R.E.M. - Unplugged 1991/2001: The Complete Sessions
erhältlich ab
23.05.2014
Genre
  • Oldies&Reissues
  • Pop / Rock
Label
Warner
Vertrieb
Warner
Laufzeit
02:14:56
Redaktion
Eure Bewertung

Nur die Songs zählten

Wer waren R.E.M. eigentlich? Wenn man auf die über 30-jährige Karriere der 2011 aufgelösten Band aus Athens, Georgia, zurückblickt, greifen die meisten Beschreibungen zu kurz. R.E.M. waren zunächst kultisch verehrte Alternative-Band, galten bald als Miterfinder des US-College-Rock, feierten später mit der düsteren Ballade "The One I Love" ihren ersten größeren Charterfolg und wurden schließlich mit dem Mandolinen-Folk-Pop von "Losing My Religion" 1991 zu Superstars. Danach brillierten sie mit schwermütigen Elegien ("Automatic For The People"), um dann mit schwerem Glamrock das Ende der Grunge-Ära zu besiegeln ("Monster"). Spätestens seit ihrem 1996 geschlossenen 80-Millionen-Dollar-Plattenvertrag zählten sie zu den größten Bands der Welt. Die vielleicht einzige Konstante in der Karriere der Band zeigt nun das Doppelalbum "Unplugged 1991/2001", auf dem erstmals die kompletten Mitschnitte ihrer beiden MTV-Akustik-Sessions veröffentlicht werden: R.E.M. waren stets großartige Songwriter.

Eine Tatsache, die sich auch darin widerspiegelt, dass R.E.M. bis heute die einzige internationale Band sind, die zwei Mal ein "MTV Unplugged" aufzeichnen durfte. Ihr Auftritt im April 1991 zählte nicht nur zu den ersten Akustik-Sessions des Musiksenders überhaupt, sondern neben den - auch kommerziell erfolgreichen - Mitschnitten von Nirvana und Eric Clapton sicher auch zu den frühen Highlights der Reihe. Und die Anfrage von MTV hätte für R.E.M. kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können: "Losing My Religion" war gerade auf dem besten Weg, sich zum Welthit zu entwickeln, der größtenteils akustische Folk-Pop des wenige Wochen zuvor erschienenen Albums "Out Of Time" war prädestiniert für das Format.

Folglich beeindruckten R.E.M. bei ihrem ersten "Unplugged" nicht etwa mit ungewohnten oder ungewöhnlichen Arrangements ihrer Songs. Vielmehr zeigte ihr Auftritt ein sympathisches und unprätentiöses Quartett, das einfach einige ihrer besten, eher akustischen Songs spielte. Und trotz seines Rufs als intellektueller Grübler, zeigte sich sogar Sänger Michael Stipe als charmanter Conferencier. "Not bad", kommentiert etwa schelmisch er die Performance des "Radio Song". Im Vordergrund standen doch die Songs. Und egal ob beim fröhlichen "Half A World Away" oder dem düsteren "Low", bei versteckten Perlen wie "Perfect Circle" oder "Swan Swan H" (einer von fünf hier enthaltenen Songs, die nicht in der Show zu sehen waren) oder dem Stakkato-Spoken-Word-Rock von "It's The End Of The World (As We Know It)": 1991 präsentierte sich eine Band, die auf dem Sprung nach ganz oben war - allein aufgrund der Kraft ihrer Melodien.

Der Auftritt zehn Jahre später stand hingegen unter anderen Vorzeichen: Nach dem Ausstieg von Drummer Bill Berry 1997 hatten R.E.M. auf zwei Alben mit ihrem Sound experimentiert - und dabei nicht immer überzeugt. Auf ihren Kern reduziert konnten jedoch auch neuere Songs wie das träumerische "Daysleeper" oder die unschuldige Liebeserklärung "At My Most Beautiful" ihre ganze Schönheit zeigen. Im Vergleich zu ihrem ersten "Unplugged" präsentierten sich R.E.M. allerdings auch als gewachsene Band. Dank dreier zusätzlicher Mitstreiter und eines großen Instrumentenparks wirkt der Sound trotz der Akustikprämisse wesentlich üppiger, die Präsentation natürlich routinierter als zehn Jahre zuvor. Dafür begeisterte die Setlist umso mehr. Auf die großen Hits - einzige Ausnahme: "Losing My Religion" - verzichtete man zugunsten älterer ("So. Central Rain") und selten gespielter Bandklassiker ("Cuyahoga"). Um so erneut zu beweisen: R.E.M. waren eine Band, die zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere großartige Songs hatte.

Stefan Weber
teleschau | der mediendienst

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