Rumer - This Girl's In Love
erhältlich ab
25.11.2016
Genre
  • Rock/Pop
  • Retro-Pop
Label
EastWest Records
Vertrieb
Warner
Laufzeit
Redaktion
Eure Bewertung

Die Qualitäts-Keule

Die Evergreens des Komponisten Burt Bacharach und seines kongenialen Texters Hal David gehören zum Besten, was die Popmusik hervorbrachte. Das Problem: Songs wie "The Look Of Love", "Walk On By" oder "What The World Needs Now Is Love" wurden bereits Tausende Male gecovert. Sie gehören zum Repertoire eines jeden Hotelbar-Pianisten und ähnlicher musikalischer Hintergrundveranstaltungen. Wie also 2016 ein Bacharach-Tribute-Album aufnehmen, das die Welt wirklich braucht? Die britische Sängerin Rumer, deren Geschichte mit der Pflege des Bacharach-Erbes eng verzahnt ist, beantwortet jene Frage auf ihrem vierten Album eindeutig. Zwölf Cover bekannter und weniger bekannter Bacharach-Preziosen erschaffen wenig Neues, klingen aber edel wie nie.

Sarah Joyce, Künstlername Rumer, besitzt eine jener Stimmen, wie man sie heute im Pop nicht mehr allzu oft vernimmt: Sie ist kristallklar und schnörkellos. Keine Rock- oder R'n'B-Floskeln verdecken bei Rumer das Wesentliche: die Schönheit einer Melodie, die Botschaft eines guten Textes, die von ihrer Stimme sanft wie mit einem Raumgleiter ans Ohr des Zuhörers geleitet werden. Verglichen wurde Rumers Stimme oft mit jener des Pop-Phänomens Karen Carpenter, die Anfang der 80-er an den Folgen ihrer Magersucht starb. Ebenso wie Carpenter versteht es auch Rumer, die Melancholie der Liebe und des Lebens klar und anrührend zu treffen. Dies ist schon mal eine gute Voraussetzung für "A Bacharach And David Songbook", wie das Album "This Girl's In Love" im Untertitel heißt.

Tatsächlich ist Rumer langjähriger Fan dieser Songs, ebenso wie ihr Ehemann, der Arrangeur und Komponist Rob Shirakbari, der lange Jahre als Musical Director für Bacharach arbeitete. Tatsächlich lernten sich Rumer und Shirakbari auf einer Dionne-Warwick-Gala kennen, wo sie einen Song des mittlerweile 88-jährigen Song-Großmeisters aufführten. Seit vielen Jahren singt die Britin Bacharach-Songs und wurde dafür vom alten Burt bereits in sein Haus nach Kalifornien eingeladen. Man darf also von einem Album sprechen, das künstlerisch durchaus im eigenen Saft schwimmt - einem sehr gut abgeschmeckten allerdings.

Rumers und Shirakbaris Orchester-Arrangements und die Orignal-Bemühungen, die vorwiegend aus den 60er-Jahren stammen, sind in ihrem Gestus nicht völlig verschieden. Es sind eher Marginalien, die den Klassikern eine Farbauffrischung verleihen: "The Look Of Love" ist der Bossa Nova abhanden gekommen, auch bei "(They Long To Be) Close To You" tritt das Traurige des Textes mehr hervor. Lediglich bei "One Less Bell To Answer" war dies nicht mehr nötig, der Song ist schon im Hit-Original von The Fifth Dimension von unendlicher Traurigkeit. Immerhin befinden sich auf Rumers Album auch weniger bekannte Bacharach/David-Kompositionen wie "Land Of Make Believe" oder "The Last One To Be Loved". Diese landeten auf persönlichen Vorschlag des Komponisten hin auf der Playlist, was Rumers Werk auch ein bisschen zur Bacharach-Veröffentlichung macht.

Hal David, der vielleicht beste, weil subtil poetischste Pop-Poet in der Geschichte der Hitparade, starb 2012 im Alter von 91 Jahren. Über ihn sagt Rumer: "Ich liebe Hal, seine Worte beschreiben emotionale Krisen mit größter Simplizität." Warum sollte man etwas verändern, das in den perfekten Songs einer kongenialen Beziehung schon perfekt war? Kurz: Es ist nicht möglich, Davids und Bacharachs Kompositionen besser zu machen. Deshalb spielt Rumer auf hohem Niveau ein wenig mit den Schattierungen jenes Perfekten herum. Kann man machen, hört sich gut an.

Eric Leimann
teleschau | der mediendienst

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