Refused - Freedom
erhältlich ab
26.06.2015
Genre
  • Hard&Heavy
  • Hardcore
Label
Epitaph
Vertrieb
Indigo
Laufzeit
00:43:26
Redaktion
Eure Bewertung

Radikale Rückkehr

Verweigert oder abgelehnt, das bedeutet "Refused" auf Deutsch. Und das passt zur gleichnamigen Hardcore-Band. Die verweigerte sich ebenfalls. Am Ende sogar ihrem eigenen Untergang. Das 1998 erschienene "The Shape Of Punk To Come" gilt heute als bahnbrechendes Referenzwerk, zu dem es allerdings erst aufstieg, als Refused gar nicht mehr existierten. Da gab es natürlich nur eine Lösung: die Wiederauferstehung. Zuerst probierte man es live, nun folgt mit "Freedom" ein neues Studioalbum.

Der Titel ist etwas irreführend. Er wirkt in diesem Kontext wie ein abgekautes Schlagwort. Irreführend ist er aber auch in anderer Hinsicht: "Die Musik, welche wir machen, ist sehr kontrolliert. Wie ein Streichquartett. Es gibt kaum eine Note, die wir nicht absichtlich gesetzt haben. Es existiert da keine Freiheit", gibt die Band im Interview zu Protokoll. Tatsächlich wirkt jeder Ausbruch genauestens vorbereitet, jedes Wort sorgfältig durchleuchtet: Refused sind älter geworden.

Nur gut, dass Fans die Eigenschaft besitzen, mitzuwachsen. In den vergangenen 17 Jahren hat die extreme Musikwelt einiges an neuen Spitzen hervorgebracht. "Freedom" sollte daher nicht im direkten Vergleich zu seinem berühmten Vorgänger gesehen werden, sondern als eine Verpflanzung der Refused-Seele in die Gegenwart.

Wie Marionettenfäden hängen die einzelnen musikalischen Kategorien in den Händen der schwedischen Puppenspieler. Und hier kommt die Freiheit ins Spiel: Dass der liebliche Frauengesang zu Beginn von "Dawkins Christ" nicht lange unbeantwortet bleibt, versteht sich von selbst. Dass sich humorvoll wirkende Poppigkeiten wie in "Servants Of Death" oder "War On The Palaces" mit der Basisradikalität vereinbaren lassen, zeugt von Reife. Dazu kommen zwei von Shellback (Taylor Swift, Pink) produzierte Songs, die jegliche Skepsis, welche angesichts dieser Kollaboration entstanden sein könnte, im Keim ersticken. "Useless Europeans" gibt einen beklemmenden Abschluss. Refused sind lebendiger denn je. Auch wenn "Freedom" kaum Platz zum Atmen lässt.

Alexander Diehl
teleschau | der mediendienst

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