XOV - Wild
erhältlich ab
10.07.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Pop / Soul
Label
Island
Vertrieb
Universal
Laufzeit
00:45:50
Redaktion
Eure Bewertung

"Wildes" Achterbahnleben

Was für eine Story: XOV floh als Neunjähriger aus dem Iran in die Vorort-Tristesse von Stockholm. Es folgten der Tod seines drogenabhängigen Vaters und schwere Misshandlungen durch die dort präsenten Neonazis, bis er bei einer Prügelattacke schließlich all seine Zähne verliert. Ein Umzug in die USA und eine nicht enden wollende Reihe von OPs sind die Konsequenz. Irgendwann kommt er wieder nach Schweden, leitet schließlich eine Firma und - verliert sein komplettes Geld. Wieder am Boden. Wieder ganz unten. Er fängt an seine Emotionen in Texten zu verarbeiten, beginnt erst zu rappen, dann zu singen. Schließlich wird der heute 29-Jährige über Soundcloud von Lorde entdeckt, die ihn 2014 auf den Soundtrack zu "Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1" packt. Ab da geht es aufwärts. Ein neues Musiklabel, eine neue Karriere und mit "Wild" ein neues, erstes Album.

Es ist wenig zu spüren von den ganzen positiven Entwicklungen, die XOV in den letzten Monaten widerfahren sind. Die Texte bleiben ein Nachbeben aus einer Zeit, in der Armut und Krankheit sein Leben dominierten. "Wild" war es damals nur bedingt. Eher eine Zeit, geprägt vom Überlebensinstinkt. Ein Leben in Grautönen. Dementsprechend düster bleibt es auf "Wild". XOV spricht über eine Zeit ohne Geld und ohne Liebe, über Verlust und äußert dies mit emotionsgeladenem Gesang so, dass es wehtut. Manchmal ist Ehrlichkeit schwer zu ertragen. Nur das Träumen bleibt, um der Realität zu entfliehen. Und so ist das "Paradise" manchmal so nah, auch wenn im Kellerloch, das als Wohnung fungiert, die Ratten umhertollen.

Nur schade, dass das Gedudel im Hintergrund Inhalt und Stimme dann nicht gerecht wird. "Wild" steckt voller Pop-Produktionen mit pseudoexperimentellen Ansätzen, die schnell wieder vergessen sind. Klar, fürs Radio funktioniert das, und schlecht wird es an keiner Stelle. Aber wenn auf Tracks wie "Black Ocean" die pathetische Keule ausgepackt wird, fühlt man sich doch etwas verschaukelt. Doch Ausnahmen bestimmen auch auf "Wild" die Regel. XOVs Auseinandersetzung mit Geld ("Money") wird beflügelt von hiphoppigen Tönen und plötzlich sogar Breakbeat-Anleihen. Mehr davon hätte dem Album gut getan, doch kurz darauf stellt sich auch schon wieder eine gewisse Belanglosigkeit ein. Schade drum. "Wild" ist noch nicht perfekt, aber macht Lust auf das, was folgt.

Johann Voigt
teleschau | der mediendienst

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