tragisch-schön klangen. Er sang Songs wie "Station to Station" und seine neue Single "Tonight". Der Höhepunkt war "We Are One". Dieses Lied ist ein Duett mit Stefanie Kloß, die überraschender Weise dann auch über den Laufsteg auf die Minibühne kam, um dieses gefühlvolle Stück mit ihm zu performen. Ein wunderschönes Akkustik-Duett, was berührte. Danach verschwand Steffi mit dem Versprechen, dass man sich gleich Wiedersehen würde. Das Lied der Beiden könnt ihr euch hier mal anhören.

Los geht's

Ein durchsichtiger Vorhang hing vor der Bühne herab und blieb auch noch hängen, als Silbermond schon ihren Opener ,"Unter der Oberfläche", unter tosendem Applaus anstimmten. Am Ende des Liedes fiel der Vorhang und gab schließlich die Sicht frei auf die Band aus Bautzen. Endlich wieder unterwegs, endlich wieder auf Tour. Schön das ihr alle da seid, rief Steffi dem Publikum zu. Danach ging es über den Laufsteg zur kleinen Bühne und Steffi forderte alle auf, den Abend mit ihr zusammen einzuzählen. Nach einem kollektiven 1, 2, 3, 4 gab es gleich das nächste Stück, "Meer sein". Es folgten die neuen Lieder "Teil von mir", "Du fehlst hier" und der Klassiker "Durch die Nacht". Zwischen den Songs gab es immer wieder kleine Anekdoten und erklärende Worte zu den nachfolgenden Liedern. So wurde der Track "Ans Meer" mit den Worten angekündigt, dass dies der perfekte Song wäre, um abzuschalten und wieder Kraft zu tanken nach einer harten Arbeitswoche. Die Lichteffekte verwandelten die Zuschauermenge in eine wogende Wasseroberfläche und zum Abschluss hieß es, mit euch fahr ich gern ans Meer. Vor Song Nummer sieben, "Waffen", zeigte sich Krieggeschehen auf den Leinwänden um die Worte auch visuell zu unterstützen. Dieser, wohl rockigste Song, auf dem neuen Album "Himmel auf" wurde durch ein richtig fettes Gitarrensolo von Thomas Stolle beendet, der mehrere Minuten, in gekonnter Gitarrengott-Manier, auf der Laufstegbühne eine geile Show bot. Warum Steffi währenddessen von der Bühne verschwand, sollte sich beim nächsten Lied klären.

Silbermond setzte auf Werder Bremen

Als die letzten Töne von "Waffen" verklungen waren, kam Stefanie wieder zurück auf die Bühne, zog ihre schwarze Lederjacke aus und stand plötzlich in einem Werdertrikot da. Als der Applaus und das begeisterte Pfeifkonzert endlich verstummt war, erklärte die 28-Jährige, was es damit auf sich hatte. Im Sommer spielte Silbermond ein kleines Konzert auf Norderney, als die Mannschaft von Werder Bremen dort im Trainingslager war. Die ganze Mannschaft war da und einige Spieler versprachen, zu dem Konzert in Bremen zu kommen und bis dahin einige Songs auswendig zu können und auf der Bühne zu präsentieren. Im Gegenzug versprach die Band die Werder-Hymne, "Lebenslang grün-weiß", zu singen. Dafür bekam Steffi ein Werdertrikot mit der Rückennummer 27, von Jungspieler Johannes Wurtz, mit allen Unterschriften geschenkt. Auch wenn die Spieler nicht auf die Bühne wollten, waren doch einige in der Halle und konnten dabei zusehen und hören, wie Steffi ihr Versprechen einlöste und eine absolut, geile Rockversion des Songs sang. Da hielt es niemand mehr in seinen Sitzen und auch alle Zuschauer auf den oberen Rängen erhoben sich, um die Hymne zusammen mit Silbermond in voller Lautstärke zu singen. Einige schwangen ihre mitgebrachten Werderschals und es herrschte Stadionfeeling in der ÖVB-Arena.

Akkustik

Nach dem, teilweise sehr fetzigen und rockigen, Anfang der Show folgten nun ein paar Songs ohne laute Instrument. Auf der kleinen, kuscheligen Bühne in der Saalmitte performten die Vier Akustik-Versionen von "Unendlich" und dem Anti-Kriegs-Song "Weisse Fahnen", der Steffi beinahe zu Tränen rührte. Auch das Publikum, welches sich bei "Unendlich" noch als sehr textsicher erwiesen hat, schwieg betroffen bei diesem sehr nachdenklichen Song. Wieder zurück auf der großen Bühne folgten, unter Riesenjubel, "Symphonie", "Für Dich schägt mein Herz", "Zeit für Optimisten", "Irgendwas Bleibt" und "Himmel auf", bevor alle Feuerzeuge bei der wunderschönen Ballade "Ja" angemacht wurden. Danach verabschiedeten sich Silbermond. Sie ließen sich aber nur kurz um eine Zugabe bitten und waren einen gefühlten Wimpernschlag später wieder auf der Bühne.

Zugabe

Die Frage, ob sie noch ein bisschen bleiben dürfen, wurde mit frenetischen Jubel beantwortet, der kurz in Erstaunen und Überraschung überging, als es sich Gitarrist Thomas und sein Bruder, Bassist Johannes, auf dem rechten und linken Oberrang mit ihren Instrumenten bequem machten, um von dort aus den Rest der Band bei dem Song "Nichts Passiert" zu unterstützen. Steffi war derweil auf der kleinen Bühne und sagte, dass sie keine Lust hätte zur Bühne zurückzulaufen. Auf die Frage, ob die Fans sie nicht tragen könnten, gingen alle Hände nach oben, Steffi befreite sich von ihrer Kabellage und ihrer Jacke und ließ sich ins Publikum fallen. Hunderte Hände trugen die Sängerin nach vorne an die Bühne, wo sie gleich, scheinbar ausgeruht :) und mit frischer Energie, mit "Ich bereue nichts" weitermachte.

Das Beste kommt zum Schluß

Ein alter Spruch sagt, dass das Beste stets zum Schluss kommt. Das haben sich wohl auch Silbermond gedacht und so performte Sängerin Steffi diesen wohl erfolgreichsten Song der Band, nur durch Thomas Stolle am Klavier unterstützt, als sich das Ende des Konzerts schon deutlich abzeichnete. Dieses Lied geht auch noch nach sechs Jahren immer wieder unter die Haut und zeigt einem, wie wichtig es ist, jede Minute zu genießen, die man Menschen um sich hat, die einem wichtig sind. Der Kuschelfaktor in der Halle stieg und das spielte dem allerletzten Song dieses Abends richtig gut in die Karten. Zuvor wurden alle Zuschauer von Steffi aufgefordert, Lichtquellen, sofern vorhanden, rauszusuchen und starklar zu machen. Schaltet bitte die Lichter erst an, wenn alle bereit sind, bat die 28-Jährige. Dann wurde laut und kollektiv von ein bis vier gezählt und derweil alle Bühnenbeleuchtung ausgemacht. Auf "vier" gingen Taschenlampen, Feuerzeuge, Handys und alles andere was leuchten konnte an und die Halle verwandelte sich in ein Lichtermeer, bei dessen Anblick einem der Atmen stockte, so schön sah es aus. Die perfekte Kulisse für den Song "Krieger des Lichts", mit dem die wunderbare Show ihren Abschluss fand. Gefühlvoller Deutschrock in seiner schönsten Form, hat vielen tausend Menschen einen ganz besonderen Abend beschert. Danke Silbermond!



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