Leslie West - Soundcheck
erhältlich ab
20.11.2015
Genre
  • Rock/Pop
  • Hard-Rock
Label
Provogue
Vertrieb
Rough Trade
Laufzeit
00:44:15
Redaktion
Eure Bewertung

Eine eindrucksvolle Reise

Ende Oktober feierte Leslie West seinen 70. Geburtstag. Doch trotz maßgeblicher Mitgestaltung der Musikgeschichte mit seinem Ostküsten-Bluesrock-Flaggschiff Mountain und dem zumindest unter 70er-Jahre-Kennern zum Kultstatus avancierten Power-Trio West, Bruce and Laing - mit Jack Bruce von Cream am Bass - blieb bei Leslie West der große Ruhm weitestgehend aus. Wests Jahrgangskollege Neil Young hat es diesbezüglich da wohl um einiges besser getroffen. Doch ebenso wie Young kann West auf eine beeindruckende Riege von Verehrern zurückblicken: Eddie Van Halen, Randy Rhoads, John McLaughlin, Martin Barre (Jethro Tull), Pete Townshend (The Who) und Richie Blackmore (Deep Purple), um nur mal einige zu nennen.

Kein Wunder also, dass gestandene Musiker wie Blues-Kollege Joe Bonamassa, Ex-Gunner Slash, ZZ Tops Billy Gibbons, Zakk Wylde, Steve Lukather, Johnny Winter, Jonny Lang und Mark Tremonti bei der hochwertigen Befüllung von West-Alben tatkräftig involviert waren. Seine Kombination aus einem warmen Vibrato im Gitarrenspiel und seinem zwischen standfesten Shouting, rockendem Timbre und gemütlichem Schmachten oszillierendem Stimmorgan beeindrucken selbst gestandene Rocker und lassen eben auch berühmte Kollegen wie von selbst im Studio Spalier stehen.

Statt wie zuletzt auf "Still Climbing" mit vollem Dampf nach vorne zu rocken, hangelt sich Leslie West nun auf dem aktuellen Longplayer "Soundcheck" mit unterschiedlichen Stimmungen eklektisch durch die Arkaden des Blues und gibt dabei auch ein paar Cover-Songs zum Besten.

Dabei scheut er sich nicht, zu Beginn ganz cool eine Slide-Guitar mit einem Synthesizer zu kreuzen ("Left By The Roadside To Die"), mit dem Klavier eine Southern-Rock-Version von Tracy Chapmans "Give Me The Reason" zu untermalen oder eine groovende Heavy-Rock-Nummer à la AC/DC ("Empty Promises/Nothin' Sacred") mal eben so aus dem Ärmel zu zaubern. Wenn man das hört, wirken manche Genregrößen in Wests Alter dagegen wie dösende Klampfer.

Freilich sind auf "Soundcheck" auch wieder einige hochkarätige Mitstreiter involviert: Mit Gitarrist Peter Frampton zelebriert West eine fragile Version des Evergreens "You Are My Sunshine", und Queen-Vorsteher Brian May darf sich im von Boogie infizierten Blues-Klassiker "Going Down" richtig austoben. Das Gegenstück hierzu bildet ein akustisch berührend instrumentiertes "Stand By Me", bei dem West zudem beweist, was für ein wandlungsfähiger Sänger er ebenso auch im Duett sein kann. Ihm zur Seite steht die 16-jährige Sängerin Ariela Pizza, die Tochter eines alten Freundes und Songwriter-Kollegen.

Eine kurz gehaltene, launige Instrumentalversion von "Eleanor Rigby" sorgt für ein Lächeln auf den Lippen, ehe das finale "Spoonful" noch einen letzten Schauer über den Rücken des Hörers laufen lässt. Die etwas fragwürdige Demo-Kassetten-Qualität des Songs mindert das Hörerlebnis zwar ein wenig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Live-Mitschnitt von 1988 ein wahrer Schatz ist. Hier arbeitet sich West mit seinem kürzlich verstorbenen Freund Jack Bruce hörbar mit Blut, Schweiß und Tränen durch den legendären Willie-Dixon-Song. Eine würdevolle und angemessene Verbeugung an seinen ehemaligen Mitstreiter - besser hätte Leslie West diese Reise durch seine ganz persönliche Musikhistorie nicht beenden können.

Constantin Aravanlis
teleschau | der mediendienst

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