Russische Polizei macht Jagd auf weitere Pussy Riot-Mitglieder

Tue, 21 Aug 2012 05:51:00 GMT von

Im spektakulären Prozess gegen die russische Frauen-Punkband Pussy Riot scheinen die russischen Behörden nicht locker lassen zu wollen. Sie wollen weitere Mitglieder der Band identifizieren und ebenfalls vor Gericht bringen.

Urteilsspruch

Am vergangenen Freitag wurden die drei inhaftierten Damen der Punkband Pussy Riot zu je zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. International hat dieses Urteil eine Welle der Empörung ausgelöst. Es wird als Machtdemonstration Putins gesehen, der so den Beweis für seine Angst liefert, dass zumindest ein Teil des russischen Volkes politisch erwacht und für das was es will auf die Straße geht. Putin leistet mit dieser harten Gangart aber auch den Unmut derer Vorschub, die nach 12 Jahren unter seiner Herrschaft ein weniger repressives und korruptes Regime wollen. Eine Berliner Zeitung wirft der russisch-orthodoxen Kirche vor, sich zum Richter aufzuschwingen und das obwohl der Kreml als auch die Kirche an chronischem Muskelschwund leiden, ihre Machtposition aber verzweifelt versuchen aufrecht zu erhalten. Zwei Jahre Arbeitslager für ein Punk-Gebet, damit hat sich Russland PR-technisch ins Aus geschossen. In zwei Jahren sollen in Russland die olympischen Winterspiele stattfinden und vier Jahre später die nächste Fußball-WM. Wenn sich bis dahin nichts ändert, wird allen Gästen wohl ein herzliches Willkommen zur Putin-Propaganda-Show ausgesprochen.

 

Hetzjagd

Die russische Polizei lässt nun nach zwei weiteren Mitgliedern fahnden. Insgesamt fünf Frauen waren auf dem Video des Punk-Gebets zu sehen. Neben den zwei fehlenden Damen vermutete die Polizei noch weitere freie Aktivisten. Sie haben eins und eins zusammengezählt und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Video ja auch von irgendjemand gefilmt wurde. Auch diesen Personen droht eine Haftstrafe wegen Rowdytums aus religiösem Hass. Der russische Außenminister verurteilte die internationale Empörung über das Urteil gegen die drei jungen Frauen. Er sprach sogar von Hysterie und man solle vor dem Ende der angekündigten Berufungsverhandlung keine Schlüsse ziehen. Dies fällt angesichts der uferlosen Bigotterie in diesem Land sehr schwer.

 

Garri Kasparow

Dem früheren russischen Schachweltmeister Garri Kasparow droht eine Anklage wegen Gewalt gegen Gesetzeshüter und somit fünf Jahre Haft. Er hatte gegen das Pussy Riot-Urteil seinen Protest zum Ausdruck gebracht. Angeblich soll er dabei einen Polizisten verletzt haben. Viele Hunderte Anhänger der Band protestierten gegen den Prozess und das Urteil. Dutzende wurden festgenommen, darunter eben auch der Putin-Kritiker Kasparow. Ihm wird vorgeworfen einem Polizisten ins Ohr gebissen zu haben. Kasparow wehrt sich heftig gegen diese Vorwürfe und tut diese als lächerlich ab. Er werde gern sein Zahnschema zur Verfügung stellen und werde seinerseits eine Klage wegen Verleumdung anstrengen. Der Imageverlust Russlands wird von Tag zu Tag größer. Ein bekannter russischer Blogger sagte, im Gerichtssaal wäre es wie bei den Prozessen zur Hexenverbrennung zugegangen. Das Urteil wäre eine politische Abrechnung und eine demonstrative Vernichtung des Rechts. Empörung aller Orten, die beim russischen Behördenapparat auf taube Ohren stößt.

 

Das Tüpfelchen auf dem "i"

Madonna ("Ray Of Light") hatte auf einem Konzert in der russischen Metropole Moskau für die Rechte von Schwulen und Lesben geworben. Diese Aussagen riefen die Gegner von Homosexuellen auf den Plan. Sie demonstrierten ihre Empörung, indem sie eine öffentliche Verbrennung von Bildern der Queen of Pop zelebrierten und sich in wüsten Beschimpfungen ergingen. Madonna droht jetzt eine Klage. Sie soll 8,4 Millionen Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Grund dafür ist, dass erst vor kurzem in St. Petersburg ein Gesetzt erlassen wurde, dass es verbietet öffentlich für Homosexualität einzutreten. Dieses Gesetz rundet das Bild dieses weltoffenen Landes (ich hoffe jeder erkennt an dieser Stelle die triefende Ironie) ab. Wie lange kann dieses Regime sein Volk wohl noch mundtot machen? Irgendwann sind die Gefängnisse und die Arbeitslager voll und was dann? Hoffentlich wird es immer Mutige in diesem Land geben, die die Hoffnung nicht aufgeben, etwas verändern zu können.



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